Glück gehabt: Die Corona-Tests der Kinder sind negativ ausgefallen. Die Corona-Warn-App hat sich erstmals als nützlich erwiesen. © Kohues
Kolumne, Teil 3

Quarantäne-Tagebuch: Was haben wir doch für ein Glück

Mit kleinen Kindern in Quarantäne: Unser Autor schildert, wie seine Familie nach einer Corona-Infektion in der Kita ihr Leben zuhause meistert. Das klappt zu seinem Erstaunen ziemlich gut.

Da sitze ich wieder und tippe. Am Schreibtisch im Homeoffice, das sich bei uns im Schlafzimmer befindet. Das einstige Arbeitszimmer ist vor zwei Jahren zum zweiten Kinderzimmer geworden.

Darin vergnügen sich gerade eine Indianerin und eine Biene. Wir haben die Kiste mit den Karnevalskostümen aus der Garage geholt. Die Kinder lieben es, sich zu verkleiden – und wir müssen sie in der Quarantäne schließlich so gut es geht bei Laune halten. Auch aus Selbstschutz.

Karneval in Quarantäne: Den Kindern ist es schnuppe, Hauptsache Verkleiden. © Kohues © Kohues

Bis jetzt klappt das gut. Erstaunlich gut, um ehrlich zu sein. Ich gebe zu, dass ich vor der Quarantäne ganz viel Respekt hatte, auch Sorgen.

Aber im Grunde, das merke ich mehr und mehr, hat sich gar nicht so viel geändert. Zumindest bezogen auf Freizeit und Kontakte. Viel unternehmen, Freunde treffen – darüber können wir Langzeit-Lockdown-Leidgeplagten ja nur noch müde lächeln.

Klar, das eigene Grundstück jetzt gar nicht mehr zu verlassen, ist schon eine Verschärfung – vor allem, wenn wie am Wochenende die Sonne vom Himmel lacht und förmlich einlädt zum ausgedehnten Spaziergang inklusive Besuch auf dem Spielplatz.

Gefühlswelten in der Quarantäne: Mal dankbar, mal genervt

Aber Jammern hilft ja nun auch nicht. Draußen waren wir trotzdem. Haben zum Abend die Feuerschale auf die Terrasse gestellt, mit den Kindern Stockbrot gebacken und Punsch getrunken. Es war einer dieser Momente in der Quarantäne, in dem ich dachte: Was haben wir doch für ein Glück.

Glück, dass wir alle gesund sind. Wenige Stunden zuvor hatte die Corona-Warn-App gemeldet, dass die Tests der Kinder negativ ausgefallen sind.

Glück aber auch, weil wir irgendwie besser klarkommen, als ich das vorher so gedacht hatte. Vor allem die Kinder schlagen sich – gemessen an all dem, was ihnen gerade vorenthalten wird – sehr tapfer.

Die Geschwister finden besser zueinander

Der Satz „Mir ist langweilig“ fällt kaum, trotz der vielen Zeit im Haus. Streiten und Schreien – ja klar, das kommt vor. Es nervt auch. Aber es nimmt nicht überhand. Tatsächlich haben wir fast den Eindruck, dass die große und die kleine Tochter gerade lernen, mehr und besser miteinander zu spielen und auszukommen. Das ist sehr schön.

Und dann sind da ja auch noch unsere Jobs. Auch mit denen haben wir Glück. Meine Frau, die Oecotrophologin, und ich, der Journalist. Glück insofern, als wir Betreuung und Arbeit miteinander vereinbart kriegen. Wir wechseln uns im Homeoffice ab, arbeiten zu flexiblen Zeiten auch am Wochenende, damit in der Woche immer jemand für die Kinder Zeit hat.

Abends wird mehr geweint, gezankt und geschrien

Denn beides zusammen, arbeiten und betreuen, klappt nicht – das hatten wir schon vor der Quarantäne gelernt. Wie zur Bestätigung werde ich, während ich diese Zeilen schreibe, mehrfach unterbrochen. Erst kommt das eine Kind rein, dann das andere. Will ein Buch vorgelesen haben, will etwas mit mir spielen, will, dass ich mich auch verkleide, heult, wenn es das Zimmer verlassen muss.

Der Tag neigt sich dem Ende, meine Frau kocht das Abendessen. Sie ist mit den Nerven runter. Abends ist es immer besonders anstrengend. Die Kinder sind müde, und wir Eltern auch. Es wird mehr geweint, mehr gezankt, mehr geschrien.

„Ich möchte, dass keiner von euch arbeitet!“

Wie lange ich noch arbeiten müsse, will die Große wissen. Vielleicht eine halbe Stunde, sage ich. Wie lange das sei, will sie wissen. Und dann sagt sie mit Bestimmtheit: „Ich möchte, dass keiner von euch arbeitet!“ Ich sage ihr dann mit der Geduld desjenigen, der den ganzen Tag arbeiten durfte und nicht betreuen musste, dass das so nicht geht. Dass Mama und Papa arbeiten müssen, damit wir alle ein schönes Leben haben können und so. Aber dafür ist sie gerade nicht empfänglich.

Ja, es gibt sie, diese Momente, in denen sich einfach alles doof anfühlt. Für die Kinder und auch für uns. Auch und gerade jetzt in der Quarantäne hier im Haus, das ich heute nur verlassen habe, um die Mülltonne an die Straße zu stellen.

Aber eigentlich haben wir doch Glück.

  • In der Kolumne „Quarantäne-Tagebuch“ schildert unser Autor Kevin Kohues, wie seine Familie die häusliche Quarantäne nach einer Corona-Infektion in der Kita seiner Kinder erlebt.
  • Hier geht es zu Teil 1:
  • Hier geht es zu Teil 2:
Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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