Während unser Autor im Homeoffice einzurosten droht, finden die kreativen Kinder Mittel und Wege, wie das eigene Wohnzimmer zum Abenteuer-Spielplatz umgenutzt werden kann. © Kevin Kohues
Kolumne, Teil 4

Quarantäne-Tagebuch: Es muss sich dringend was bewegen

Die Quarantäne ist überstanden. Im vierten und letzten Teil seines Tagebuchs erzählt unser Autor, wie sein Wohnzimmer zum Abenteuer-Spielplatz wurde und dass sich jetzt etwas ändern muss.

Eine positive Eigenschaft des Menschen ist ja, dass er sich an fast alles gewöhnt. Ob Homeoffice, geschlossene Geschäfte und Freizeiteinrichtungen oder die Zoom-Konferenz mit den Freunden: Vieles, was vor einem Jahr unvorstellbar schien, ist schon lange normal. Wobei mit „normal“ nicht unbedingt „schön“ gemeint ist.

An die Quarantäne als Normalität mussten wir uns zum Glück nicht gewöhnen, wir haben sie ohne größere Katastrophen überstanden. Das nüchterne Fazit: Im Grunde hat sie den seit Monaten vorherrschenden Zustand nur auf die Spitze getrieben. Wir waren noch mehr zuhause, haben noch weniger andere Menschen gesehen. Eine große Umstellung war es nicht.

Zur Feier des Tages ein ausgiebiges Matschbad auf dem Spielplatz

Jetzt sehen wir das Positive: Das Grundstück darf wieder verlassen werden. Die Kinder und ich haben das gefeiert mit einem ausgiebigen Matschbad auf dem Spielplatz. Im strömenden Regen. Hilft ja nichts, kann man ja alles waschen.

Dass die Waschmaschine gefühlt den ganzen Tag läuft, weil die Kinder es mitunter selbst nach dem Baden schaffen, sich direkt wieder die Klamotten zu versauen, ist zwar durchaus ein Thema mit Aufregerpotenzial, aber ich will das hier jetzt nicht vertiefen.

Quarantäne-Kontrast: Heute Homeoffice, morgen Kinderdienst

Was ich eigentlich sagen will: Am Ende dieses ersten Spielplatz-Tages mit den Kindern war ich fix und fertig. Wie fast immer nach einem ganzen Tag mit den beiden Energiebündeln.

Aber in der Quarantäne war der Kontrast besonders groß. Da meine Frau und ich uns mit dem Arbeiten quasi abgewechselt haben, war ich am einen Tag im Homeoffice und am nächsten im Kinderdienst. Oder anders ausgedrückt: Heute einrosten, morgen im Dreieck springen.

Homeoffice läuft in der Regel so: Ich sitze am Laptop. Punkt.

Im Homeoffice ist es nämlich in der Regel so: Ich sitze am Laptop. Den ganzen Tag. Bewegungsarmut hoch zehn. Einmal pro Stunde meldet sich die Uhr, die auch die Schritte zählt. Wenn es nichts zu zählen gab, erscheint ein kleines Männchen auf dem Display, das sich reckt und streckt. Zeit, sich mal wieder einen Kaffee zu holen. Von den empfohlenen 10.000 Schritten am Tag bin ich an solchen Tagen oft so weit entfernt wie Schalke 04 von einem Nichtabstiegsplatz.

Die Schrittzahl unseres Autors wächst mit seinen Herausforderungen. An Kinderbetreuungs-Tagen knackt er die empfohlenen 10.000 Schritte pro Tag ganz locker. An Homeoffice-Tagen (siehe Foto) rauscht die Zahl hingegen dramatisch in den Keller. © Kohues © Kohues

Ganz anders die Tage im „Kinderdienst“: Wenn sie nicht gerade vor dem Fernseher sitzen, sind unsere beiden Mädchen mit einem bewundernswerten Bewegungsdrang und ebensolcher Ausdauer gesegnet.

Unser Wohnzimmer als Abenteuer-Spielplatz

Will man sie müde machen, lässt man sie am besten lange draußen an der frischen Luft rennen, toben und springen. In der Quarantäne erwiesen die Kinder sich freilich als ausgesprochen kreativ, wenn es darum ging, unser Wohnzimmer in einen Abenteuer-Spielplatz zu verwandeln. Es liegt schließlich überall Spielzeug rum, das sich wunderbar für einen Hindernisparcours verwenden lässt mit der Couch als Kletterwand.

Es bleibt die Hoffnung auf ein Ende des Lockdowns

Und Quarantäne hin oder her: Viel ändern wird sich daran erstmal nicht. Corona ist ja noch ein Weilchen. Aber bitte nicht falsch verstehen: So schnell brauchen wir das mit der Quarantäne nicht wieder. Es muss sich was bewegen. Ich mich, die Kinder sich, wir uns alle.

Wir müssen heraus aus dem Dauer-Lockdown, denn gesund ist das auf Dauer ja weder körperlich noch geistig, so viel Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Deshalb – und auch das eint unsere Familie sicher mit allen anderen Leuten – bleibt trotz aller Unwägbarkeiten der Pandemie die große Hoffnung auf Lockerungen im Frühjahr und Sommer.

  • In der Kolumne „Quarantäne-Tagebuch“ schildert unser Autor Kevin Kohues, wie seine Familie die häusliche Quarantäne nach einer Corona-Infektion in der Kita seiner Kinder erlebt.
  • Hier geht es zu Teil 1:
  • Hier geht es zu Teil 2:
  • Hier geht es zu Teil 3:
Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
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