Von melancholischem Säuseln bis hin zu provokanten Stimmungsmachern mit Gassenhauer-Potenzial - Die Acoustic Rotation sorgt am Samstagabend für beste Laune beim generationsübergreifenden Publikum.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 04.08.2019, 09:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist 18 Uhr, als die Singer- und Songwriterin Nanou auf die Bühne am Ufer der Seseke schreitet. Es ist das erste Mal, dass die junge Studentin unter ihrem Pseudonym auftritt. „Das ist etwas besonderes für mich“, erklärt sie. „Ich habe zwar schon mal allein auf der Bühne gestanden, aber bisher noch nie ein ganzes Set vorgetragen.“ Für sie ist das kostenlose Event im Sesekepark der Einstand als Solokünstlerin, entsprechend genießt Nanou, die im zivilen Leben Anne-Marie Benoit heißt, ihren Auftritt auf dem kostenlosen Event ganz besonders.

Bereits zum zweiten Mal lädt die Musikerinitiative „Laut und Lästig“ zu einem Konzert, das ganz ohne Verzerrer und elektrischen Sound auskommt. Im vergangenen Jahr fand die Acoustic Rotation auf der Maibrücke an der Seseke statt und stieß auch damals schon auf viel Zuspruch aus der Bevölkerung. In diesem Jahr läuft es sogar noch besser, rund 500 Besucher hätten sich im Sesekepark während der vier Stunden blicken lassen, schätzt der erste Vorsitzende Nils Dauk: „Das Publikum ist zudem sehr gemischt, das freut uns natürlich ganz besonders.“

Provokante und ehrliche Zeilen beim Konzert im Sesekepark: So gut war die Stimmung

Die Kamener Band „GCP“ trat mit modernen Coversongs von deutschen und englischen Bands auf. Seit 2014 ist GCP Teil der Kamener Musikerinitiative. © Stefan Milk

Die Acoustic Rotation gibt es jedes Jahr

Eigentlich sollte die Acoustic Rotation mehrmals im Jahr stattfinden, doch diesen Plan musste der Verein aufgeben. Denn obwohl professionell organisiert, bleiben die Musikveranstaltungen ein Hobby für die Vereinsmitglieder, die alle auch feste Jobs haben. „Klasse geht bei uns vor Masse“, so Dauk. „Deswegen haben wir uns entschieden, die Acoustic Rotation nur einmal im Jahr zu organisieren. So können wir unserem Qualitätsanspruch voll gerecht werden.“

„Ich kannte den Park bisher gar nicht, aber das Ambiente passt super zur Musik.“
KOnzertbesucherin Judith über den Sesekepark

Damit die Gäste in den Genuss aller musikalischen Darbietungen kommen können, tritt jede Band am Samstag zweimal auf. „So können die Besucher innerhalb von anderthalb Stunden jede Band einmal hören.“ Auch Nanou hat zwei Sets vorbereitet., das erste, bestehend aus Liedern wie „Ridiculous“, „I don‘t know“, „Teil von dir“ und „Hier und jetzt“ bestreitet sie mit einer Gitarre. Ihr zweites Set absolviert die münsteraner Studentin mit Wurzeln in Kamen dann am sogenannten Stage Piano, ein Keyboard, dass im Bezug auf Klang und Tastenanschläge einem echten Klavier sehr nahe kommt.

Inspiriert sind ihre Lieder von eigenen Erfahrungen, die sie so lyrisch verarbeitet. „Einige Leute schreiben Tagebuch“, so Nanou. „Ich schreibe stattdessen Lieder.“ Obwohl sie auch deutsche Texte schreibt, falle es ihr leichter, sich auf Englisch auszudrücken. „Wenn ich einen deutsches Lied singe, fühle ich mich fast nackt auf der Bühne“, verrät sie. „Denn dann weiß ich, dass das Publikum jedes Wort, jede Silbe versteht.“

Provokante und ehrliche Zeilen beim Konzert im Sesekepark: So gut war die Stimmung

Die Zuschauer machten es sich auf den Treppen im Sesekepark bequem. © Stefan Milk

Tiefgründige Lieder treffen auf provokante Zeilen

Während sich Nanou auf eigene Texte spezialisiert hat, begeistert die Kamener Band „GCP“, ein Kürzel für Grandma‘s Cellar Production, ihre Zuhörer mit modernen Coversongs von deutschen und englischen Bands. Seit 2014 ist die Band Teil der Kamener Musikerinitiative und hat schon auf einigen Konzerten ihr großes Talent unter Beweis gestellt. Als zweite Band an diesem Abend tritt GSP außerdem als Gastgeber der Veranstaltung auf.

Womuka ist ebenfalls eine Band, die wie Nanou ihren Lebensmittelpunkt in Münster hat. Die drei Akustik-Punker haben bereits ein Album mit dem Titel „Stabile Saitenlage“ auf den Markt gebracht. Mit ihrer frechen und offenen Art ziehen sie das Publikum schnell auf ihre Seite. Die Texte sind nichts für schwache Nerven, so lautet einer der Titel am Samstagabend „Geschlechtsteile lecken“.

Provokante und ehrliche Zeilen beim Konzert im Sesekepark: So gut war die Stimmung

Beim Publikum kam das Bühnenprogramm gut an. Jung und Alt feierten gemeinsam unter freiem Himmel. © Stefan Milk

Besucher der Veranstaltung sind zufrieden

Das Publikum lässt sich von solchen Songs aber zum Glück nicht abschrecken, Ute und Gerd Rogge sind von dem Konzert durchaus angetan. Bereits in ihren Siebzigern, würden sie noch regelmäßig Veranstaltungen in der Stadthalle oder den örtlichen Jugendzentren besuchen, erzählt die rüstige Rentnerin: „Da darf es gern auch ein bisschen rockiger zugehen, schließlich haben wir sowas früher auch gehört.“ Judith und Vicky sind über 50 Jahre jünger, doch auch die beiden 20-Jährigen haben gefallen am Konzert im Sesekepark gefunden.

„Da darf es gern auch ein bisschen rockiger zugehen, schließlich haben wir sowas früher auch gehört.“
Konzertbesucherin Ute Rogge über die Musik

„Wir sind zum ersten Mal hier“, so Judith. „Ich kannte den Park bisher gar nicht, aber das Ambiente passt super zur Musik.“ Renate Grigoleit ist Ende 40 und ebenfalls zum ersten Mal im Sesekepark: „Wir sind gekommen, um meinen Sohn zu unterstützen, der spielt nämlich bei GSP mit.“ Mit ihrer Familie hat sie es sich auf der Wiese gemütlich gemacht, während andere Besucher zwischen Feuerschalen und Fackeln die Treppen besetzen.

Festival ist Teil der „Summerlife“-Reihe

Das Open-Air im Sesekepark ist Teil der „Summerlife“-Reihe, einem Kulturangebot der Stadt Kamen. Die Musikerinitiative hat eng mit der Stadt zusammengearbeitet, die auch als Veranstalter auftritt. „Deswegen haben wir viel Unterstützung in Bezug auf die Infrastruktur bekommen“, so Dauk. „Das hilft uns natürlich sehr.“ Für da nächste Jahr will die Musikerinitiative nachhaltiger werden. „Plastikbecher wie in diesem Jahr wollen wir dann vermeiden, stattdessen wird es Mehrwegbecher geben, die wir uns kostenlos von der GWA leihen können.“ Wohin die Acoustic Rotation dann rotiert, dass weiß Dauk noch nicht. Bloß eine Vorgabe gebe es dafür: „Wir wollen mit dem Konzert reihum die schönsten Orte in Kamen in den Fokus rücken.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Evangelische Kirchengemeinde Kamen

Vielfalt in Kamens evangelischen Gottesdiensten stößt auf positives Echo

Hellweger Anzeiger Erfundene Straftat

„Fake News“ über Syrer und Handtaschenraub in Kamen führt zu Strafanzeige

Hellweger Anzeiger Früherer Edeka-Standort

Ex-Supermarkt in der Kamener Fußgängerzone leergeräumt – kommt jetzt ein Nachmieter?

Hellweger Anzeiger Volkshochschule Kamen-Bönen

Das neue „Haus der Bildung“ in Kamen startet mit einer langen Nacht

Meistgelesen