Preiskampf ums Mittagessen: Familienbande schließt Café

Angebot endet am Freitag

Die Familienbande gibt das Herzstück ihrer Arbeit auf, wenn sie Freitag den Mittagstisch einstellt. Die Zukunft des Betriebs im Mehrgenerationenhaus ist offen. Neue Konzepte sind gefragt.

19.12.2018, 15:26 Uhr / Lesedauer: 3 min
Preiskampf ums Mittagessen: Familienbande schließt Café

Familienbande ist Mehrgenerationenhaus © Stefan Milk

Am Freitag öffnet das Café der Familienbande vorerst zum letzten Mal. Der beliebte Treffpunkt an der Bahnhofstraße 46 bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Der Mittagstisch im mehrfach überregional ausgezeichneten Mehrgenerationenhaus wird eingestellt. Grund: Zu starker Wettbewerb in der Nachbarschaft. „Die Besucherzahl ist eingebrochen“, berichtet Geschäftsführerin Tanja Brückel, die in diesem Jahr vor allem durch ihre Bürgermeisterkandidatur in der Öffentlichkeit stand. „Wir können das Mittagessen nicht mehr kostendeckend anbieten. Und wir haben die Sorge, dass wir im nächsten Jahr ins Minus rutschen.“

Preiskampf ums Mittagessen: Familienbande schließt Café

Anlaufpunkt für die ganze Familie. Die Schließung am Freitagabend bildet den Einstieg in die Ausarbeitung eines neuen Konzepts. © Stefan Milk

Keine Kündigungen

Das Personal, bestehend aus fünf Kräften in Voll- und Teilzeit, bleibt dem gemeinnützigen Verein erhalten. Es werde im Haus zunächst anderweitig eingesetzt. „Wir werden niemanden kündigen“, so Brückel. Nach der Schließung am Freitag, 17 Uhr, sollen die bodentiefen Fenster direkt abgeklebt werden, um den Blick ins Innere des Cafés zu versperren.

Bei dem starken Wettbewerber in der Nachbarschaft handelt es sich um das städtisch betriebene Restaurant der Stadthalle, das im Sommer dieses Jahres unter dem Namen „Lokaltermin“ eröffnet wurde. Eigentlich, so war es vorgesehen, sollte aus dem Angebot keine Konkurrenz für den direkt in der Nachbarschaft angesiedelten Verein erwachsen. So zumindest war es bei der Eröffnung verkündet worden. Das angebotene Mittagessen werde sich, so hieß es, „von vergleichbaren Angeboten im Umfeld“ – damit war offenbar das Café der Familieneinrichtung gemeint – abgrenzen.

„Wir haben allerdings festgestellt, dass das nicht so ist“, sagt Brückel. Vorwürfe will sie dem Nachbarbetrieb allerdings nicht machen. „Wettbewerb ist ja erwünscht. Es heißt doch, Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Preiskampf ums Mittagessen: Familienbande schließt Café

Im März 2015 schloss das Restaurant in der Stadthalle. Nach seiner Wiederöffnung ereilt dieses Schicksal nun das Café der Familienbande Kamen. © Borys Sarad

Mit regionalen Produkten

Für die Familienbande gilt das indes nicht mehr, weil man sich nicht auf einen Preiskampf einlassen wollte. Vor allem deswegen, weil der in der Familienbildung aktive Verein seiner Vorbildfunktion gerecht werden wollte – und deswegen in der Küche auf regionale Produkte, stets frisch gekocht, zurückgegriffen hat. Diese stammten vor allem von Bauernhöfen aus der Nähe, vom örtlichen Metzger und teilweise direkt vom Großmarkt. „Es wurde nicht nur regional gekocht, sondern auch saisonal. Zum Beispiel mit Kohlgerichten“, so Brückel. Besucher konnten Zutaten auch selbst mitbringen, die dann „in den Topf geschmissen wurden“, so Brückel. Gewinne habe man mit dem Angebot nicht erzielt.

Die Zahl der Mittagessen ist zuletzt drastisch nach unten gegangen. „Wir hatten bisher immer etwa 40 bis 50 Mittagessen täglich. Eine Zahl, die wir jetzt nicht mehr annähernd erreichen“, sagt Brückel. Weil man Gefahr gelaufen sei, dass das Mittagessen ein Zuschussgeschäft werde, hätte man die Reißleine ziehen müssen. „Der Betrieb darf nicht den Verein schädigen.“

Die Schließung des Cafés bedeutet für die Arbeit der Familienbande einen Rückschlag. Es gilt als Herzstück der Familienarbeit, weil es einen niederschwelligen Zugang zu den Angeboten des Hauses ermöglicht hat. Sowohl Vereine, Parteien als auch andere Gruppen nutzen das freundliche und lichtdurchflutete Café als Treffpunkt. Auch soziale Projekte wie der „aufgeschobene Kaffee“, bei dem man durch die Bestellung ein weiteres Getränk für Bedürftige mitfinanziert, wurden dort durchgeführt.

Die Schließung soll aber nicht auf Dauer sein. „Wir werden uns jetzt im neuen Jahr zusammensetzen, um auszuloten, wie wir uns neu aufstellen können“, sagt Brückel, die zu den Gründungsmitgliedern der Familienbande zählt. „Wir müssen etwas anderes machen als den bisherigen Mittagstisch. Ideen gibt es bisher noch nicht.“

Preiskampf ums Mittagessen: Familienbande schließt Café

Das Restaurant gehört der Stadt und ist modernisiert worden. Der ehemalige „Kömsche Bleier“ hat unter dem Namen „Lokaltermin“ neu eröffnet. © Borys Sarad

Wie aus dem „Kömschen Bleier“ ein „Lokaltermin“ wurde

Das privat betriebene Restaurant in der Stadthalle, das „Kömscher Bleier“ hieß, hat im März 2015 seinen Betrieb eingestellt. Weil danach erheblicher Sanierungsbedarf festgestellt wurde, ließ die Stadt Kamen als Eigentümerin die Küche für einen Betrag von ca 200.000 Euro erneuern. Obwohl auch der Gastraum für etwa 60.000 Euro modernisiert wurde, fand sich nach Abschluss der Arbeiten kein Pächter für das direkt ans Rathaus angeschlossene Restaurant. Somit ist der Betrieb unter Eigenregie der Kamener Betriebsführungsgesellschaft (KBG), auch als Stadthallen GmbH bekannt, wiedereröffnet worden – unter dem Namen „Lokaltermin“ mit einem Mittagsbüfett vom Catering-Dienst. Eine Stadthalle ohne Restaurant erschien aus Sicht der Geschäftsführung nicht sinnvoll. „Ein funktionierender Restaurantbetrieb ist für das Image der Stadthalle durch eine entsprechende Strahlkraft von Bedeutung“, hieß es. Er sei für die Stadthalle und das Umland ein belebendes Element. Durch Synergieeffekte würden sowohl das Restaurant als auch die Stadthalle bzw. die KBG von einer gastronomischen Wiederbelebung profitieren.

In dem frisch renovierten Gastraum können zahlende Gäste montags bis freitags von einem von außerhalb gelieferten Mittagsbüfett essen. Außerhalb der auf die Mittagsstunden beschränkten Öffnungszeiten ist das Lokal zudem für Feierlichkeiten anzumieten.

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