Fieber messen am Eingang ist im Friseursalon von Sabine Nagel an der Borsigstraße in Kamen ab sofort Pflicht. © Udo Hennes
Corona-Pandemie

Preise steigen wieder: Friseurin wirbt um Verständnis

An diesem Montag (1. März) dürfen die Friseure endlich wieder öffnen. Eine Friseurin aus Kamen erklärt, warum ein Fieberthermometer zum Einsatz kommt und höhere Preise nötig sind.

Als Sabine Nagel Ende Januar auf dem Alten Markt zusammen mit Friseurkolleginnen und -kollegen und Transparenten auf ihre schwierige Lage im Lockdown aufmerksam machte, hieß sie noch Carli. So wie der gleichnamige Friseursalon an der Borsigstraße in Kamen.

Dass sie nun mit Nachnamen Nagel heißt, hat tatsächlich auch mit dem Lockdown zu tun. Weil sie an diesem Montag (1. März) ihren Salon endlich wieder öffnen darf, zog die Friseurin die geplante Hochzeit mit ihrem Mann Frank kurzerhand vor – denn zum Heiraten wird sie nun keine Zeit mehr haben.

Viele Kunden haben sich die Haare schwarz schneiden lassen

Für die nächsten zwei Wochen ist sie komplett ausgebucht, ab Mitte März sind dann vereinzelt wieder Termine frei. Auf gut Glück vorbeischauen sollte man freilich nicht, die Terminvereinbarung ist telefonisch oder per E-Mail möglich. Der Andrang ist groß, hätte aber noch größer sein können, wenn nicht viele Kunden sich im zweiten Lockdown die Haare schwarz hätten schneiden lassen, wie Sabine Nagel aus zahlreichen Gesprächen weiß. „Manche sagen schon, dass sie noch nicht sofort einen Haarschnitt brauchen, weil sie nicht so lange hätten warten können und vor kurzem erst bei einem Friseur waren.“ Der Schwarzmarkt wäre bei einem noch längeren Lockdown sicher weiter aufgeblüht, doch dieses Problem dürfte sich nun wohl von selbst erledigen.

Am Eingang wird die Körpertemperatur gemessen

Die vergangenen zwei Wochen inklusive dieses Wochenendes haben Sabine Nagel und ihr Team jedenfalls genutzt, um den Salon für die aktuellen Anforderungen vorzubereiten. Alle Mitarbeiterinnen tragen künftig FFP-2-Masken, und auch die Kunden müssen mindestens eine medizinische Maske tragen.

Am Eingang wird zunächst die Körpertemperatur der Kunden gemessen – ist sie erhöht, darf er oder sie nicht eintreten. Danach waschen und desinfizieren die Kunden ihre Hände und füllen ein Formular mit Kontaktdaten aus.

Am Sonntag erledigten Sabine Nagel (l.) und Kira Nippus letzte Arbeiten vor der Wiederöffnung nach dem Lockdown. Am Waschplatz steht nun eine Trennwand. © Udo Hennes © Udo Hennes

Da ihr Salon recht groß ist, können Sabine Nagel und ihre Mitarbeiterinnen sechs Kunden getrennt voneinander bedienen, dazu kommen sechs Warteplätze mit entsprechendem Abstand auf dem Flur und ein Pavillon im Garten. „Wir haben die Abläufe noch einmal optimiert“, erklärt Nagel und fügt schmunzelnd an: „Das Ordnungsamt war so begeistert, eine Mitarbeiterin kommt jetzt sogar als Kundin zu uns.“

Friseurin erklärt, warum die Preissteigerung notwendig ist

Für Diskussionen könnte indes die Tatsache sorgen, dass die Kunden künftig für ihren Haarschnitt etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 hatten viele Friseure einen sogenannten Hygienezuschlag von meist um die 2 Euro erhoben.

Nun, nach der zweiten monatelangen Schließung, berechnet Sabine Nagel für eine Stunde Arbeit 49,50 Euro statt bisher 45 Euro. Ein Herrenhaarschnitt, der oft schon in einer halben Stunde erledigt ist, kostet künftig 25 statt 23 Euro.

Sabine Nagel erklärt, warum die Preissteigerung notwendig ist: „Durch den zweiten Lockdown hatten wir noch höhere Kosten. Ich musste einen neuen Kredit aufnehmen, die Altersvorsorge wurde komplett aufgezehrt, da fange ich jetzt wieder bei Null an.“ All das müsse sie mitkalkulieren, ebenso wie die 6000 Euro, die sie bisher in den Coronaschutz investiert hat.

Erst am vergangenen Freitag sei die erste Zahlung aus dem Corona-Hilfspaket der Bundesregierung bei ihr eingegangen; „ohne die Unterstützung von meinem Mann hätte ich es gar nicht geschafft“, sagt die Friseurin ganz offen. Und vielleicht gibt es ja irgendwann auch noch die Gelegenheit zu einer richtigen Hochzeitsfeier, denn die fiel coronabedingt aus. Die Nagels heirateten in trauter Zweisamkeit auf der Nordsee-Insel Norderney.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
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