Postbote Herbert Schäuble hat am Samstag seine letzte Schicht

dzAbschied in Methler

Seit 36 Jahren stellt Herbert Schäuble in Methler die Post zu. 600 Haushalte gehören zu seinem Bezirk, der alle Randbereiche des Ortsteils umfasst. Am Samstag ist aber Schluss.

Methler

, 27.09.2019, 05:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herbert Schäuble kennt wohl jeder, der an Methlers Ortsrändern wohnt und regelmäßig Post bezieht. Und auch der Briefträger kennt jeden. „Es reicht, wenn ich den Namen höre, um zu wissen, wo ich hinmuss“, sagt er über seinen 600 Haushalte umfassenden Bezirk. „Nach so langer Zeit weiß man, wer wo wohnt.“ Denn er begann 1983. Inzwischen sind die Kinder von damals erwachsen und haben selbst Nachwuchs. „Die nennen mich alle Herbert“, verrät er lachend, und gesteht, dass er selbst bei den Kindernamen leider oft passen muss.

Dass Herbert Schäuble mit den meisten Methleranern gut zurecht kommt, ist für ihn nichts Außergewöhnliches: „Es kommt doch immer darauf an, wie man die Leute anspricht“, sagt er. Nur bei den vierbeinigen Bewohnern hilft er regelmäßig etwas nach: „Ich kaufe regelmäßig Futter und habe immer wieder Leckerlis dabei.“

In all den Jahren hat sich die Arbeit jedoch sehr verändert. Der Zustellbezirk wurde immer größer. „Und ich kann auch nicht mehr so schnell laufen wie früher“, sagt der 64-Jährige.

Auf Abschiedstour

Dass er im Moment für seine tägliche Tour länger braucht, hat allerdings ganz andere Gründe: Am Samstag wird er zum letzten Mal die Post in „seinem“ Bezirk verteilen, und das wissen natürlich auch die Anwohner. „Ein paar sind schon hinter mir hergerannt, weil sie Angst haben, dass sie mich sonst doch noch verpassen“, erzählt Schäuble gerührt. Kleinere Abschiedsgeschenke hat er bereits bekommen, die ihm den Abschied versüßen sollen, doch der Briefträger gibt zu: „Ich werde die Leute vermissen. Ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden.“

Postbote Herbert Schäuble hat am Samstag seine letzte Schicht

Die Nachbarn von der Lanstroper Straße verabschiedeten sich mit einer besonderen Überraschung von ihrem Postboten Herbert Schäuble. © privat

Bereits am vergangenen Samstag wurde er von den Anwohnern der Lanstroper Straße überrascht. Sie versammelten sich, als „Herbert“, vorfuhr. „Herbert ADE - scheiden tut weh“ hatten sie gedichtet und ließen ihren Postzusteller nochmals richtig hochleben. „Seit Juli 1983 pflegte Herbert immer ein besonders gutes Verhältnis zu uns als Kunden“, erklärt Anwohner Klaus Dieckheuer. „Es war ihm immer wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, dafür hat er sich stets Zeit genommen. Bei Wind und Wetter und immer ‚im Galopp‘ hat er uns die Briefe, Karten, Zeitungen und Päckchen zugestellt und dabei nie seine Freundlichkeit verloren. Dafür danken wir.“

Völlig überrascht von Abschiedsgest

Gerührt nahm Herbert Schäuble das Gehörte auf. „Mit sowas habe ich nun überhaupt nicht gerechnet. Dass die Leute mich mögen, war mir bewusst, aber dass es so ist...“, sagt er, bevor ihm die Stimme wegbricht. „Das ist ja fast eine Familie geworden.“

Dass sich die Nachbarn zusammengetan hatten und man ihn so ganz dezent über seinen anstehenden Ruhestand und seine Pläne ausfragen konnte, hatte er nicht einmal bemerkt. Über das Abschiedsgeschenk freute er sich dann aber sehr.

Auch bei Schäubles Arbeitgeber kommen solche Gesten aus der Kundschaft sehr gut an. „Sowas kommt immer mal wieder vor, ist aber dennoch etwas Besonderes“, erklärt Post-Sprecher Achim Gahr. „Das ist immer eine Anerkennung für unseren Mitarbeiter und freut uns ungemein. Ein Lob aus der Kundschaft ist immer besonders viel wert und wir wollen, dass unsere Briefträger Teil des Orts und der Gemeinschaft sind. Aber das ist natürlich auch immer eine hohe Hürde für den Nachfolger“, weiß Gahr.

Herbert Schäuble ebnet dem aber schon den Weg: „Der redet nur nicht so viel ich“, verrät er allen, die ihn auf die Zeit „nach Herbert“ ansprechen. Denn: „Die Leute sagen, sie wollen keine Post mehr, wenn ich nicht mehr komme.“

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