Die Deutsche Post sucht nach einem neuen Standort für ihr Briefzentrum an der Poststraße. Das Interkommunale Gewerbegebiet Unna-Kamen könnte ein Thema werden. Die Flächen dort sind ideal.

Kamen

, 20.01.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Poststraße könnte bald ganz ohne Post sein. Die Tage des Traditionsstandorts sind gezählt. Möglicherweise ist das Interkommunale Gewerbegebiet Unna-Kamen ein Ziel für das Briefzentrum, von dem aus täglich 30.000 Sendungen verteilt werden. Bestätigt ist allerdings noch nichts.

Die Deutsche Post setzt ihre Suche nach einem neuen Standort für das Briefzentrum, dem sogenannten Zustellstützpunkt, an der Poststraße fort. Seit etwa einem Jahr ist der Konzern auf der Suche nach einer Alternative.

Post vor Abschied an der Poststraße: Geht bald die Post ab im Interkommunalen Gewerbegebiet?

Die Zusteller müssen ihre Sendungen über eine Rampe ziehen, das erschwert die Arbeit. Deswegen sucht die Post einen Standort mit zeitgemäßen Arbeitsbedingungen © Sarad

„Weiterhin auf der Suche nach einem neuen Standort“

„Wir sind weiterhin auf der Suche nach einem neuen Standort. Aber bisher hat sich noch nichts ergeben“, berichtet Post-Sprecher Rainer Ernzer. „Die Suche war bisher eher suboptimal.“

Nach der Aufgabe der Hauptpost 2001 blieb der benachbarte Zustellstützpunkt für Briefpost weiter erhalten. Täglich verlassen etwa 30.000 Sendungen den Standort an jener Straße, die der Post ihren Namen geliehen hat.

Betroffen von dem Umzug wären etwa 20 Mitarbeiter, die von dort aus werktäglich mit knallgelben Posträdern ausschwärmen und die Kamener Haushalte ansteuern.

Das Postgelände liegt an einer Seitenstraße, die von der Poststraße abgeht, gegenüber von Dr. Nüsken, dem Hersteller von chemischen Produkten, insbesondere Industriereinigungsmittel, Bäderreinigungsmittel und Desinfektionsmittel. Auch die Post will das Gelände nun besenrein verlassen.

Post vor Abschied an der Poststraße: Geht bald die Post ab im Interkommunalen Gewerbegebiet?

Ein neuer Briefkasten auf dem Alten Markt: Ein hat Briefzusteller täglich hat etwa 1500 Briefsendungen für ca. 1300 Haushalte abzuarbeiten. © Stefan Milk

Für die Post wäre Interkommunales Gewerbegebiet ideal

Infrage kommt möglicherweise das Interkommunale Gewerbegebiet Unna-Kamen, das sich seit vorigem Jahr in der Vermarktung befindet. Zu einem der ersten Kamener Unternehmen, die ein kleines Stück der über 100.000 Quadratmeter großen Fläche an der Stadtgrenze nutzen, zählt der Kamenofen-Handel Flammenträume. Das neue Gewerbegebiet liegt direkt am Kamen-Karree mit seinem Magneten Ikea.

Für die Post wäre der Standort deswegen ideal, weil dort auch das neue Paketzentrum gebaut wurde, die sogenannte Mechanisierte Zustellbasis (MechZB). Nachteil wäre, dass die radelnden Briefträger erst einmal über die Unnaer Straße fahren müssten, um das bewohnte Stadtgebiet zu erreichen.

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Am Ende auch eine Frage der Grundstückspreise

„Wir werden dort sicher nachfragen, wenn nicht gerade schon etwas anderes im Köcher ist“, so Ernzer mit Blick auf die von der WFG vermarktete Fläche.

Allerdings sei es auch am Ende eine Frage der Grundstückspreise, ob sich derlei Ansiedlung realisieren lasse.

Über konkrete Verhandlungen liegen ihm keine Informationen vor. „Wichtig für uns ist, dass die Ansiedlung zukunftsorientiert ist und dass wir den Standort nicht nach fünf Jahren wieder verlassen müssen.“

Die Grundstücke, die im Interkommunalen Gewerbegebiet Unna-Kamen zur Vermarktung stehen, haben Größen von 2000 bis 10.000 Quadratmeter zu Preisen von 151 Euro pro Quadratmeter. Etwa 89.000 Quadratmeter sind dort zurzeit frei.

Gelände für die Arbeitsabläufe nicht optimal

Die Deutsche Post will sich verändern, weil das Poststraßen-Gelände für die Arbeitsabläufe nicht optimal ist. Vom Hof zum Gebäude gibt es eine Rampe, die bei jedem Beladen der Fahrzeuge oder der Fahrräder überwunden werden muss. Deswegen bevorzugt die Post heutzutage ebenerdige Arbeitsstätten, um den Arbeitsaufwand zu verringern.

Früher waren derlei Briefzentren auch in Obergeschossen angesiedelt - nach heutigem Post-Standard unproduktiv und nicht zeitgemäß. Die Rampe auf dem jetzigen Gelände abzureißen, um den Standort aufzuwerten, komme für die Post nicht infrage, so Ernzer.

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Ein Briefzusteller hat täglich etwa 1500 Briefsendungen

In den Räumen des Zustellstützpunkts ist die Stadt Kamen sozusagen in Miniaturformat abgebildet. Zumindest postalisch mit Ablagefächern für jede Straße. Ein Briefzusteller hat täglich etwa 1500 Briefsendungen für ca. 1300 Haushalte abzuarbeiten.

Das beginnt am frühen Morgen, 6 Uhr, mit dem Einsortieren der Sendungen, Briefe, Postkarten und Infobriefe. Etwa zweieinhalb Stunden benötigen die Zusteller, bis sie sich ihren Bezirk zurechtgelegt haben.

Die Touren mit dem etwa 30 Kilo schweren Fahrrad, auf dem bis zu 50 Kilogramm Post zugeladen wird, beginnen dann etwa um 8.30 Uhr. Mittlerweile gibt es auch Elektrofahrräder, auf denen man sich nicht so abstrampeln muss.

Die Sendungen müssen gut vorsortiert sein

Wichtig für die Tour: Die Sendungen müssen gut vorsortiert sein, damit sie schnell verteilt werden können. Und was oft ebenso verborgen bleibt: Die Zusteller liefern nicht nur die drei Behälter auf dem vollgepackten Fahrrad aus, sondern laden auch nach.

Das geschieht aus sogenannten Ablagekästen, die unscheinbar wie Stromverteilerkästen sind und zuvor mit weiteren Sendungen bestückt wurden. Von wo sie nun in Zukunft beliefert werden, ist unklar.

Dass die Post aber weiter kommt, steht freilich außer Frage.

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