Polizei und Zoll haben am Freitagabend und in der Nacht zu Samstag mehrere Shisha-Bars in Unna, Kamen und Bönen kontrolliert. Damit setzen die Behörden erneut ein Zeichen gegen Clankriminalität.

Kamen, Unna

, 15.11.2019, 22:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Großer Einsatz von Polizei und Zoll am Freitagabend und in der Nacht: In Unna ist kurz nach 19 Uhr eine auffällige Kolonne von acht Fahrzeugen mit Blaulicht auf dem Verkehrsring unterwegs. Das Ziel: eine Shisha-Bar am Bahnhof Unna.

Fast gleichzeitig bietet sich ein ähnliches Bild in der Kamener Innenstadt: Mehrere Einsatzwagen stoppen vor einem Wasserpfeifencafé nahe dem Marktplatz. Zoll- und Polizeibeamte mit kugelsicheren Westen steigen aus.

Rund fünf Monate nach dem letzten großen unangekündigten Besuch in Shisha-Bars im Kreis Unna haben die Behörden nun erneut mit einer Schwerpunktkontrolle in mehreren Orten ihre Stärke demonstriert. Ganz auf der Linie von Innenminister Herbert Reul (CDU), der kriminallen Clans den Kampf angesagt hat, setzen die Ordnungshüter gezielte Nadelstiche gegen eine Branche, in der mindestens steuerrechtliche Verstöße an der Tagesordnung sind.

Verdacht auf illegales Glücksspiel

Bis in die Nacht hinein wurden Shisha-Bars, Wettbüros und eine Teestube in Unna, Kamen und Bönen überprüft. Das Ergebnis stand zwei Stunden nach Mitternacht fest: 150 Menschen wurden kontrolliert. Fast in allen kontrollierten Shisha-Bars stellte der Zoll unversteuerten Tabak sicher. Eine Person wurde mit illegalen Drogen erwischt. Eine Bar musste ihren Betrieb einstellen, weil sie mutmaßlich ein illegales Casino ist. Die Beamten stellten Glücksspielautomaten sicher. Den Namen des Lokals und den Ort nannte die Polizei nicht. Festgenommen wurden niemand. Zwei Personen mussten lediglich zur Identitätsfeststellung mit auf die Wache kommen.

Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars: Illegales Casino muss Betrieb einstellen

Auch in Kamen wurden Wasserpfeifen-Cafes kontrolliert, hier die Gaststätte „Mocca“ an der Bahnhofstraße. © Stefan Milk

Clankriminalität im Visier

Der Hintergrund der Kontrolle am Freitagabend und Freitagnacht: Gaststätten und Shisha-Bars spielen in NRW bei kriminellen Aktivitäten türkisch-arabischstämmiger Familienclans eine wichtige Rolle. Sie treiben mit Rauschgifthandel ihre Geschäfte, aber auch mit Wettbüros Spielhallen, Schlüsseldiensten und im Autohandel. Gerade Shisha-Bars sprießen landesweit aus dem Boden, obwohl der „wirtschaftlich erfolgreiche Betrieb einer Shisha-Lounge bei gleichzeitig enger Orientierung an der Steuergesetzgebung nicht möglich ist“, wie es im Lagebericht Clankriminalität 2018 des Landeskriminalamts heißt.

Gemauschelt wird schon dann, wenn loser Tabak aus versteuerten Großpackungen portionsweise in die Shisha-Köpfen gefüllt wird. Das wird von den Behörden als illegal angesehen, weil sich so nicht nachvollziehen lässt, ob der Tabak versteuert wurde. Legal wäre der Verkauf sogenannter Single-Shots mit eigener Steuerbanderole, doch das lohnt sich für die Betreiber kaum.

Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars: Illegales Casino muss Betrieb einstellen

Polizei und Zoll fuhren mit acht Fahrzeugen am Königsborner Tor in Unna vor einer Shisha-Bar vor. © Carsten Fischer

Landrat Michael Makiolla an der Einsatzstelle

An einer der ersten Einsatzstellen, vor der Shisha-Bar „Palmyra“ am Königsborner Tor unweit des Bahnhofs Unna, war auch Landrat und Polizeichef Michael Makiolla (SPD) erschienen, um sich ein Bild von der Kontrolle zu machen. Der Kreis Unna ist kein Schwerpunkt der Clankriminalität in NRW, aber Makiolla will durch solche Kontrollen verhindern, dass sich Clans dort festsetzen.

„Weitere Schwerpunkteinsätze dieser Art werden im Rahmen des landesweiten Kampfes gegen kriminelle Familienclans auch im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna folgen“, teilte die Polizei in Unna in der Nacht zu Samstag mit.

Bereits bei einer Kontrolle am 28. Juni in Unna, Kamen und Bönen wurde fast in allen kontrollierten Gaststätten unversteuerter Tabak beschlagnahmt. Neben steuerrechtlichen Verstößen hatte der Zoll Verstöße gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen notiert. Eine Shisha-Bar in Unna war wegen erhöhter Kohlenmonoxid-Werte von den Behörden geschlossen worden.


Aktualisiert am 16.11.2019, 15.30 Uhr

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