Polizei sammelt obdachlosen Flüchtling in der Kamener City ein

dzFlüchtlinge in Kamen

Ein Asylbewerber wurde am Mittwochvormittag von Kräften der Polizei und des Kreises Unna aus Kamen abgeführt. Der Kreis erklärt, was der Grund für den Einsatz war.

Kamen

, 16.09.2020, 12:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Asylbewerber, der sich seit einiger Zeit in der Kamener Innenstadt aufgehalten hatte, wurde am Mittwoch von Kräften der Polizei und des Ausländeramtes des Kreises abgeholt. Der Einsatz soll an der Maibrücke gelaufen sein, berichtet eine Beobachterin. Demnach habe der Asylbewerber dort auf einer Bank gesessen, dann seien Einsatzkräfte gekommen, hätten ihn festgenommen und in einen Bulli gesetzt.

Dass es einen Einsatz gegeben hat, bestätigt Max Rolke, Pressesprecher des Kreises Unna. Aus datenschutzrechtlichen Gründen und um die Persönlichkeitsrechte des Mannes zu bewahren, wollte er nichts Näheres zu diesem konkreten Fall sagen. Als Beispiel beschreibt Rolke aber Vorfälle im Asylverfahren, die diesem Fall ähnlich sind.

Asylbewerber müssen dort bleiben, wo das Asylverfahren läuft

Demnach werden Asylbewerber, die sich in Deutschland aufhalten, einem Ort zugewiesen und müssen sich auch an diesem bestimmten Ort aufhalten. „Verlässt der Asylbewerber diesen Ort, das kann auch in einem anderen Bundesland sein, werden die Behörden vor Ort tätig und bringen ihn dorthin zurück, wo er sich aufhalten muss“, erklärt Rolke. Das passiere vor allem, wenn die Person sich noch im laufenden Asylverfahren befinde.

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Es gebe dann räumliche Beschränkungen, an die sich der Asylbewerber halten müsse. Verlässt er den Ort, wird laut Rolke die Ausländerbehörde dort tätig, wo er sich gerade befindet.

Der Mann, der sich schon etwas länger in Kamen aufgehalten hat und immer wieder in der Innenstadt zu sehen war, befindet sich also mutmaßlich in einem laufenden Asylverfahren – allerdings nicht im Raum Kamen. Er wurde deshalb von Polizei und Ausländerbehörde mitgenommen und wird nun wohl dorthin gebracht, wo sein Asylverfahren läuft.

ProMensch wurde auf den Obdachlosen in Kamen angesprochen

Am frühen Mittwochnachmittag schaltete sich auch die Flüchtlingshilfe ProMensch ein, um über den Fall zu informieren. Der Verein sei von vielen Kamenern auf den obdachlosen Afrikaner angesprochen worden, so die Vorsitzende Bilitis Naujoks. „Der obdachlose Afrikaner, der in den letzten Wochen immer wieder an den Kirchen der Innenstadt und am Kamener Markt gesichtet wurde, wurde heute zurück in seine Stadt im Norden Deutschlands gebracht“, erklärt sie.

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Nach Kontaktversuchen des Hilfsvereins, die aufzeigten, dass er dem armen Mann leider nicht helfen könne, habe er die Stadt informiert. „Die hatte bereits gemeinsam mit der Ausländerbehörde den Ort ausfindig gemacht, in dem der Afrikaner gemeldet ist und alles Notwendige in die Wege geleitet“, erklärt Naujoks.

ProMensch bedankt sich bei den vielen Kamener Bürgern für die Fürsorge und Aufmerksamkeit „und den Kamenern Gastronomen, die den Obdachlosen zeitweise ernährt haben“. Naujoks und die anderen Vereinsmitglieder freuten sich über soviel menschliches Engagement. „Schön, wenn jeder auf jeden ein bisschen aufpasst. Das macht eine Gesellschaft, das macht unser Kamen, aus!“

Nicht alle Kamener waren hilfsbereit

Doch nicht alle Kamener waren fürsorglich und hilfsbereit, wie die Kamenerin Katharina Dunker beobachtet hat. Sie habe erlebt, wie „die Trinkerszene“ den Mann beleidigte und sogar auf ihn einschlug. Dunker habe dann einen Beitrag bei Facebook verfasst, der zwar gelöscht wurde, aber etwas bewirkt habe: „Die Leute sind aufmerksam geworden“.

Dunker selbst suchte den Kontakt zu dem Obdachlosen und hielt sich in seiner Nähe auf, um ihn zu schützen und auch um auf die Lage des Mannes aufmerksam zu machen. Dabei bekam sie auch mit, wie andere dem Mann halfen. Aber nicht alle. „Immer wieder kamen Menschen an uns vorbei und guckten uns irritiert und angeekelt an. Leider ist sich hier jeder selbst der nächste“, so Dunker. Ihre Botschaft an diese Menschen, aber auch an die, die weggesehen haben: „Stoppt Rassismus!“

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