Es wird wärmer und so langsam beginnen die Kleingärtner mit dem Frühjahrsputz. Rasen wird gemäht und schon erste Samen gesät. Doch am Samstag war es in den Gärten noch verdächtig leer.

Kamen

, 22.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich dachte, dass heute mehr Leute da sind“, sagt Christof Detlefsen. Er ist gerade dabei, Unkraut aus den Fugen zu kratzen. Danach macht er sich an den frisch gemähten Rasen. Die Kanten wuchern noch über das Pflaster und wollen geschnitten werden. Während Detlefsen am Eingang der Parzelle arbeitet, nimmt sich Szymon Skowronsky ausgetrocknete Sträucher vor. Er schafft Platz für neues Leben, neues Grün.

Die beiden Männer wohnen in Köln und sind seit September vergangenen Jahres Kleingartenbesitzer in der Anlage Schöner Fleck in Kamen. Die beiden sind durch die Anzeige auf die Sesekestadt gestoßen und nehmen die Fahrt aus Köln gern auf sich, um sich hier eine Auszeit zu nehmen. „Wir haben uns mit Kamen angefreundet. Die Leute sind nett, die Luft ist anders als in Köln“, sagt Detlefsen. Außerdem sei die Lage der Stadt und auch des Kleingartenvereins selbst optimal. „In einer Stunde sind wir hier“, so der Kölner.

Kleingarten in der Coronakrise: Frische Luft und Abstand halten

Der Kleingarten bietet ihm und Skowronsky einen Ausgleich zum Alltag, außerdem wollen sie eigenes Gemüse anbauen. „Im Sommer wollen wir auch unsere Fahrräder herholen“, so Detlefsen. Doch bevor sie Gemüse anbauen, losradeln oder sich in der warmen Sonne entspannen können, wollen sie ihren Garten auf Vordermann bringen.

Christof Detlefsen schneidet die Kanten des frisch gemähten Rasens. Der Kölner ist seit September Kleingartenbesitzer in Kamen. Die Fahrt macht ihm nichts aus, ganz im Gegenteil: „Hier ist die Luft anders.“

Christof Detlefsen schneidet die Kanten des frisch gemähten Rasens. Der Kölner ist seit September Kleingartenbesitzer in Kamen. Die Fahrt macht ihm nichts aus, ganz im Gegenteil: „Hier ist die Luft anders.“ © Stefan Milk

Der Sturm Sabine hat zum Beispiel ihr Gewächshaus zerstört. Das wollen die zwei nun wieder aufbauen. Das grassierende Coronavirus hält die beiden nicht davon ab, am Samstag in ihrem Kleingarten zu arbeiten. Anders sehen das augenscheinlich andere Kleingärtner – die Anlage ist für einen sonnigen Samstag ungewöhnlich ruhig. Dass sie fast alleine sein würden, hätten die Kölner nicht gedacht. „Wir sind an der frischen Luft und haben viel Abstand zu den anderen“, sagt Detlefesen.

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Noch ist der Boden zu kalt, im April werden Kartoffeln gepflanzt

Ähnlich sehen das die Nachbarn von der Parzelle gegenüber. Werner Deifuß und Karin Wopker haben sich am Samstag ebenfalls dazu entschieden, mit dem Frühjahrsputz zu beginnen und die Frühlingssonne zu genießen. Deifuß glaubt nicht, dass die Anlage lange so leer bleiben wird. Er rechnet damit, dass mehr Gartenbesitzer kommen, sobald es wärmer wird, außerdem wurde an diesem Samstag das Wasser wieder eingeschaltet. Die Saison beginnt.

Bei strahlendem Sonnenschein macht die Gartenarbeit umso mehr Spaß: Szymon Skowronsky entfernt trockene Äste in seiner Parzelle.

Bei strahlendem Sonnenschein macht die Gartenarbeit umso mehr Spaß: Szymon Skowronsky entfernt trockene Äste und schafft Platz für neues Leben. © Stefan Milk

Allzu viel könne man im Kleingarten jedoch noch nicht tun. Wie ihre Kölner Nachbarn, entfernen auch Wopker und Deifuß Unkraut und schaffen Ordnung im Garten und in der Hütte. Langsam könne man auch damit anfangen, Salat und Petersilie einzupflanzen – allerdings im Gewächshaus, wie Deifuß erklärt. „Der Boden ist noch zu kalt, da wächst nichts.“. Mitte April wolle er damit beginnen, Kartoffeln in die Erde zu setzen.

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Kleingärten liegen im Trend

Deifuß und Wopker sind erfahrene Kleingärtner. Ihre Parzelle in der Anlage Schöner Fleck besitzt Wopker nächstes Jahr schon 40 Jahre. Seitdem sind viele neue Kleingärtner hinzugekommen. Wie zum Beispiel die Nachbarn aus Köln. Auch sei der Kleingartenverein mittlerweile multikultureller, wie Deifuß aufgefallen ist.

Die Obstbäume blühen zwar schon etwas, aber die bunten Ostereier bringen erst richtig Farbe ins Spiel. Kleingärtnerin Karin Wopker hält ihren Kleingarten seit fast 40 Jahren in Schuss.

Die Obstbäume blühen zwar schon etwas, aber die bunten Ostereier bringen erst richtig Farbe ins Spiel. Kleingärtnerin Karin Wopker hält ihren Kleingarten seit fast 40 Jahren in Schuss. © Stefan Milk

In jedem Fall zeigt sich auch in diesem Kleingartenverein der Trend hin zum eigenen Garten und zur Nachhaltigkeit. Und wenn Deifuß richtig liegt, werden in den kommenden Wochen immer mehr leidenschaftliche Gärtner in die Anlage kommen – ob für eine Auszeit zur Ablenkung von der Coronakrise oder auch für den Frühjahrsputz. „Das Wetter ist einfach zu schön!“

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