Passfotos nur noch im Amt: Stadt Kamen stellt sich hinter die Fotografen

dzFotostudios in Existenznot

Passfotos sollen künftig im Rathaus entstehen, wenn es nach Innenminister Horst Seehofer geht. Bisher hat die Stadt Kamen keinen Automaten dafür – und will eigentlich auch keinen anschaffen.

Kamen

, 10.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Gesetzentwurf aus dem Innenministerium wird derzeit heftig diskutiert. Besonders Fotografen haben Grund zur Sorge, denn der Entwurf sieht vor, dass Pass- und Ausweisfotos künftig nur noch unter staatlicher Aufsicht gemacht werden dürfen.

Dafür sollen die Behörden mit Selbstbedienungsterminals ausgestattet werden. Die wichtigste Einnahmequelle für die Fotografen würde wegfallen. Die Fotografen in Kamen müssten dann um ihre Existenz bangen, wie sie selbst sagen. „Wenn das kommt, können wir zumachen“, sagt zum Beispiel Stefan Dettler, Inhaber des Fotostudios „Foto Holzer“.

Bisher hatten Dettler und seine Kollegen eine Konkurrenz durch das Bürgerbüro nicht zu befürchten. „In der Vergangenheit haben wir auf Fotoautomaten verzichtet, um den örtlichen Fotografen keine Konkurrenz zu machen“, sagt Stadtsprecher Peter Büttner.

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Es habe zwar immer wieder Angebote von Firmen gegeben, die ein solches Gerät im Kamener Rathaus aufstellen wollten, doch die Stadt hat sich mit Blick auf den Einzelhandel stets dagegen entschieden. „Das Thema ist für uns nicht neu.“

Doch sollte das Gesetz tatsächlich in Kraft treten, dann sei die Stadt machtlos, sagt Büttner. Dann würde auch Kamen ein Selbstbedienungsterminal bekommen, an dem die Menschen unter Aufsicht der städtischen Mitarbeiter Fotos von sich machen, die dann direkt für die Herstellung von Ausweisen und Pässen verwendet werden können.

Passfotos nur noch im Amt: Stadt Kamen stellt sich hinter die Fotografen

Stefan Dettler ist Inhaber des Fotostudios „Foto Holzer“ an der Bahnhofstraße in Kamen. Wenn das neue Passfoto-Gesetz kommen sollte, sagt er, „können wir zumachen“. © Stefan Milk

Unsicherheit im Umgang mit Fotoautomaten

Dieser Weg soll laut dem Innenministerium sicherer sein und Manipulationen vorbeugen. Speziell soll das sogenannte Morphing verhindert werden. Diese Technik ermöglicht es, zwei Gesichter zu einem verschmelzen zu lassen, sodass zwei Personen einen Ausweis zum Grenzübertritt nutzen könnten.

Die Stadt hat von dieser Idee gehört, steht aber auf der Seite der Fotografen, wie Büttner deutlich macht. Die Mitarbeiter im Bürgerbüro hätten außerdem angemerkt, dass gerade manche ältere Menschen im Umgang mit solchen Fotoautomaten unsicher seien. „Fotografen sind Experten und wissen genau, was zu tun ist“, sagt Büttner. „Die Qualität ist da.“

Auch Mitarbeiter des Bürgerbüros, die einen solchen Automaten bewachen müssten, können einen ausgebildeten Fotografen nicht ersetzen. Immerhin müssen biometrische Passbilder bestimmte Vorgaben erfüllen. „Unsere Erfahrungen mit Fotografen waren bisher immer gut“, sagt Büttner.

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