Parkgebühren für Kamens Innenstadt: Weniger Autos, aber vielleicht auch weniger Käufer

dzKommunalwahl 2020

Die Meinungen über das Parken in Kamens Innenstadt gehen auseinander. Doch es gibt zwei Seiten, die betrachtet werden müssen. Welche, das zeigte ein Gespräch zwischen den Spitzenkandidaten.

Kamen

, 12.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn das Parken in einer Stadt teuer ist, dann überlegt man sich zwei oder dreimal, ob man nicht doch das Rad oder den Bus nimmt – oder einfach zu Fuß geht. Es könnte aber auch dazu führen, dass man ganz fern bleibt oder seltener hingeht. Es gibt zwei Seiten einer autofreien Innenstadt und welche das sind, wurde am Mittwochabend nur zu deutlich.

Beim Live-Talk mit unserem Redakteur Carsten Fischer ging es nämlich unter anderem um die Frage, ob die Bewirtschaftung der innerstädtischen Parkplätze die Aufenthaltsqualität in der City erhöhen würde. Eine Frage, bei der die Meinungen besonders weit auseinander gingen.

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Live-Talk Kamen: Parkraumbewirtschaftung für die Innenstadt?

Wenig überraschend sprach sich Klaus-Dieter Grosch für Parkgebühren aus, denn im Wahlprogramm der Linken fordert die Partei unter anderem genau das, um den Einzelhandel in Kamen zu stärken. „Wie passt das zusammen?“ wollte Carsten Fischer am Mittwochabend wissen.

„Ich halte eine Parkraumbewirtschaftung für längst überfällig.“

„Sehr gut“ antwortete Grosch. Denn die Leute seien weiterhin eingeladen zu kommen, vor allem aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit Fahrrädern – oder mit dem Auto, aber dann sei es eben ein bisschen teurer. Ebenfalls keine Überraschung war, dass Anke Dörlemann von den Grünen sich dem anschloss. Dass man als Fahrradfahrer Geld bezahlen müsse, um etwa am Bahnhof zu parken und sich als Autofahrer umsonst hinstellen darf, findet sie nicht in Ordnung. „Ich halte eine Parkraumbewirtschaftung für längst überfällig.“

Unser Redakteur Carsten Fischer moderierte die Runde am Mittwochabend. Er stellte unter anderem die Frage, was Kamens Spitzenkandidaten von Parkgebühren in der Innenstadt halten.

Unser Redakteur Carsten Fischer moderierte die Runde am Mittwochabend. Er stellte unter anderem die Frage, was Kamens Spitzenkandidaten von Parkgebühren in der Innenstadt halten. © Udo Hennes

An dieser Stelle endet die Liste mit den Befürwortern aber bereits. Denn die anderen vier Spitzenkandidaten der SPD, CDU, Freien Wähler und FDP setzen auf einen „Mobilitätsmix“, wie Heike Schaumann von der FDP es bezeichnet. Jeder soll sich selbst entscheiden können, wie er die Innenstadt erreicht – dass das Parken von Fahrrädern allerdings Geld kostet, findet sie auch nicht in Ordnung. Ähnlich sieht es Helmut Stalz von den Freien Wählern. Fahrräder sollten umsonst parken, jetzt Parkuhren anzuschaffen und zu unterhalten könnte so teuer sein, dass am Ende nicht viel Gewinn übrig bleibe.

Gewerbetreibende sehen kostenloses Parken als Pluspunkt

Auch Daniel Heidler von der SPD und Ralf Engelhardt von der CDU halten nicht viel von der Idee, das Parken in der Innenstadt kostenpflichtig zu machen. Zur Attraktivierung der Innenstadt brauche es viele Veranstaltungen, wie etwa das Summerlife, das für viel Frequenz in der Innenstadt sorge, so Heidler. In Gesprächen mit Gewerbetreibenden habe er außerdem gehört, dass gerade das kostenlose Parken als Pluspunkt gewertet werde. „Und auf den wollen wir nicht verzichten“.

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Eisenhardt meint, dass eher eine Gestaltungssatzung zu einer attraktiven Innenstadt beitragen würde. „Ich glaube es muss immer möglich sein, die Innenstadt auch mit dem Auto zu erreichen“, so Eisenhardt. Denn es gebe in den Ortsteilen Bürger, die auf ihr Auto angewiesen sind, um in die Innenstadt zu kommen.

Die Meinungen der beiden „großen“ Parteien, dürften Autoliebhaber aufatmen lassen. Vermutlich wird das Parken in der Kamener Innenstadt erst einmal kostenlos bleiben. Doch vielleicht ändert sich ja stattdessen etwas für die Radfahrer. Dagegen, dass Fahrradparkhäuser in Kamen kostenlos werden, hatte am Mittwochabend jedenfalls keiner etwas einzuwenden.

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