Ein wenig können sich Andreas Kapeluch und seine Partnerin wie beim Monopoly vorkommen. Aber Finanzkraft allein zählt nicht, wenn man ein Baugrundstück in der „Klimaschutzssiedlung“ in Kamen bekommen möchte. © dpa
Unser Weg zum Traumhaus (2)

Paar im Auswahlverfahren für Baugrundstück: „Mit 30 Punkten rechnen wir“

Nur noch ein Fragebogen steht zwischen Andreas Kapeluch und dem Zuschlag für ein Baugrundstück. Wird er im Auswahlverfahren die nötige Punktzahl erreichen, um das Traumhaus realisieren zu können?

Die Spannung für Andreas Kapeluch steigt: Der 32-Jährige und seine Partnerin wollen ihr Traumhaus in einer sogenannten Klimaschutzssiedlung bauen. Nach langem Warten steht ab Ende Mai das Auswahlverfahren für die Vergabe des Baulands in einem Baugebiet in Kamen-Methler bevor.

Das Lehrer-Paar hat sich bereits vor längerer Zeit um ein Grundstück in der geplanten „Klimaschutzsiedlung“ am Pastoratsfeld beworben. Über 300 Bewerber standen zeitweise auf der Liste. Dann entschied die Stadt, die Grundstücke nicht zu verlosen, sondern an Bewerber zu verkaufen, die bestimmte Vergabekriterien erfüllen. Familien mit Bezug zu Kamen sollen beispielsweise bevorzugt werden. Dazu wurde ein Punktesystem entwickelt, das nun vorliegt.

Ob Kapeluch und seine Partnerin zum Zuge kommen, hängt davon ab, ob sie mehr Punkte ansammeln können als die meisten Mitbewerber. Rund 150 Bewerber für die 21 städtischen Grundstücke sind noch übrig. Die Beiden müssen bald einen Fragebogen ausfüllen und haben ihre Chancen vorab ausgerechnet.

Beide wohnen am Ort. „Wir sind ortsverbunden, meine Partnerin ist Ur-Kamenerin, wir haben Freunde und Familie in Kamen“, erklärt der 32-Jährige. „Das ist ein Punkt, weshalb wir darauf hoffen, dass wir ein Grundstück in dem Baugebiet bekommen.“

Kapeluchs Partnerin hat ihren Hauptwohnsitz seit mindestens drei Jahren ununterbrochen am Ort, das gibt schon mal fünf Punkte. Dazu kommt ein Punkt für jedes weitere Jahr. Bei Paaren werden die Punkte zusammengezählt, maximal gibt es 20 Punkte. „Mit diesen 20 Punkten rechnen wir. Dabei habe ich für mich null Punkte angesetzt“, erzählt der gebürtige Dortmunder, der noch nicht so lange in Kamen wohnt.

Kein Bonus für Wohn- oder Arbeitsort im Kreis Unna

Weitere ortsbezogene Punkte gäbe es für eine Arbeitsstätte am Ort. Da aber beide Partner als Lehrer an einer Schule in Unna arbeiten, steht hier eine Null. „Das ist ein Kriterium, das uns irritiert hat. Heute ist es fast unmöglich, in der Stadt zu arbeiten, wo man wohnt. Wir haben gehofft, dass es Punkte für eine Arbeitsstätte im Kreis Unna gibt“, so Kapeluch.

Bei den sozialen Kriterien sammelt das Paar zehn Punkte für das gemeinsame Zusammenleben. Dies gilt laut Kriterienkatalog für Ehepaare, eheähnliche Gemeinschaften und eingetragene Lebenspartner. Für Kinder gäbe es je zehn Punkte, ab dem dritten Kind je zwölf Punkte. Da das Paar kinderlos ist, steht ungeachtet der Familienplanung hier eine Null. Ebenso bei den Punkten „Behinderungen“, „Pflegebedürftigkeit“ und „derzeitige Wohnverhältnisse“.

So sieht das Traumhaus im Katalog aus, das Andreas Kapeluch und seine Partnerin planen. © Viebrockhaus © Viebrockhaus

Insgesamt kommt das Paar damit nach eigener Berechnung auf 30 Punkte – von maximal 80 möglichen Punkten. Ob das für einen Zuschlag in der „Klimaschutzsiedlung“ reicht? „Wir waren von vorneherein ziemlich realistisch und es war uns wichtig, über den Tellerrand zu blicken“, meint Kapeluch. Soziale Kriterien könne man eben nur bedingt beeinflussen. Der angehende Bauherr hätte sich gewünscht, dass die Stadt noch weitere Kriterien aufgenommen hätte. „Im Vergleich zu Punktelisten anderer Städte, wie zum Beispiel Münster, wurde die Kamener Liste kurzgehalten“, meint er. Zuvor hatten SPD und CDU in Kamen bedauert, dass kein Bonus für die Ausübung von Ehrenämtern vorgesehen ist. Die Begründung: Dadurch könnte das Vergabeverfahren rechtlich angreifbar werden.

Ohne einen Zuschlag am Pastoratsfeld ginge die Suche nach einem Bauplatz weiter. Das Paar freut sich über aktuelle Grundstücksangebote (Kontakt über die Redaktion). Wichtig ist den beiden Kamenern, dass sie ihr energiesparendes Traumhaus nach dem KfW-Effizienzhaus-Standard „40plus“ verwirklichen können und dass sie nicht wegziehen müssen. „Für uns steht fest, dass wir unser Klimaschutzhaus auch ohne Klimaschutzsiedlung in Kamen bauen können. Wir sind von dem, was wir geplant haben, so überzeugt, dass wir glauben, dass es in die Siedlung hineinpasst, aber ganz wichtig ist, dass wir in Kamen bleiben wollen bei unserer Familie.“

Unser Weg zum Traumhaus: Wir begleiten in loser Folge Bauherren bei ihrem Projekt. Das Traumhaus von Andreas Kapeluch und seiner Partnerin existiert bislang nur auf dem Papier, gerade läuft das Auswahlverfahren für das Traum-Grundstück. Das Haus soll besonders sparsam sein mit eigener Stromfabrik und Wärmepumpe fürs Heizen. Damit erfüllt es den KfW-Energieeffizienz-Standard „40plus“.

In der Serie „Unser Weg zum Traumhaus“ begleiten wir Bauherren.
In der Serie „Unser Weg zum Traumhaus“ begleiten wir Bauherren, die von ihren Erfahrungen berichten. © Stefan Milk © Stefan Milk
Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer
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