Sturmfrei durch Orkantief Sabine. Fast alle Schüler bleiben am Sturm-Montag zuhause. Die Feuerwehr meldet 28 Einsätze: Schwerpunkt ist Heeren. Der Wochenmarkt am Dienstag wird abgesagt.

Kamen

, 10.02.2020, 12:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Blitzschnell stürmt das Orkantief Sabine auch durch die sozialen Netzwerke und Online-Plattformen, als am späten Samstagabend bekannt wird, dass die Kamener Schulen am Montag nicht öffnen werden.

Die Meldekette funktioniert. Während an den weiterführenden Schulen kein einziger Schüler aufläuft, nutzen zwölf Grundschüler die Betreuung des Offenen Ganztags.

Wie an der Diesterwegschule, wo nur ein Schüler kommt. „Dem ist vermutlich jetzt ganz schön langweilig“, heißt es dort augenzwinkernd.

Orkantief stürmt durchs soziale Netzwerk: Fast alle Schüler zuhause, Dienstag wieder Unterricht

Die Feuerwehrleute, die sich bereit halten, vertreiben sich die Zeit mit Fußball: Einige schauen das Spiel FC Bayern München gegen RB Leipzig, andere kickern. Dann allerdings folgen plötzlich Einsätze Schlag auf Schlag. Insgesamt zählt die Feuerwehr 28 Einsätze bis Montagmorgen. © Stefan Milk

Am Dienstag gibt es wieder Unterricht an den Schulen

Am Dienstag gibt es an den Kamener Schulen wieder Unterricht. „Es gibt aktuell keine Warnung des Wetterdiensts, die es erfordern würde, den Unterricht auch am Dienstag abzusagen“, meldet Stadtsprecher Peter Büttner auf Anfrage.

Der Runderlass des Landesschulministeriums gelte aber nach wie vor, dass es im Ermessen der Eltern liege, bei derlei Unwetterlagen ihre Kinder zur Schule zu schicken, wenn der Schulweg unsicher erscheine. „Die Eltern können das am Dienstag selbst entscheiden“, so Büttner.

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An den Schulen ist man am Montag froh, dass sich jene Information vom Samstagabend, dass der Unterricht aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde, über viele Kanäle verbreitet hat.

Wochenmarkt am Dienstag abgesagt

Am Montagvormittag wird schnell deutlich, dass das Orkantief Sabine weitere Auswirkungen hat, als für Dienstag der Wochenmarkt abgesagt wird. „Wenn der Wind unter die Planen der Marktstände greift, könnte es gefährlich werden“, begründet Büttner die Absage für die Innenstadt-Veranstaltung.

Einige Markthändler haben am Montagmorgen bereits von selbst abgesagt. Auch die Feuerwehr hält es für sinnvoll, derlei Veranstaltung unter freiem Himmel abzusagen. Der nächste Wochenmarkt läuft dann am Freitag, 14. Februar, von 8 bis 13 Uhr.

Orkantief stürmt durchs soziale Netzwerk: Fast alle Schüler zuhause, Dienstag wieder Unterricht

Die Situation an der Koppelstraße, als die Feuerwehr eintrifft. Ein entwurzelter Baum lehnt an der Fassade eines Mehrfamilienhauses. © Stefan Milk

Feuerwehr: „Bürger haben sich vorbildlich verhalten“

„Das große Unglück ist an uns vorbei gegangen“, sagt Rainer Balkenhoff, Leiter der Feuerwehr Kamen. „Es gab keine Verletzten – und auch von unseren eigenen Kräften ist niemand verletzt worden.“

Bis zum Montagmorgen zählt die Feuerwehr 28 Einsätze, schwerpunktmäßig in Heeren-Werve, gefolgt von Kamen-Mitte. „In Methler gab es nur wenige Einsätze“, so Balkenhoff. Schwierigster Einsatz ist die Beseitigung des großen Baums, der an der Koppelstraße entwurzelt wird und mit vollem Gewicht gegen ein Mehrfamilienhaus drückt. Mithilfe eines 40-Tonnen-Bergekrans des Kamener Abschleppunternehmers Kollmer wird der Baum vorsichtig auf die Straße gezogen und dann zerlegt.

Weitere Einsätze gibt es an der Westfälischen Straße, am Gartenplatz, an der Wideystraße, Am langen Kamp und an der Max-Planck-Straße, wo ebenso Bäume umstürzen. An der Grimmstraße und Otto-Wels-Straße fallen Bäume bzw. Äste auf dort abgestellte Autos und richten Schaden an. An einem Mehrfamilienhaus auf dem Spiek lösen sich Befestigungen des Flachdachs, die aufwendig gesichert wurden.

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Insgesamt ist das Schadensbild am Montag überschaubar: „Die Bürger haben sich vorbildlich verhalten. Die meisten sind zuhause geblieben, es war kaum jemand auf der Straße“, lobt Balkenhoff. Alles, was hätte umherfliegen können, sei verzurrt oder gesichert gewesen. „Es gab auch keine Flut von Mülltonnen, die umher geflogen sind.“

Orkantief stürmt durchs soziale Netzwerk: Fast alle Schüler zuhause, Dienstag wieder Unterricht

Irritation am Kamener Bahnhof: Während auf verschiedenen Kanälen verbreitet wird, dass der Zugverkehr am Sonntagabend wegen des Orkans Sabine eingestellt wurde, zeigt die Anzeige, dass noch einige Züge ankommen sollen: Der RE1 nach Aachen soll planmäßig um 19.29 Uhr einfahren, was einige Bahnkunden hoffen lässt. Über eine Viertelstunde ist das so zu lesen. Als kurz von 19.30 Uhr aus Richtung Dortmund ein Zug anrollt, wird die Hoffnung größer; es ist allerdings ein Güterzug . . . © Stefan Milk

Telefonkette für Schulausfall am Samstag in Gang gesetzt

Orkantief Sabine

Weitere Details zu stürmischen Tagen

  • An den Grundschulen wurde am Montag die angebotene Betreuung auf geringem Niveau genutzt. Insgesamt zwölf Schüler besuchten die sechs Grundschulen: Astrid-Lindgren-Schule (4), Südschule (5), Diesterwegschule (1), Friedrich-Ebert-Schule (1), Jahnschule (1) und Eichendorffschule (0). Insgesamt besuchen 4455 Schüler die Kamener Schulen (1429 Grundschulen/ 3026 weiterführende Schulen).
  • Der Bauhof war mit 15 Bereitschaftskräften von Sonntag, 7 Uhr, bis Montag, 7 Uhr, im Einsatz. Sie richteten verschobene Absperrbaken und Baustellenschilder aus, beispielsweise an der Baustelle Nordring.
  • Der Beigeordnete Uwe Liedtke war Sonntag selbst unterwegs, um mögliche Gefahrenpunkte in Augenschein zu nehmen. Wie das Baugerüst an der Germaniastraße in Methler, dort wo im Januar ein Gerüst eingestürzt war, und die Baustelle an der Friedrich-Ebert-Schule, die nah an die Straße angrenzt.

Nachdem in einigen Nachbarstädten schon die Entscheidung gefallen war, den Unterricht abzusagen, wurde die Entscheidung in Kamen am Samstagabend gegen 22 Uhr veröffentlicht. „Wir haben im Laufe des Samstags die Telefonkette in Gang gesetzt, um uns mit allen Schulleitungen abzusprechen“, so Büttner.

Die dann veröffentlichten Informationen über soziale Netzwerke und das Online-Portal unserer Zeitung verfehlten ihre Wirkung nicht. Am Montag wurden nur einige Schüler an den Schulen betreut.

„Bei uns ist kein einziger Schüler aufgelaufen“, berichtet Lars Wollny, Leiter des Gymnasiums Kamen am Montagmorgen. Im Gegensatz zum Kollegium, das fast vollständig vor Ort war. „Außer den weiter entfernt wohnenden Kollegen, für die die Anfahrt zu riskant war“, so Wollny. Der Tag wurde für die Unterrichtsplanung genutzt und die Arbeit an dem Lehrplan für G9. „Der Tag wird effektiv genutzt“, so Wollny.

Ein ähnliches Bild an den anderen Schulen. Auch an Gesamtschule, Realschule und Hauptschule erschienen keine Schüler. „Die Nachricht hat alle erreicht“, so Schulsekretärin Ines Beck an der Fridtjof-Nansen-Realschule. „Hier sind es nur die Lehrer, die fleißig arbeiten“, sagt Janine Richter, Schulsekretärin der Hauptschule lachend. Die Betreuung, die vorgehalten wurde, musste nicht genutzt werden.

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