Oratorium in Kamen: Die Leiden Elias‘ sorgen für begeisterten Applaus

dzSinfonische Reihe

Beim dritten Konzert der sinfonischen Reihe in Kamen wagen sich Chöre und Philharmonie an Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“. Kein leichtes Unterfangen.

von Rainer Ehmanns

Kamen

, 19.11.2018, 14:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stehender Applaus für die Aufführenden des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy am Sonntagabend in der Konzertaula.

Zwar keine 2000 Konzertbesucher wie bei der Uraufführung 1846 in Birmingham, doch eine gut gefüllte Konzertaula erlebte die Aufführung des dramatischen Geschehens um den Propheten Elias. Mendelssohn hatte den Oratorientext aus Zitaten des Alten Testaments zusammengesetzt.

So wenig zeitgemäß manche Textstellen heute klingen, so wenig en vogue war die Aufführung eines Oratoriums zu Mendelssohns Zeiten. Der Erfolg des „Elias“ wird auch heute noch bestimmt vom großen Chor und den damit möglichen Effekten, von der dramatischen Musik und den berückenden Melodien Mendelssohns, und nicht zuletzt vom grausamen Inhalt: Wunder geschehen; Baals Propheten werden als Feinde Gottes erschlagen, Elias fährt in den Himmel und verkündet den Messias. Insofern stellt dieses Werk damals wie heute eine Herausforderung für jeden großen Chor, Solisten und Orchester dar.

Man darf der Konzertgesellschaft Schwerte und dem Kamener Oratorienchor unter der Leitung von Franz-Leo Matzerath großen Respekt für den Mut zollen, diese Herausforderung angenommen zu haben. Denn auch für versierte Laienchöre haben die unterschiedlichen Passagen ihre Tücken. Die meistert der Gesamtchor überzeugend in den Turbachören, wenn er das aufgebrachte Volk vertritt. Er bleibt aber unter seinen Möglichkeiten, wenn etwa einzelne Chorstimmen unsicher oder zu wenig gespannt einsetzen, um die Baalspriester in der Anrufung Baals oder die Seraphim zu charakterisieren.

Das mag auch an dem im Verhältnis zum Geschehen eher zurückhaltenden Dirigat Matzeraths liegen, der dem Chor interpretatorisch in Tempo und Dynamik nicht alles abverlangt.

Schöne melodische Passagen, etwa der Semichor „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ oder das a-capella-Terzett „Hebe deine Augen auf“ hätten durch langsameres Tempo oder gespanntere Bögen noch an Intensität und Wirkung gewonnen.

Das Quartett der Solisten kann seine Herkunft von der Oper nicht verleugnen. Glockenhell und strahlend ist der Sopran von Johanna Isokoski, von dramatischer Reife der Mezzosopran Melanie Langs, Roman Payers Tenor von präsenter Fülle. Den kraftvollen Bariton Markus Volperts hätte man sich an einigen Stellen etwas schlanker gewünscht, etwa wenn sich im „Es ist genug“ der ermüdete Elias den Tod wünscht.

Die relativ schlank besetzte Neue Philharmonie gestaltete aktiv das dramatische Geschehen mit, etwa in der Simulation des Sturmes, des Feuers oder im Aufruhr des aufgewiegelten Volkes, und war stets sichere Basis für Chor und Solisten.

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