Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten, als noch kein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben war: Bettina Grella überreicht im Bürgerbüro Kamen einen Ausweis. Aktuell brauchen Bürger einen Termin, wenn sie ins Rathaus wollen. © Stefan Milk
Rathaus Kamen

Ohne Termin geht nichts: Bürger sauer über verstopfte Telefone im Kamener Rathaus

Ins Rathaus geht es weiterhin nur mit Termin. Aber die Absprache scheitert oft an der überlasteten Telefonzentrale. Manche Bürger macht das sauer. Die Corona-Einschränkungen bleiben aber.

Ironie, Sarkasmus und Empörung sind auf Facebook an vielen Stellen zu finden. Cüneyt Baysan macht da keine Ausnahme, als er am Mittwoch „stocksauer“ in der beliebten Gruppe „Du bist ein Kamener wenn…“ schreibt: „RATHAUS KAMEN, danke das ihr seit heute morgen ans Telefon drangeht. Muss was wichtiges im Bürgerbüro abgeben aber ohne Termin darf ich gar nicht rein… Geile Aktion.“ Garniert ist der Beitrag, der bis Donnerstagnachmittag 54 Kommentare nach sich zog, mit mehreren wütenden Smileys.

Stadt Kamen bestreitet das Problem nicht

Etliche Nutzer bestätigten das Problem – und auch die Stadt Kamen bestreitet es nicht. „Das Problem ist da, das wollen wir nicht wegdiskutieren“, sagt Stadtsprecher Rüdiger Büscher. Er räumt ein, dass die Stadt öfter davon höre, dass Bürger am Telefon nicht durchkommen.

Das Rathaus sei zwar grundsätzlich geöffnet, der Zutritt für Bürger aber nur nach vorheriger Terminabsprache möglich. „Es gibt eine Einlasskontrolle“, schildert Büscher. Die Kollegen an der Information riefen dann den zuständigen Sachbearbeiter an, um Wartezeiten und Begegnungen auf den „baulich sehr engen“ Fluren zu vermeiden.

Die Kolleginnen in der Telefonzentrale hätten eine enorme Vielzahl von Anrufen zu bewältigen, die in die einzelnen Fachbereiche durchgestellt werden müssten. Und wenn der zuständige Kollege in einem terminierten Gespräch sei, habe sein Gegenüber eben auch ein Anrecht darauf, dass sein Anliegen zu Ende bearbeitet wird, ohne ständig durch Telefonate unterbrochen zu werden. „Dann hat der Kollege natürlich nicht die Möglichkeit, Telefongespräche anzunehmen“, erklärt Büscher weiter.

Stadtsprecher: Wir sind nach wie vor in einer Ausnahmesituation

Der Stadtsprecher wirbt um Verständnis dafür, dass es sich nach wie vor um eine Ausnahmesituation handele, auch wenn Corona für viele inzwischen „gefühlt ganz weit weg“ sei. Zur Erinnerung: Coronafrei ist Kamen nicht mehr, das Kreisgesundheitsamt listet für die Sesekestadt sieben aktuell Infizierte auf.

Wann wieder „normal“ geöffnet werde, vermag die Stadt daher auch weiterhin nicht zu sagen. „Wir haben das Thema permanent auf dem Schirm, auch wegen der Klagen und Beschwerden“, so Rüdiger Büscher. Aber es sei eben noch nicht absehbar.

Terminabsprache per E-Mail als Alternative

Eine Alternative zur Terminabsprache über das Service-Telefon (02307) 148-0 besteht in einer E-Mail an [email protected] Das funktioniere gut, schreibt etwa Denis Aschoff in der Facebook-Diskussion: „Per Mail gibt es zügig Antwort. Habe selber davon Gebrauch gemacht.“

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
Zur Autorenseite
Kevin Kohues
Lesen Sie jetzt