Offenbar geläuterter Straftäter bekommt eine Chance

dzSchwarzfahrten und Diebstähle

Zahlreiche Vorstrafen brandmarkten einen 48-Jährigen eigentlich als hoffnungslosen Fall. Doch der positive Lebenswandel des Angeklagten überraschte den Richter im Amtsgericht deutlich.

von Sylvia Mönnig

Kamen

, 22.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Eine ganze Reihe von Diebstählen und Schwarzfahrten in Kamen und Umgebung gingen auf das Konto eines 48-Jährigen. Er, der als hoffnungsloser Fall erschien, stand jetzt vor Gericht – und überraschte dort mit einer Kehrtwende.

Über viele Jahre hinweg führte die Sucht Regie in seinem Leben. Und das schlug sich auch in seinem Strafregister nieder. Ab 1985 beschäftigte er die Justiz in unschöner Regelmäßigkeit – unter anderem mit Diebstählen, Beleidigungen, Körperverletzung oder auch Schwarzfahrten. Zuletzt hatten sich 35 Eintragungen im Register gesammelt. Hafterfahrungen inklusive.

Im vergangenen Jahr kam es dann zu einer weiteren Serie von Straftaten. Zwischen April und Oktober 2017 brachte es der Mann auf insgesamt acht Diebstähle und acht Schwarzfahrten. Er schlug unter anderem in Supermärkten und in einem Baumarkt zu, klaute Hochprozentiges und Bier, eine Haarschneidemaschine, Kleidung, Parfüm und schließlich sogar einen Bohrhammer. Das, was er nicht selbst benötigte, wollte er verkaufen, um seine Sucht nach Alkohol, Drogen und Tabletten finanzieren zu können. Zeitgleich wurde er regelmäßig ohne Ticket in Zügen nach Dortmund, Hamm oder retour nach Kamen erwischt. Darüber hinaus fiel er der Polizei auf, als er mit knapp zwei Promille in Schlangenlinien mit dem Fahrrad fuhr.

Im Prozess vor dem Amtsgericht räumte der 48-Jährige seine Taten nicht nur unumwunden ein, sondern zeigte auch glaubhaftes Bedauern. Er konnte auch in anderer Hinsicht punkten. Nach der Serie in Kamen und Umgebung begab er sich in eine Therapie, die er mit Erfolg abschloss, und lebt nun im Betreuten Wohnen. Er ist clean und hat auch keine weiteren Straftaten begangen – von einer Schwarzfahrt Ende 2017 abgesehen. „Ich möchte endlich wieder leben“, betonte er, und es war ihm anzusehen, dass er das vollkommen ernst meinte.

Der positive Wandel überzeugte den Richter schließlich. Der Angeklagte erhielt eine Chance, wurde zu 15 Monaten Haft mit Bewährung verurteilt und erhielt die Auflage, weiterhin in der Einrichtung zu leben. In der Urteilsbegründung machte der Richter kein Hehl aus seiner Überraschung und Freude über diese Entwicklung. „Sie haben eine Menge auf die Beine gestellt. Welchen Sinn würde es machen, wenn Sie auf die Beine kommen und ich Sie dann ins Gefängnis schicken würde?“

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