Bisramratten sehen aus wie kleine Biber. Und wie jene Tiere, die letztens gemächlich durch die Seseke geschwommen sind. Ob es wirklich Ratten waren, zeigt ein Blick auf den Schwanz.

Kamen

, 18.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich habe heute Bisamratten in der Seseke in Höhe des Kunstwerkes „JETZT“ gesehen“, schreibt uns ein Leser. Das Bild, das er mitschickt, zeigt drei kleine fellige Tiere, die aussehen wie kleine Biber. Sie schwimmen, die Näschen in Richtung Himmel gestreckt, entspannt durch das Wasser der Seseke. Ihre Schwänze ragen ebenfalls heraus und erinnern sofort an die von Ratten.

Eine Nachfrage beim Experten ergab dann aber doch etwas ganz anderes.

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„Das sind eindeutig junge Nutrias. Sie sind erst halb erwachsen. Es handelt sich offenbar um eine Familie“, sagt Hermann Knüwer von der Unteren Naturschutzbehörde Unna. Der Experte braucht nicht lange, um zu erkennen, dass es doch keine Bisamratten sind, die da in der Seseke vor sich hin plätschern. Was ihn so sicher macht? „Nutrias kann man an der weißen Schnauze und am runden Schwanz erkennen. Bisamratten haben eher oval geformte Schwänze, die senkrecht abgeflacht sind, Biber haben Kellen.“

Nutrias sind mittlerweile im ganzen Kreis Unna zu finden

„Nutrias kann man an der weißen Schnauze und am runden Schwanz erkennen. Bisamratten haben eher oval geformte Schwänze, die senkrecht abgeflacht sind, Biber haben Kellen.“
Hermann Knüwer, Untere Naturschutzbehörde Unna

Außerdem seien gelbe Zähne typisch für Nutrias. „Sie können bis zu 65 Zentimeter lang werden und einige Kilos schwer“, weiß Knüwer. Die Tierart sei außerdem eigentlich gar nicht bei uns heimisch, sondern kommt aus Südamerika. Es habe früher Nutria-Zuchtanlagen gegeben – für Pelz- und Fleischlieferanten. „Die Tiere, die bei uns vorkommen sind vor vielen Jahrzehnten ausgebüchst und haben sich in freier Natur gut vermehrt. Laut Knüwer kommen Nutrias mittlerweile kreisweit vor und der Bestand steige deutlich an. Sie seien überwiegend an Gewässern zu Hause.

Bisamratten sind kleiner als Nutrias und Otter und haben eine andere Schwanzform. Weil sie den gleichen Lebensraum wie Nutrias haben, werden sie stellenweise von diesen verdrängt und suchen sich andere Orte zum Leben.

Bisamratten sind kleiner als Nutrias und Otter und haben eine andere Schwanzform. Weil sie den gleichen Lebensraum wie Nutrias haben, werden sie stellenweise von diesen verdrängt und suchen sich andere Orte zum Leben. © picture-alliance/ dpa

Von einer Plage kann übrigens nicht die Rede sein, aber die Tiere dürfen dennoch von fachkundigen Menschen bejagt werden, wie Knüwer erklärt. Probleme bereiten die Nutrias aber eher selten. „Es gibt seltene Situationen, wo ein Nutria zum Problem werden kann, weil er seine Höhlen in Böschungen gräbt. An Deichanlagen kann das unter Umständen problematisch werden“, so Knüwer.

Bisamratten werden von den Nutrias verdrängt, weil sie kleiner sind

Und was ist nun mit den Bisamratten, die den Nutrias zumindest für Laien sehr ähnlich sehen? Gibt es die in Kamen und in der Seseke doch nicht? „Es sind beides keine Besonderheiten. Weder Nutrias, noch Bisamratten“, so Knüwer. Beide kommen in der Region vor. Allerdings doch eher selten zusammen: „Bisamratten kommen auch an Fließgewässern vor, stehen aber in Konkurrenz mit den Nutrias, weil sie eine ähnliche ökologische Nische ausfüllen“, erklärt Knüwer.

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Dass in der Seseke eine Nutria-Familie lebt könnte also darauf schließen lassen, das zumindest in ihrer Nähe keine Bisamratten leben. Denn: „Nutrias sind größer und dominanter, sie verdrängen Bisamratten im selben Lebensraum“, so der Experte. Bisamratten gibt es also dort, wo es keine Nutrias gibt. Also ist die Seseke im Bereich des Kunstwerkes „JETZT“ bisamrattenfrei. Was manch einen ob der Tatsache, dass in Bisamratte das Wort „Ratte“ steckt vielleicht erleichtern wird.

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