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Über dem Segelflugplatz hängt der Himmel zur „Kite“ wieder voller Drachen. Nur für den Start der ganz großen fehlt noch eine entscheidende Voraussetzung.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 18.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Eigentlich sollten sie den ganzen Himmel über dem Segelflugplatz in Heeren-Werve füllen, doch trotz des warmen Wetters bleiben die meisten Drachen der Kite am Samstagmittag noch am Boden. Kaum ein Lüftchen weht über dem schier endlosen Platz, nicht genug Auftrieb für die zum Teil riesenhaft wirkenden Konstruktionen und Figuren aus hauchdünnem Stoff.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Szenen von der 32. "Kamen Kite"

Zahlreiche Drachenfans treffen sich am Wochenende 18./19. Mai beim 32. Internationalen Drachenfest "Kamen Kite" auf dem Segelflughafen in Kamen-Derne. Sie führen ihre Fluggeräte vor, darunter viele Eigenkreationen.
18.05.2019
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Kamen. Das Drachenfestival "Kite" lockte wieder tausende Besucher auf den Segelflugplatz in Heeren. Dort gab es nicht nur einzelne Drachen zu bestaunen, sondern auch solche wie diesen, der aus mehreren Tänzerinnen bestand.© Stefan Milk
Drachen in allen Formen und Farben sind beim 32. Internationalen Drachenfestival "Kamen Kite" zu bewundern.© Stefan Milk
Auf dem Festival wurde auch die Saat für den Nachwuchs gelegt. Kinder konnten kleine Drachen in die Luft steigen lassen. Mancher leckte dabei sicher schon einmal Blut.© Stefan Milk
Es gab nicht nur den schwarz-gelben Drachen Lurchi, sondern auch diesen mit dem Vereinswappen von Borussia Mönchengladbach. Genutzt hat er nicht.© Stefan Milk
Besucher bestaunen die bunten Drachen, die aufgereiht auf ihren Start warten.© Stefan Milk
Der Moderator erläuterte, was gerade am Hmmel zu sehen ist.© Stefan Milk

Werner Hohenhorst aus Ennigerloh präsentiert einen seiner Kettendrachen, sogenannte Ohashis. © Stefan Milk Stefan Milk
Auch die Kinder hatten ihren Spaß, Drachen steigen zu lassen.© Stefan Milk
An der kurzen Leine hatten sie die Drachen jederzeit unter Kontrolle.© Stefan Milk
Die kleinen blauen Drachen passten gut ins Bild.© Stefan Milk
Für einige ging es an den Spielgeräten auch persönlich hoch hinaus.© Stefan Milk
Wer seinen Drachen steigen lassen wollte, musste kräftig Schwung nehmen.© Stefan Milk
Die Pfadfinder hatten eine Strickleiter zum Klettern aufgehängt.© Stefan Milk
Die Kinder konnten auch selbst Fantasiefiguren basteln.© Stefan Milk
Oder sich so bunt wie die Drachen schminken lasen.© Stefan Milk
Unterdessen versuchten die Drachen-Profis ihre Großdrachen trotz des schwachen Windes in die Luft zu bringen.© Stefan Milk
Flugzeuge müssen an diesem Wochenende im Hangar bleiben.© Stefan Milk
Emiliy (7) bastelt ein lustiges Stofftier.© Stefan Milk
Am Boden sind die gewaltigen Ausmaße von Drache "Lurchi" zu erkennen.© Stefan Milk Stefan Milk
Der Drache "Lurchi" aus Kassel wurde pünktlich zum Anstoß um 15.30 am Samstag gestartet, um den Schwarz-Gelben Glück zu bringen, was leider nicht gelang.© Stefan Milk Stefan Milk
Simon, 16., hat Spaß mit seinem Drachen.© Stefan Milk Stefan Milk
Das 32. Internationales Drachenfestival lockt zahlreiche Besucher auf dem Segelflugplatz an der Derner Straße in Kamen.© Stefan Milk

Wer mit dem Auto kommt, sollte gut zu Fuß sein

Gut besucht ist die 32. Kite aber auch in diesem Jahr. Wer hier mit dem Auto kommt, sollte gut zu Fuß sein, denn auch rund einen Kilometer entfernt vom 60.000 Quadratmeter großem Flugfeld sind die Parkplätze rar. Viele der hunderte von Besuchern, die den ganzen Samstag über zum Flugplatz pilgern, sind deshalb mit dem Fahrrad angereist. „Das ist hier einfach praktischer“, meint auch Markus Schulz, der gemeinsam mit seiner Frau und Tochter Lina den Drahtesel bemüht hat. „Außerdem macht eine kleine Radtour bei diesem Wetter ja auch wirklich Laune.“

Nur der Wind fehlt noch zum perfekten Drachenflug

Manche Drachen hatten Stacheln, aber trotzdem ein lustiges Gesicht. © Stefan Milk

Drachenbauern macht der schwache Wind zu schaffen

Auch Bernhard Dingwerth hat mit dem Wetter zu kämpfen. Seine Eigenkreation, ein 20 Meter hoher Lurchi, ist mit rund 14 Kilogramm für diese Größe zwar ein echtes Leichtgewicht, trotzdem viel zu schwer, um sich in die Lüfte zu erheben. „Den habe ich vor 19 Jahren gebaut“, berichtet Dingwerth stolz. Seine Kreationen sind weltweit bekannt und beliebt, deswegen nennt ihn hier jeder nur „Drachen-Bernhard“. Mit Lurchi habe er zwei Kindheitserinnerungen miteinander verbunden, erinnert sich Dingwerth: „Das ist zum einen das Drachensteigen und zum anderen die Lurchi-Comics. Die habe ich als kleiner Junge als Belohnung bekommen, wenn ich brav Schuhe anprobiert habe.“ Insgesamt 300 Quadratmeter Stoff hat er für Lurchi verwenden müssen, dazu kommt gut ein Kilometer an Leinenverstärkung und unglaubliche 15 Kilometer an Nähgarn.

Nur der Wind fehlt noch zum perfekten Drachenflug

Die Drachen boten schon am Boden ein buntes Bild. © Stefan Milk

Kletterleiter für schwindelfreie Besucher

Obwohl es die Drachen am Samstag noch schwer haben, Besucher zu begeistern, gibt es genug andere, spannende Dinge auf der Kite zu erleben. Die Pfadfindervereinigung Horst „Ritter der Tafelrunde“ vereint Pfadfinder aus Kamen, Bergkamen und Unna unter seinem Banner. Für schwindelfreie Besucher haben die Pfadfinder eine Kletterleiter aufgehängt, an deren Ende es gilt, die helle Glocke zu schlagen. Eine Vielzahl von Ständen und Buden bieten allerlei Köstlichkeiten an, die Siedlergemeinschaft „Südfeld“ hat Reibeplätzchen für Hungrige vorbereitet. Eine Hüpfburg und ein Kinderkarussell lassen auch bei den jüngsten Besuchern keinen Platz für Langeweile.

Nur der Wind fehlt noch zum perfekten Drachenflug

Der Drache "Lurchi" von Bernhard Dingwerth aus Kassel startete pünktlich zum Anstoss der Fußball-Bundesliga um 15.30 Uhr am Samstag, um den Schwarz-Gelben Gück zu bringen - was leider nur zum Teil gelang. © Stefan Milk Stefan Milk

Storm-Trooper für die Lüfte

Frank Raabe ist mit seinem Leinenschmuck beschäftigt. Wenn schon der Drache am Boden bleiben muss, will er den Besuchern zumindest seinen Leinenschmuck präsentieren. Der hängt, wie der Name schon sagt, von der Leine der Drachen herab. Mit einem Kompressor pumpt Raabe Luft in eine Figur, die mit dem blonden Scheitel und dem weißen Mantel einer bekannten Filmfigur zum verwechseln ähnlich sieht. Raabe bestätigt: „Das ist Luke Skywalker, daneben steht ein Storm Trooper.“ Seit 15 Jahren baut Raabe seine Drachen selbst, angefangen habe alles mit einem Rokkaku-Drachen für 60 Euro. „Dann kamen immer mehr dazu, mittlerweile habe ich rund 30 Stück.“

Nur der Wind fehlt noch zum perfekten Drachenflug

Jürgen Hansen aus Krefeld baut Cassacne-Räder, das Exemplar am Boden ist sein größter Drachen mit einem Durchmesser von 5,85 Metern. Hansen baute drei Jahre an diesem Prachtstück, der kleiner Drachen, den er in den Händen hält, hat einen Durchmesser von 1,20 Meter. © Stefan Milk Stefan Milk

Alle Drachen sind selbstgebaut

Seit einigen Jahren baue er die Drachen nur noch selbst, erklärt der Herner, als Vorlage für die Star Wars Charaktere dienten die Bauanleitungen eines Bekannten. „Der hat Darth Vader gebaut, also brauchten wir natürlich auch einen Luke.“Auch Dingwerth hatte eine ganze Sammlung an Drachen, die habe er aber mittlerweile zum größten Teil verkauft. Angefangen habe er das Hobby vor über 40 Jahren, erinnert sich der heute 64-jährige Rentner aus Kassel. Sein Lurchi konnte 2001 die deutsche Drachenmeisterschaft in Cuxhaven gewinnen. „Seitdem war Lurchi schon in zahlreichen Lädern in der Luft“, so Dingwerth. Seine Drachen sind in der Szene so bekannt, dass er regelmäßig zu Veranstaltungen auf der ganzen Welt eingeladen wird, in Thailand und Japan war er schon genauso wie in den USA. Je nach Größe des Festes würden die Veranstalter dann auch die Reisekosten tragen.

Nur der Wind fehlt noch zum perfekten Drachenflug

So riesig ist Lurchi. Das wird im Vergleich zu einem Menschen deutlich, der neben dem Drachen steht. © Stefan Milk Stefan Milk

Vorbild für den riesigen „Lurchi“ war eine kleine Figur

Rund ein dreiviertel Jahr brauche er, um einen Riesendrachen fertig zu nähen, vorher müsse er allerdings die Stoffe abmessen und zurecht schneiden. Als Vorlage für Lurchi habe ihm damals eine rund acht Zentimeter hohe Figur gedient. Diese übertrug er auf Millimeterpapier, um dann die einzelnen Teile maßstabsgetreu vergrößern zu können. „Diese Arbeit würde man heute natürlich am PC machen.“ Seine Bauanleitungen lade er für den Privatgebrauch auch kostenlos im Internet hoch, so Drachen-Bernhard: „Die Leute freuen sich darüber. Letztendlich ist die Drachengemeinde wie eine große Familie und man trifft sich ständig auf irgendwelchen Drachenfesten.“

Nur der Wind fehlt noch zum perfekten Drachenflug

Auch Simon (16) hat Spaß mit seinem Drachen, auch wenn er nicht so riesig ist wie manche andere Exemplare. © Stefan Milk Stefan Milk

Im Winter ist Zeit für neue Kreationen

Auch Frank Raabe ist ständig auf Drachenfesten unterwegs, oft auch mit seinem Vater, ebenfalls Drachen-Enthusiast. Seine Reisekosten übernehme allerdings niemand, sagt er mit einem Schmunzeln: „Dafür sind sie nicht groß genug.“ Auch er sei ständig auf der Suche nach neuen Ideen. „Wenn ich dann eine habe, schreibe ich mir das sofort auf.“ Vor allem im Winter würde er dann an neuen Kreationen arbeiten, erklärt er, sowie die meisten Drachenbauer. „Dann sind die Tage eh kurz und das Wetter schlecht, dann kann ich in Ruhe basteln.“

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