Es herrscht Vollbeschäftigung, und Schlangen vor dem Arbeitsamt sind selten: Minikamen ist eine Stadt in der Stadt, wo 300 Kinder das Sagen haben. Jetzt fehlt nur noch ein Stadtoberhaupt.

Kamen

, 22.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist Urlaubszeit, aber die Stadt wirkt alles andere als ausgestorben. Kunden drängen sich in den Geschäften, und auch draußen ist viel los. Nur im Arbeitsamt herrscht gähnende Leere. Drei Mitarbeiterinnen sitzen am Schalter und warten auf Kundschaft. Es herrscht Vollbeschäftigung.

Nach der Arbeit in die Wellness-Oase

Was klingt wie ein gesellschaftliche Utopie, ist die Realität im Ferienspiel „Minikamen“. Fast 300 Kinder und mehr als 50 Helfer machen seit Montag bei der Stadtsimulation mit. Im und um das Freizeitzentrum Lüner Höhe bilden zahlreiche Spielstationen das Stadtleben ab. Es gibt Geschäfte vom Reisebüro bis zum Friseur, ein Rathaus, eine Bank, eine Post und eine Baustelle. Dazu kommen Stationen für Freizeitaktivitäten vom Fußballspielen bis zum Tanzen. Hinter einer Tür im Keller liegt eine „Wellness-Oase“ mit Luftmatratzen zum Ausruhen.

So lange arbeiten, wie man Lust dazu hat

Vorhin war im jetzt leeren Arbeitsamt noch viel los: Dort haben sich die Kinder kurz nach der Ferienspiel-Eröffnung in die Schlange gestellt, um einen Arbeitsplatz zugeteilt zu bekommen. Die Mitarbeiterinnen teilten sogenannte Arbeitskarten aus, die dazu berechtigen, für eine gewisse Zeit an einer Station mitzuarbeiten. Nach getaner Arbeit können die Kinder ihre Arbeitskarte gegen eine andere tauschen und die Spielstation wechseln: zum Beispiel vom Friseur zur Stadtverwaltung, von der Minikamen-Zeitung zur Backstube, vom Kosmetikstudio zur Schmuckwerkstatt oder vom Bauspielplatz zum Reisebüro.

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Minikamen – Kamen im Kleinformat

Beim Ferienspiel „Minikamen“ dürfen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren das Leben in einer Stadt nachspielen. In der Zeit von 22. Juli bis 2. August arbeiten die Kinder in einem von 30 unterschiedlichen Berufen.
22.07.2019
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Beim Ferienspiel „Minikamen“ dürfen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren das Leben in einer Stadt nachspielen – hier Betreuerin Michelle mit den Larissa und Melissa (beide 10).© Marcel Drawe
Rund 30 Spielstationen mit Geschäften, Rathaus, Bank, Sparkasse usw. befinden sich im und am Freizeitzentrum Lüner Höhe.© Marcel Drawe
In der Werbeagentur von Mini-Kamen entwerfen Yussuf und Fabian (beide 10) ein Schild für die Lotterie.© Marcel Drawe
Veit (9) und Jannis (8) werkeln auf dem Bauspielplatz, wo unter Anleitung von Susanne Steinbach Palettenmöbel entstehen.© Marcel Drawe
Die Kreativ-Werkstatt von Minikamen befindet sich auf dem Außengelände des Freizeitzentrums Lüner Höhe.© Marcel Drawe
Minikamen verfügt auch über eine eigene Gärtnerei.© Marcel Drawe
Reger Betrieb herrscht im Kosmetiksalon von Minikamen.© Marcel Drawe
Nico (9) arbeitet mit Betreuerin Leia in der Stadtverwaltung. Dort steht die Vorbereitung der Bürgermeisterwahl auf dem Programm.© Marcel Drawe
Haily (7) lässt sich in der Arztpraxis von Minikamen untersuchen.© Marcel Drawe
Minikamen hat eine eigene Bushaltestelle. Von dort geht es zu Ausflugszielen, die im Reisebüro gebucht werden können.© Carsten Fischer
In der Eisdiele arbeiten Saskia (7), Betreuerin Angelina und Nia (7).© Marcel Drawe
Die Sparkasse sorgt für Minimoos: Sophie (11), Maxi (8), und Lara-Sofie (11) sortieren die Währung von Minikamen.© Marcel Drawe
Der Minikamen-Anzeiger berichtet über die Ereignisse in der Stadt – hier die Reporter Johann (10) und Vincent (12) mit Betreuer Marc.© Marcel Drawe
Das Reisebüro wird von Isabell (12), Kimberly (13) und Tyler (13) betreut.© Marcel Drawe

Arbeitslosenquote real bei 7,2 Prozent, in Minikamen 0 Prozent

Maximilian, acht Jahre alt, hat einen der begehrten Arbeitsplätze in der Bank ergattert. Zusammen mit der elfjährigen Lara-Sofie und dem neunjährigen Marlon sortiert er gerade Geldscheine am Schalter. „Wenn Geld fehlt, wird das hier nachgedruckt“, erklärt Matthias Götzke, einer der Manager von Minikamen und Sozialarbeiter im Freizeitzentrum Lüner Höhe.

In Minikamen ist vieles so wie im normalen Wirtschaftsleben, aber manches eben doch anders. Im echten Kamen sind nach Angaben des echten Arbeitsamts derzeit 1624 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt bei 7,2 Prozent. In Mini-Kamen sind alle beschäftigt und haben auch noch Spaß bei der Arbeit.

Auch ohne Minimoos ist was los

Hobby-Ökonomen hätten wahrscheinlich ihre Freude an dem Ferienspiel, wenn sie dort die Wirkung von zwei großen Marktkräften im Kleinen beobachten. In den ersten Stunden nach der Eröffnung haben erst die wenigsten Kinder Minimoos verdient. Entsprechend ist das Angebot in einzelnen Geschäften kaum nachgefragt. Die Verkäufer müssten bei mangelnder Nachfrage den Preis senken, und tatsächlich wird der Preis tatsächlich extrem heruntergesetzt: Es gibt Eistee, Obstspieße oder Muffins für 0 Mini-Moos. „Du brauchst nicht nur Leute, die arbeiten, sondern auch Leute, die Geld ausgeben. Sonst gehen die Läden pleite“, sagt Sozialarbeiter Götzke.

Im Reisebüro einen Ausflug zum Wertstoffhof buchen

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Minikamen

  • Beim Ferienspiel „Minikamen“ dürfen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren das Leben in einer Stadt nachspielen. In der Zeit von 22. Juli bis 2. August arbeiten die Kinder in einem von 30 unterschiedlichen Berufen, verdienen Mini-Moos und regieren über ihre eigene Stadt. Schauplatz ist das Freizeitzentrum Lüner Höhe an der Ludwig-Schröder-Straße.
  • Freizeitzentrum-Chef Michael Wrobel und Jugendamtsleiter Johannes Gibbels und Jörn Tautz von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Kamen verzeichneten am Eröffnungstag 297 Anmeldungen. Ob es noch kurzfristig freie Plätze gibt, können Interessenten unter Tel. 02307/12552 erfragen. Die Teilnahme kostet 38 Euro inklusive Snacks und Getränken.
  • Minikamen findet 2019 in der 18. Auflage statt. „Als es im Jahr 2001 als Projekt mit 50 Kindern begann, hätte niemand geahnt, dass es sich zu so einem Renner entwickeln würde und mittlerweile in sämtlichen Städten im Umkreis in ähnlichen Varianten durchgeführt wird“, heißt es. Was das Kamener Ferienprogramm sonst noch zu bieten hat, steht online unter www.ferienfunkalender.de.

In der nun 18. Auflage des Ferienspiels hat Klein-Sesekestadt sogar eine eigene Bushaltestelle. Andreas Feld von der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) brachte das Haltestellenschild mit der Aufschrift „Minikamen“ zur Eröffnung mit. Im Reisebüro können die Kinder Halbtagsausflüge mit VKU-Bussen buchen – unter anderem zur Feuerwehr. Der 13-jährige Tyler zeigt auf die Liste der ungewöhnlichen Reiseziele, zum Beispiel der Wertstoffhof der Stadt Kamen. Kinder lernen bei Mini-Kamen einiges über Umweltschutz und Müllvermeidung.

Höhere Löhne und mehr Minimoos

Was Minikamen noch braucht, ist ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. Im Rathaus der Mini-Stadt laufen am Eröffnungstag bereits die Wahlvorbereitungen an, am Dienstag folgt die Kandidatensuche und am Mittwoch die Wahl. „Höhere Löhne, mehr Mini-Moos!“ ist erfahrungsgemäß eine beliebte Wahlkampf-Parole Vielleicht darf das gewählte Stadtoberhaupt ja eine Runde im echten Dienstwagen von Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) drehen. Die Limousine wurde am Eröffnungstag bereits auf dem Gelände gesichtet, weil ein Eröffnungsgast aus dem Rathaus damit vorgefahren war.

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