Notstrom mit der Kraft der Sonne? Rathaus prüft kuriosen Klima-Vorschlag der Bündnisgrünen

dzNeue Technik im Rathaus

Für 220.000 Euro kann man schon ein kleines Haus bauen. So viel kostet die Sanierung des Notstromaggregats, das das Rathaus im Notfall versorgt. Der Sanierungsbedarf kommt plötzlich.

Kamen

, 23.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Stromausfall im Rathaus kann bitter enden. Zu viele Systeme hängen am Stromnetz, damit das Herz der Stadt pulsieren kann. Doch das Notstromaggregat, das im Fall der Fälle einspringen soll, ist in die Jahre gekommen, sprich: Es ist stark sanierungsbedürftig. Weil die Diagnose unerwartet kommt, genehmigte der Stadtrat jetzt eine außerplanmäßige Ausgabe für die Grundsanierung: Geschätzte 220.000 Euro werden fällig. Ein erheblicher Teil, so formuliert die Verwaltung, wird allein für Fachingenieurleistungen fällig - 20 Prozent. Das sind 44.000 Euro. Die Sanierung beginnt sofort, wie Linda Biermann, Leiterin der Hochbauabteilung der Stadt Kamen, berichtet: „Die Ausschreibung wird jetzt erstellt, die Sanierung erfolgt kommendes Jahr.“

Notstrom mit der Kraft der Sonne? Rathaus prüft kuriosen Klima-Vorschlag der Bündnisgrünen

Das Notstromaggregat im Rathaus ist veraltet und muss nach der Sanierung des Ratstrakts auf die neue Technik abgestimmt werden. © Stadt Kamen

Notstromaggregat auch mit einer Photovoltaikanlage betreiben

Die Stadtverwaltung will vor der Sanierung nun auf Anregung der Bündnisgrünen prüfen, ob das Notstromaggregat auch mit einer Photovoltaikanlage samt Pufferbatterie betrieben werden kann, weil das klimafreundlicher ist. „Wir werden den Prüfauftrag mitnehmen“, so Kämmerer Ralf Tost in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Große Hoffnungen machte er dem grünen Ratsherrn Stefan Helmken, der den kuriosen Vorschlag formulierte, dort aber nicht. „Es muss ja auch sicher gewährleistet sein, dass es im Betrieb keine Probleme gibt. Falls eine längere Zeit überbrückt werden muss, stößt eine Batterie vermutlich an ihre Grenzen“, argumentierte er. Ein Stromausfall könne im schlimmsten Fall auch mehrere Tage dauern.

Das Notstromaggregat ist so alt wie das Rathaus

Das veraltete, aber funktionstüchtige Notstromaggregat ist so alt wie das Rathaus, das in den Jahren 1973 bis 1975 errichtet wurde. Die Anlage, die im Keller steht, versorgt im Fall des Stromausfalls die Sicherheitsbeleuchtungsanlagen, die Brandmeldeanlage, die Notversorgung der EDV-Anlagen, die Rauchabzugsanlage, die Sprinkleranlage und die sogenannte Wandhydranten-Druckerhöhungspumpe. Zudem werden die Verteileranlagen im Erdgeschoss versorgt, die weiter in die einzelnen Geschosse des Rathauses verzweigen. „Um die volle Funktionalität dieser Anlage wieder zu erreichen und langfristig zu sichern, bedarf es erheblicher Erneuerungen insbesondere im Steuerungsteil der Anlage, daneben auch Zu- und Ablüftungsöffnungen im Gebäude und eine neue Abgasführung der mit Diesel oder Heizöl betriebenen Anlage“, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz lehnte Förderanfrage ab

Obwohl die öffentliche Verwaltung „zu den kritischen Infrastrukturen mit wichtiger Bedeutung im staatlichen Bevölkerungsschutz gehört“, wie die Verwaltung argumentierte, wurde beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine mögliche finanzielle Förderung für die Grundsanierung abgelehnt.

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