Neue B233-Ortsdurchfahrt für Kamen wird 60 Prozent teurer

dzNordring-Projekt gestartet

Der Baustart der Nordring-Sanierung kommt trotz einer 60-prozentigen Kostensteigerung. Die ersten Absperrungen an der Kamener Hauptverkehrsachse sind eingerichtet.

Kamen

, 27.05.2019, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitarbeiter der Firma MCS Verkehrsraum stellten am Montagmorgen rot-weiße Baken an der Kreuzung Nordring/Stormstraße auf. Das ist der westliche Startpunkt des rund 730 Meter langen Sanierungsabschnitts der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 233.

Die Bauarbeiten machen den Nordring voraussichtlich für eineinviertel Jahre – bis August 2020 – zum Nadelöhr. Der Durchgangsverkehr soll trotz Kanal- und Fahrbahnarbeiten von einer Vollsperrung verschont bleiben. Es ist zwar mit Engpässen zu rechnen, aber der operative Leiter des Stadtentwässerungsbetriebes Kamen, Bernd-Josef Neuhaus, will beide Fahrtrichtungen in der Bauphase jeweils einspurig offen halten. Das wurde am Montag bei einem Pressetermin bekannt gegeben.

Neue B233-Ortsdurchfahrt für Kamen wird 60 Prozent teurer

Vertreter der Stadt und der Baufirmen besichtigten am Montagmittag den Sanierungsabschnitt des Nordrings. © Stefan Milk

7,1 Millionen Euro

Nordring-Projekt

Warum es viel teurer wird

Das Nordring-Projekt wurde vom Land NRW immer wieder verschoben. Inzwischen sind die Baukosten extrem gestiegen. Zunächst war in einer Verwaltungsvereinbarung von schätzungsweise 4,4 Millionen Euro die Rede. Dann kam eine Kostenschätzung von Ingenieuren im Herbst 2018 über 4,7 Millionen Euro, und im Mai 2019 das Ausschreibungsergebnis von 7,1 Millionen Euro. Für das Land NRW, das laut Stadt Kamen in erster Linie für die Fahrbahnsanierung aufkommt, ergibt sich eine Steigerung von 1,8 auf 2,95 Millionen Euro. Für die Stadt Kamen belaufen sich die Mehrkosten für Gehwege, Radwege und Grünanlagen auf rund 200.000 Euro (Gesamtbetrag: eine Million Euro), wobei 60 Prozent der Kosten über Fördermittel des Landes finanziert werden. Die Bezirksregierung habe avisiert, diesen Anteil auch für den Mehrkostenanteil zu übernehmen. Für die Stadtentwässerung Kamen steigt der Aufwand zur Erneuerung des Mischwasserkanals von 1,9 auf 2,9 Millionen Euro, wobei die Mittel im Wirtschaftsplan des städtischen Betriebs zur Verfügung stehen. Für den Kreis Unna, der die Erneuerung der Fahrbahndecke in der Stormstraße bis nördlich zur Autobahnunterführung übernimmt, ergeben sich laut Stadt keine nennenswerten Auswirkungen.

Der Stadtentwässerungsbetrieb vergab den Auftrag für das Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Land und Kreis in der vorigen Woche trotz einer extremen Kostensteigerung von rund 60 Prozent. Die Partner müssen nun statt wie ursprünglich geschätzt 4,4 Millionen Euro insgesamt 7,1 Millionen Euro aufbringen, wobei das Land den Löwenanteil der Mehrkosten trägt.

Die Mehrkosten sind nach Angaben von Vize-Verwaltungschef Dr. Uwe Liedtke auf Baukostensteigerungen und die Marktlage zurückzuführen. Die Baukonjunktur brummt bekanntlich und nur zwei der 14 Bauunternehmen, die Ausschreibungsunterlagen anforderten, bewarben sich. Eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Gehrken (Dortmund) und Märkische Tiefbau (Lünen) erhielt den Zuschlag. Gehrken hatte 2015 bereits die Kreuzung Schattweg/Kamen-Karree/Unnaer Straße umgebaut.

Die Nordring-Sanierung bringt mehr als den Austausch der maroden Fahrbahnen und Bürgersteige. „Es geht nicht nur darum, die Schlaglöcher zu stopfen, sondern um die Aufwertung der Fläche“, sagte Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD). Durch den Vollausbau „haben wir endlich auch Radwege“, sagte Liedtke. Die Bushaltestellen und Überwege werden barrierefrei gestaltet. Und die Anlieger sollen durch lärmmindernden Asphalt weniger unter dem Verkehrslärm leiden. Liedtke bewertet das Gesamtpaket als „Quantensprung“.

SEK-Technikleiter Bernd-Josef Neuhaus beschreibt den Bauablauf so: Die Bagger graben zunächst einen Schacht auf der Kreuzung Nordring/Stormstraße/Westring. Von dort ausgehend wird etappenweise ein mehr als vier Meter tiefer Graben in Richtung Osten ausgehoben. 90 Zentimeter dicke Kanalrohre kommen hinein. Anschließend erfolgt die Herstellung der Oberflächen mit Bordsteinen, Pflasterflächen und Asphalt. Das alles laut Zeitplan bis August 2020.

Auch künftig Tempo 30?

Statt schnurgerade wird die Hauptfahrbahn künftig in einer leichten Schlangenlinie verlaufen, gesäumt von Rad- und Gehwegen und robusten Straßenbäumen. Die Planer hoffen, dass die Hauptverkehrsachse nach ihrer Fertigstellung kein so scharfer Trennstrich mehr zwischen Innen- und Nordstadt sein wird. Zu dem Ziel, die Ortsdurchfahrt freundlicher und erträglicher für die Stadtbewohner zu gestalten, würde es aus Sicht des obersten Kamener Stadtplaners Liedtke auch passen, die derzeitig wegen Straßenschäden geltende Tempo-30-Regelung künftig beizubehalten, sofern dies verkehrsrechtlich möglich ist.

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Bernd-Josef Neuhaus, operativer Betriebsleiter der Stadtentwässerung Kamen, ist der federführende Bauleiter des Gemeinschaftsprojekts von Land, Stadt Kamen, Stadtentwässerung Kamen und Kreis Unna. © Stefan Milk

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