Der Steinkohlebergbau in Kamen und Bergkamen ist Vergangenheit. Norbert Meier und der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier haben die Geschichte nun aufgeschrieben.

Kamen, Bergkamen

, 29.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Norbert Meier schließt sich in diesen Tagen ein wenig der Kreis: Der Buchautor, der schon zwölf Bücher über verschiedene Zechen im Ruhrgebiet herausgegeben hat, hat sich im 13. Band den Zechen Monopol und Haus Aden gewidmet. Auf Monopol fuhr er einst selbst zwölf Jahre lang ein, auf Haus Aden waren es zwei Jahre. Der Mann, der für externe Firmen im Streckenvortrieb arbeitete, kam selbst durch Zufall zum Bergbau. Eigentlich wollte er nur sein Informatik-Studium mit der Arbeit unter Tage finanzieren, doch Schichten und Studium ließen sich nicht kombinieren. So blieb er beim Bergbau hängen. „Nach meinem Ausscheiden hab ich mich dann sehr für die Historie des Bergbaus interessiert“, erklärt Meier.

Norbert Meier schreibt 650 Seiten Zechen-Geschichte

Der Schacht Grillo IV an der Friedhofsstraße zwischen Overberge und Kamen wurde Ende der 90er Jahre abgerissen. © picture-alliance / dpa

Buchvorstellung am 19. Oktober

Kumpeltreffen in der stadthalle Kamen

  • Das Buch „Die Zechen Monopol und Haus Aden - Der Steinkohlebergbau in Kamen und Bergkamen“ erscheint am Samstag, 19. Oktober.
  • Vorgestellt und auch verkauft wird es an diesem Tag um 14 Uhr in der Stadthalle Kamen durch den Arbeitskreis Dortmund im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier und den Autor Norbert Meier. Die Feier wird musikalisch umrahmt vom Blechbläserensemble der DSK.
  • Das Buch im Format DIN-A4 hat 656 Seiten und über 1100 Abbildungen und ist am Tag der Präsentation sowie danach im örtlichen Buchhandel, in den LWL-Industriemuseen Zeche Zollern und Zeche Nachtigall und auf der Zeche Zollverein zum Preis von 29,95 Euro erhältlich.
  • Die ISBN-Nummer lautet 978-3-00-063166-5.
  • Zu der Veranstaltung sind alle ehemaligen Kumpel undd Mitglieder der Knappenvereine eingeladen. Sie werden gebeten, den Bergkittel, die traditionelle Bergmannstracht, zu tragen.
  • Bei der Veranstaltung wird eine Dokumentation über das verheerende Grubenunglück auf Kuckuck gezeigt, bei dem am 20. Februar 1946 am Ende 405 Bergleute ums Leben kamen.

Alles begann mit Zeche Erin in Castrop-Rauxel

Schnell wurde Norbert Meier Mitglied im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier - Arbeitskreis Dortmund. Der hat es sich inzwischen zur Aufgabe gemacht, die Geschichten der Zechen und Schachtanlagen niederzuschreiben. Meier fungiert dabei als Autor und macht auch das Layout selbst. Gedruckt wird in Eigenregie, um die Druckkosten gering zu halten und das Buch zum vergleichsweise günstigen Preis verkaufen zu können.

Das erste Buch beschäftigte sich mit Zeche Erin in Castrop-Rauxel und hatte 178 Seiten. Das Werke über die Schachtanlagen von Kamen und Bergkamen umfasst stolze 656 Seiten und ist im DIN-A4-Format ein echter Schinken, der zum Durchblättern und Festlesen einlädt. Viele historische Fotos lockern die DIN-A4-Seiten auf und machen das Bild vergangener Zeiten komplett.

Norbert Meier schreibt 650 Seiten Zechen-Geschichte

Norbert Meier recherchierte die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Kamen und Bergkamen und schrieb darüber ein Buch. © Marcel Drawe

Kein Personenkult im und um das Buch

Was es im und um das Buch allerdings nicht gibt, ist ein Personenkult. Weder Autor Norbert Meier möchte großartig im Mittelpunkt stehen, noch werden handelnde Personen in ein besonderes Licht gerückt. Natürlich werden die beiden Namensgeber Friedrich „Fritz“ Grillo (1825 bis 1888) und Heinrich Grimberg (1833 bis 1907) portraitiert, doch selbst das nur auf jeweils zwei Seiten. „Es geht um die Geschichte des Bergbaus und die Vorkommnisse. Es wird geschildert, was bergtechnisch und berbauhistorisch passierte.

Dafür musste Meier auch lange und intensiv recherchieren. Viele Unterlagen aus den Archiven sind verschwunden - oder haben Sperrvermerke. „Man darf die zwar einsehen, aber die Informationen darauf nicht ohne weiteres veröffentlichen“, erklärt Meier.

Norbert Meier schreibt 650 Seiten Zechen-Geschichte

Eine alte Ansichtskarte von Bergkamen zeigt den Schacht Grimberg in Bergkamen.

Recherche war arbeitsintensiv

„So viel Arbeit musste ich in keines der anderen Bücher stecken“, erklärt Meier - und damit auch, warum die einst modernste und größte Zechenanlage Europas erst im 13. Buch der Reihe vorkommt, zumal Meier auch noch den persönlichen Bezug zu beiden Zechen hatte. „In den öffentlich zugänglichen Archiven waren einfach so gut wie keine relevanten Informationen über die Geschichte der Schachtanlagen vorhanden. Vor allem hatte ich Schwierigkeiten, Material von 1875 bis in die 1930er Jahre hinein zu finden. Da hatte ich nur ein paar Fotos.“

Im Winter 2018 begann er deshalb mit der intensiven Forschung in den Stadtarchiven von Kamen, Bergkamen und Hamm. Fuhr zum Landesarchiv nach Münster, doch die fortschreitende Digialisierung half dort nicht weiter. „Ich musste eine schriftliche Anfrage stelle, und dann wurde dort für mich gesucht. Endlich hatte ich Informationen über die Anfänge“, schildert Meier. Im Kamener Stadtarchiv fand sich eine Karte, die heute das innere des Buchdeckels ziehrt. Sie stammt aus dem Jahr 1874 - und zeigt genau die Situation vom „vereinigten Steinkohlenfelde „Monopol“ bei Camen mit den Gas- und Fettkohlen.

Wie genau seine Recherchearbeit verlief, hat Meier im Vorwort des Buches aufgeschrieben. Denn Detailtreue ist zum Markenzeichen des Mannes aus Recklinghausen geworden. Zwar seien alles in allem genügend Daten zusammengekommen, um endlich die Geschichte der Hintergründe der Bergwerke Monopol und Haus Aden im größeren Rahmen aufzuzeichnen, „doch es bleiben immer noch Fragen, die trotz der intensiven Recherche nicht zu klären waren“, erklärt Meier.

Grubenunglück auf Kuckuck mit 405 Toten

Im Dunkeln bleiben weiterhin viele Hintergründe zum schwerste Grubenunglück Deutschlands. Am 20. Februar 1946 kamen 405 Kumpel bei einer Wetterexplosion unter Tage auf Grimberg 3/4, genannt Kuckuck, um Leben. Vieles war damals schief gelaufen und Hinterbliebene wie Überlebende äußerten noch Jahre danach schwere Vorwürfe. Die Machenschaften der Nationalsozialisten wurden ebenfalls unter den Teppich gekehrt, denn entsprechende Akten aus dieser Zeit sind bis heute verschwunden.

Von der Mutung bis zur letzten Tonne Kohle

Die 656 Seiten des Buches umfassen die Geschichte von Monopol und Haus Aden von der ersten bis zur aktuellen Stunde. Alles begann in Kamen mit den Schächten Grillo 1/2, dann folgten auf Bergkamener Gebiet Grimberg 1/2 (Neu-Monopol), Grillo 3 (Kiwitt), Grimberg 3/4 (Kuckuck) und Haus Aden. Dort endet das chronologisch aufgebaute Buch - mt einem Kapitel über die Zentrale Wasserhaltung auf Haus Aden. Im folgenden Zusatzkapitel geht es dann nur noch um die Mechanisierung der Arbeit unter Tage.

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