15 Jahre gibt es das neue Kamen-Karree. Wo McDonald´s, KFC, Pizza Hut und bald L‘Osteria eine Fast-Food-Meile bilden, hat einer Pionierarbeit geleistet: Sylvester Pasek mit dem Karree-Grill.

Kamen

, 24.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Noch bevor McDonald´s, KFC, Pizza Hut und jetzt L‘Osteria das Kamen-Karree für sich entdecken, weil sie die Nähe zum schwedischen Möbelhaus Ikea suchen, steht dort der Karree-Grill.

Wir schreiben das Jahr 2003. Sylvester Pasek, 40 Jahre alt, hat das Gespür für diesen besonderen Standort, der damals aber völlig anders aussieht. Ikea gibt es noch nicht. Besuchermagnet auf weitläufiger Feldflur ist lediglich der große Baumarkt „Castorama“, der später in Casto-Depot umbenannt wird.

Für den Schnitzel-Pionier aus dem Kamen-Karree laufen die Geschäfte gut. „Im Baumarkt ist ja immer was los“, schildert er. „Jede Menge Kunden“. Und vor allem: Jede Menge Stammkunden. Schließlich ist ja nebenan auch das große Verwaltungsgebäude der Bundesknappschaft.

Noch vor McDonald‘s, KFC und Co am Ikea-Standort: Der Schnitzel-Pionier aus dem Kamen-Karree

Am 31. Juli 2003 kommt das Ende für Casto. Betroffen ist nicht nur Kamen, geschlossen wird auch an den Standorten Castrop-Rauxel, Wildau bei Berlin, Koblenz, Chemnitz und Kassel. Das französische Unternehmen hatte zuvor erst 1990 nach Deutschland expandiert, um 1992 den ersten Markt zu eröffnen. © Stefan Milk

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Castorama schließt aus wirtschaftlichen Gründen

Doch dann für ihn das plötzliche Aus, als feststeht, dass Castorama aus wirtschaftlichen Gründen alle sechs Baumärkte in Deutschland schließt und damit der Weg frei ist, um den Umsiedlungs-Deal für Ikea zu besiegeln. Am 31. Juli 2003 kommt das Ende für Casto. Betroffen ist nicht nur Kamen, geschlossen wird auch an den Standorten Castrop-Rauxel, Wildau bei Berlin, Koblenz, Chemnitz und Kassel. Das französische Unternehmen hatte zuvor erst 1990 nach Deutschland expandiert, um 1992 den ersten Markt zu eröffnen. Im April 2002 wurde der Name Castorama in Casto Depot umgewandelt, um die Baumärkte von Grund auf umzubauen. Ziel: Mit möglichst wenig Mitteln das Unternehmen rentabler zu machen, was aber nicht gelingt. Plötzlich herrscht auf dem Riesen-Parkplatz in Kamen gähnende Leere. Pasek damals: „Das war ein Schlag!“

Noch vor McDonald‘s, KFC und Co am Ikea-Standort: Der Schnitzel-Pionier aus dem Kamen-Karree

Das ehemalige Ikea-Haus am Zollpost, das nach dem Umzug ins Kamen-Karree abgerissen wurde. Dort baute anschließend die Baumarkt-Kette Max Bahr neu, die später von Hornbach übernommen wurde. © Milk

Die Betriebsferien bis zum 31. Juli endeten nie

Das Schild „Betriebsferien bis zum 31. Juli“ prangt plötzlich vor der rustikalen Holzhütte, die ein bisschen Holzfällercharme hat, sodass Schnitzel, Bratwurst und Pommes bestens munden, wenn man gerade Rigips-Platten und Holzzuschnitt auf die Ladefläche gewuchtet hat.

Doch diese Betriebsferien enden nie. Die von Pasek ausgehandelte Option, an dem Standort weiterzumachen, wenn das Baumarktgebäude neu vermietet ist, greift nicht. Denn der Baumarkt wird abgerissen, um Platz zu schaffen für den schwedischen Riesen.

Es ist klein Platz mehr für den Schnitzel-Pionier. Er bemüht sich noch, auch vor Ikea weitermachen zu dürfen. Das allerdings scheitert an den Bedingungen. „Da gab es viele Auflagen und ich hätte auch nur bestimmte Waren nehmen dürfen.“

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Früherer Grillstuben-Betreiber erinnert sich nicht gern zurück

Jetzt, über 15 Jahre später. Sylvester Pasek ist es fast unangenehm, auf die damalige Zeit angesprochen zu werden. Der früherer Grillstuben-Betreiber, mittlerweile 56, erinnert sich nicht gern zurück. Mit leiser Stimme sagt er. „Ich habe damit abgeschlossen. Es hat mich jede Menge Geld gekostet. Aber es ist schade um die schöne Zeit.“ Die Holzhütte musste er damals mehr oder weniger verramschen, weil er sie nirgendwo stellen konnte. „Ich habe sie quasi verschenkt. Sie steht nun in einem Garten.“

Noch vor McDonald‘s, KFC und Co am Ikea-Standort: Der Schnitzel-Pionier aus dem Kamen-Karree

Im Jahr 1990, als viele Zeitungsfotos nach schwarzweiß waren, wurde Castorama in Deutschland gegründet, 1992 wurde der erste Markt eröffnet, etwas später in Kamen. Im April 2002 wurde in Deutschland der Name Castorama in Casto Depot umgewandelt. © Stefan Milk

Ab 2006 einen neuen Weg eingeschlagen

Pasek sammelt fortan weitere Erfahrungen in der Gastronomie, bevor er 2006 einen neuen Weg einschlägt: Er geht in die Immobilienbranche, führt nun ein eigenes Büro in Lünen - an der Graf-Haeseler-Straße 37. War er einst sozusagen Opfer eines Immobilien-Deals, sitzt er nun nach entsprechender Weiterbildung zum Immobilienkaufmann auf der anderen Seite und kümmert sich um Immobilienfragen, bewertet Häuser und Grundstücke und agiert als Sachverständiger für Schimmel und Feuchtigkeit. Vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen, als ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, geht er jede Immobilienfrage gründlich an. „Ja, es wird viel gekauft. Aber es muss alles Hand und Fuß haben“, mahnt er. Mehr Hand und Fuß, als es die zweieinhalb Jahre im Kamen-Karree hatten.

Keine Blicke mehr fürs Kamen-Karree

Statt Schnitzel und Bratwurst nun größere „Portionen“ mit Quadratmeterzahlen und umbautem Raum. „Die Veränderung hat sich durch Zufall ergeben. Das Schicksal wollte es wohl so“, sagt er nachdenklich. Bereut hat er die Veränderung nicht. „Wenn Ikea nicht gekommen wäre, hätte ich den Schritt wohl nicht gemacht. Das ist ja immer so. Wenn etwas läuft, dann stellt man sich nicht die Frage, etwas hinzuschmeißen. Das macht man nicht mal eben so.“ Jetzt könnte er gelassen auf das Kamen-Karree mit Ikea gucken, dort wo früher sein Karree-Grill stand, bevor alle anderen da waren. Macht er aber nicht. „Das hat mich viel Geld gekostet“, sagt er rückblickend. So vermeidet er es, dorther zu fahren. Und wenn, dann blickt er nicht rüber.

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