Intersport Wolter schließt in der Kamener Fußgängerzone

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Aus für Intersport Wolter in der Kamener Fußgängerzone: Inhaberin Gabriele Stellmach nennt die Gründe, warum sie das Geschäft für Sportbekleidung und -ausrüstung nach 42 Jahren aufgibt.

Kamen

, 17.01.2020, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ladensterben in der Kamener Innenstadt geht weiter: Nach dem Schuhgeschäft Wolter verabschiedet sich auch das benachbarte Sporthaus Wolter aus der Fußgängerzone. Inhaberin Gabriele Stellmach will ihren Laden an der Weststraße 15 zum 29. Februar schließen.

42 Jahre lang hat die Geschäftsfrau fast alles für den Sport verkauft, darunter Fußballschuhe, Jogging-Anzüge, Badehosen, Taschen und Tischtennisbälle. Sie zieht einen Vorhang schräg gegenüber der Ladentheke zur Seite – dahinter stehen Regale, in denen sich die Schuhkartons fast bis zur Decke stapeln. Ein weiteres Lager im hinteren Teil des 300 Quadratmeter großen Ladens ist schon komplett geräumt. Auf dem Weg dorthin steht in einer Vitrine ein großes Modell des Signal-Iduna-Parks.

Der Laden lohnt sich nicht mehr

Mit 60 Jahren ist Stellmach, die früher gern Fußball spielte, noch nicht im Rentenalter angekommen. Den Laden schließt sie trotzdem aus wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen. Erstens kaufen immer weniger Kunden bei ihr ein, sodass das Geschäft sich nicht mehr lohne. „Seit drei Jahren schustere ich schon Geld in die Firma dazu, und das wird nicht mehr besser“, sagt Stellmach. Zweitens will sie sich keine langen Arbeitstage und keinen beruflichen Stress mehr antun.

Das Aus des Sportgeschäfts trifft fünf langjährige Mitarbeiterinnen. Denen sei natürlich die Abwärtsentwicklung nicht verborgen geblieben. In den besten Zeiten habe der Jahresumsatz eine halbe Million Euro betragen, jetzt könne man von der Hälfte ausgehen. Und so war es keine Überraschung, als die Inhaberin ihre Entscheidung im Juni 2019 intern bekannt gab. Zwei Mitarbeiterinnen fanden bereits wenige Wochen später eine neue Arbeitsstelle in einem Modekaufhaus in der Umgebung, die übrigen drei „bleiben mir bis zum Schluss treu“, sagt Stellmach. „Wir sind wie eine Familie.“

Intersport Wolter schließt in der Kamener Fußgängerzone

Gabriele Stellmach führt das Sportgeschäft Wolter in der Kamener Fußgängerzone seit 42 Jahren. Am 29. Februar ist der letzte Öffnungstag. © Stefan Milk

Bei Wolter zur Lehre gegangen

42 Jahre lang hat die Kauffrau das Sportgeschäft geführt. Das war einst vom Inhaber des Schuhhauses Wolter, Hans-Josef Wolter, gegründet worden. Stellmach machte bei Wolter ihre Lehre und übernahm das Sportgeschäft 1978. Das Schuhhaus nebenan wurde zuletzt von Wolters Nichte geführt. Sie schloss es im Mai 2018 und führte als einen Grund die zunehmende Konkurrenz durch den Online-Handel an.

Auch Stellmach weicht dieser Konkurrenz. „Die Entwicklung geht von Tag zu Tag schneller“, meint sie. Sportartikel wie in ihrem Sortiment gehören zu den typischen Konsumartikeln, die zunehmend online bei Wettbewerbern bestellt werden. Da nützt es Stellmach nichts, dass sie Mitglied im mittelständischen Einkaufsverband Intersport ist, der einen eigenen Onlineshop betreibt. Sportschuhe würden heutzutage sogar in Übersee bestellt. Da könne sich der Kunde nicht sicher sein, ob es Fälschungen sind. „Ein Mann hatte Nike-Schuhe aus Amerika und wollte dann von mir wissen, ob sie echt wären“, erzählt Stellmach.

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„Tote Hose“ in der Fußgängerzone

Dem stationären Einzelhandel in der Sesekestadt sagt Stellmach eine düstere Zukunft voraus. „In Kamen ist tote Hose“, meint sie. Seit nebenan das Schuhgeschäft Wolter geschlossen habe, sei die Fußgängerzone nicht mehr so attraktiv. Diese steht ihrer Meinung nach im Schatten des Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“. Die Stadt Kamen tue zu wenig für eine attraktive Innenstadt. Die kümmere sich lieber darum, ob die Kleiderstände vor Geschäften korrekt stehen.

Wenn Stellmach über ihren Laden spricht und die Geschichte Revue passieren lässt, dann ist sie den Tränen nah. „Das ist mein Kind“, sagt sie. 42 Jahre lang ist sie jeden Werktag aus Sendenhorst, wo sie wohnt, 50 Kilometer zur Arbeit nach Kamen gefahren.

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