Neues Lesefutter für Geschichtsbegeisterte

dzHeftreihe „Springinsfelt“

Im Kamener Stadtarchiv stecken viele spannende Geschichten, die es zu erzählen gilt. Das wissen auch die Archivare, die eine eingeschlafene Heftreihe wiederbeleben möchten.

Kamen

, 02.11.2018, 20:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen war das Jahr 1624 kein gutes. Schon seit sechs Jahren tobte der 30-jährige Krieg im Land. Für den Soldaten Springinsfelt gab es aber einen Lichtblick: Die Geburt seines Sohnes, die er auch prompt bei der evangelischen Gemeinde in Kamen meldete. Es ist der älteste Eintrag im Kirchenbuch der Gemeinde.

Dieser Soldat ist nicht in Vergessenheit geraten und viele Jahre später sogar zu einer unerwarteten Ehre gekommen: Er ist der Namensgeber einer Heftreihe des Hauses der Stadtgeschichte, die spannend erzählte Geschichten über historische Themen enthält.

Robert Badermann, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, setzt die Reihe nun weiter fort. „Ein Ziel könnte es sein, ein bis zwei Mal pro Jahr ein Heft herauszubringen“, sagte Badermann. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Jetzt soll erst einmal konkret an der aktuellen Ausgabe gearbeitet werden. „Ein Heft zum Thema ‚Hanse‘ wollen wir noch vor Weihnachten herausbringen“, bestätigte Jürgen Dupke vom Haus der Stadtgeschichte. Autoren für das Heft seien er selbst und Badermann.

Springinsfelt ist eine Zeitschrift, die auch unter dem Titel „Archivnachrichten“ laufen könnte. „Doch das wäre vielleicht nicht so ansprechend“, sagte Dupke und schmunzelt. Tatsächlich speisen sich die Artikel zu geschichtlichen Themen, die man in den Heften lesen kann, aber hauptsächlich aus Material, das Interessierte im Stadtarchiv finden können. „Das sind aber keine wissenschaftlichen Arbeiten, sondern ansprechend geschriebene, gut lesbare Texte zu interessanten Themen der Geschichte“, sagte Dupke. Das Heft, das voraussichtlich noch dieses Jahr erscheinen wird, soll entweder umsonst oder gegen einen kleinen Obolus beim Haus der Stadtgeschichte erstanden werden können. „Gewinn wollen wir damit nicht machen“, sagte Dupke.

Initiiert hatte die Heftreihe der ehemalige Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, Hans-Jürgen Kistner. Im Jahr 1995 veröffentlichte er die erste Ausgabe des Springinsfelt zum Thema „50 Jahre Kriegsende“. Es folgte ein weiteres Heft im Jahr 1996 unter dem Titel „Neue Funde aus dem Seseke-Körne-Winkel“, dann sei die Reihe eingeschlafen, erzählte Dupke. 2015 gab es die Wiederbelebung, die engagierte Gästeführerin und Ortheimatpflegerin Edith Sujatta schrieb allerlei Texte über das Handwerk, unter anderem mit einer Übersicht über die verschiedenen Zünfte in der Sesekestadt.

In den Anfängen sorgte die Stadt noch für die Publikation des Heftes, nun übernimmt diese Rolle der Förderverein des Museums.

Ahnenforscher aufgepasst

Für Geschichtsinteressierte und Hobby-Historiker gibt es zudem noch einen weiteren Grund der Vorfreude. Ab Donnerstag, 8. November, soll der Ahnenforscherstammtisch wieder regelmäßig ab 16 Uhr an jedem ersten Donnerstag im Monat im Haus der Stadtgeschichte stattfinden. Der erste Donnerstag dieses Monats fiel jedoch auf einen Feiertag. Dann wird auch der erfahrene Ahnenforscher Helmut Blaskowitz wieder Tipps geben und aus dem Nähkästchen plaudern.

Für interessierte Profi- und Hobby-Historiker ist das Haus der Stadtgeschichte eine gute Anlaufstelle, wenn es um Ahnenforschung geht. Zahlreiche Dokumente, etwa Geburts-, Sterbe-, und Heiratsurkunden sind dort archiviert.

Dafür, welche Dokumente aus welchen Zeiträumen vorhanden sind, gibt es spezielle Regeln. Heiratsurkunden werden 80 Jahre beim Standesamt archiviert, danach kommen sie ins Stadtarchiv. Das gilt also für Dokumente vor dem Jahr 1938. Bei Geburten sind es sogar 110 Jahre, die Dokumente vor dem Jahr 1908 sind also im Haus der Stadtgeschichte. Bei Sterbeurkunden liegt die Archivdauer beim Standesamt bei 30 Jahren. Sollte ein Dokument aber vor dem Jahr 1874 ausgestellt worden sein, dann findet man es eher bei den zuständigen Kirchengemeinden.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Antisemitismus

Als Jude ermordet: Was der Enkel eines Nazi-Opfers über den Anschlag in Halle denkt

Hellweger Anzeiger Neben dem Kamen-Karree

Das passiert neben Ikea und L‘Osteria: Namhafte Firmen in der Warteschlange

Hellweger Anzeiger Baustopp Nordstraße

Ausgrabungen an der Villa Möcking: Architekt verrät, was für Neubau genutzt werden kann

Hellweger Anzeiger Voice of Germany

Sido entscheidet: Lucas Rieger kommt bei „The Voice of Germany“ in die nächste Runde

Meistgelesen