Neues Kombibad für Kamen: Wie die Stadt sich das 26-Millionen-Euro Projekt leisten will

dzSchwimmbad für Kamen

26 Millionen Euro für ein neues Bad. Das ist viel Geld für eine Stadt in der Haushaltssicherung. Wie Kamen das Geld zusammenbekommen will und warum die Stadt das Bad genaugenommen nicht selbst zahlt.

Kamen

, 28.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein neues Kombibad für Kamen – da kommt bei vielen Menschen erst einmal Freude auf. Doch gleichzeitig mag sich der ein oder andere vielleicht auch fragen, wie das Bad überhaupt finanziert werden soll. Die Antwort darauf kann derjenige geben, der es am besten wissen muss: Kämmerer Ralf Tost. Er erklärt nicht nur, woher das Geld kommen soll, sondern auch, dass genau genommen gar nicht die Stadt für das Bad aufkommen muss.

Denn zuständig dafür, dass es im Stadtgebiet Bäder gibt, sind die Gemeinschaftsstadtwerke. Sie haben den Auftrag, Kamen mit Strom, Gas, Wasser, Wärme – und eben Schwimmmöglichkeiten zu versorgen. Die GSW müssen also auch dafür sorgen, dass die Bäder in Schuss sind bzw. erneuert oder ersetzt werden.

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Doch kann die Stadt sich nicht einfach aus der Angelegenheit heraushalten, denn sie muss auf der anderen Seite sicherstellen, dass die GSW ihren Versorgungsauftrag auch erfüllen kann. Das sei in der Gemeindeordnung so festgelegt worden, erklärt Tost. Und dass es für die GSW an die Substanz gehen würde, wenn sie mal eben zwei moderne Bäder in Kamen und Bergkamen baute, ist wohl selbsterklärend.

Stadt Kamen unterstützt die GSW mit 26 Millionen Euro

Die Stadt hat sich also bereit erklärt, den GSW einen Investitionszuschuss zu gewähren – also „eine dauerhafte Hingabe von Geldmitteln zur eigenverantwortlichen Verwendung“, wie Tost erklärt. Die Stadt erwarte dafür keine Gegenleistung, das Geld soll dafür genutzt werden, den Betrieb zu sichern.

Irgendwo zahlt die Stadt also doch für das Schwimmbad bzw. sorgt dafür, dass die GSW sich das Kombibad überhaupt leisten und weiterhin seine anderen Aufgaben erfüllen kann. So weit, so gut.

Pläne für das neue Kombibad gibt es längst. Nur die Zusage vom Land über eine Förderung fehlt noch. Danach kann es schnell gehen, wenn es nach Stadt und GSW geht.

Pläne für das neue Kombibad gibt es längst. Nur die Zusage vom Land über eine Förderung fehlt noch. Danach kann es schnell gehen, wenn es nach Stadt und GSW geht. © Geising & Böker

Aber woher kommt das Geld denn nun? Tost hat die Antwort: Zwar weiß er noch nicht, ob und wie viele Fördermittel es vom Land geben wird, aber er rechnet mit etwa acht Millionen Euro. Wie Bürgermeisterin Elke Kappen erst jüngst in der Ratssitzung sagte, stehen die Chancen sehr gut, dass es zu einer Förderung kommen wird. Auch Tost ist guter Dinge.

Stadt will das Darlehen 25 oder 30 Jahre lang abbezahlen

Selbst zahlen müsste die Stadt also noch etwa 18 Millionen Euro. Und wie, das hat sich Tost schon grob überlegt. Es soll ein Darlehen aufgenommen werden. Möglich ist eine Abzahlung über 25 Jahre oder über 30 Jahre, wahrscheinlicher sind laut Tost aber 25 Jahre. Bei 25 Jahren läge die jährliche Haushaltsbelastung bei 740.000 Euro – 570.000 Euro Abschreibung plus etwa 200.000 Euro Zinsen, je nach Kapitalmarkt. Würde die Stadt 30 Jahre lang abzahlen, würde der Haushalt mit 620.000 Euro pro Jahr belastet werden – das ist weniger, aber die Stadt müsste auch fünf Jahre länger zahlen. Je nach Förderung müsse die genaue Darlehenssumme aber noch angepasst werden, erklärt Tost.

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Apropos Darlehnssumme: Wie will die Stadt diese Jahr für Jahr bezahlen? Auch auf diese Frage hat Tost natürlich eine Antwort. Sie heißt Stadtentwässerung Kamen. Die Stadtentwässerung hat in den vergangenen Jahren etwa drei Millionen Euro pro Jahr in die Stadtkasse gespült. Künftig werden es aber wohl vier Millionen sein. Der Grund dafür ist mehr Personal bei der Stadtentwässerung. „Wir machen mehr selbst und vergeben weniger Aufträge. Wir handeln effektiver und die Gewinne steigen“, erklärt Tost. Und: Mit den Gebühren, die die Bürger zahlen, habe das nichts zu tun und ein Darlehen wird sich auch nicht darauf auswirken.

Das zusätzliche Geld wird aber übrigens nicht nur für das neue Bad verwendet, sondern etwa auch für den Ausbau von Rad- und Gehwegen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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