Neues Gesetz zu Passfotos: „Wenn das kommt, können wir zumachen“

dzFotostudios in Existenznot

Passfotos sollen nach einem Plan von Innenminister Horst Seehofer künftig nur noch unter staatlicher Aufsicht gemacht werden dürfen. Fotostudios in Kamen fürchten den Ruin.

Kamen

, 09.01.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir sind ein reines Passbild-Studio. Wenn das Gesetz kommt, können wir zumachen.“ Fotograf Stefan Dettler findet klare Worte für einen neuen Gesetzesentwurf aus dem Innenministerium. Die Behörde von Minister Horst Seehofer (CSU) schlägt vor, dass Pass- und Ausweisfotos künftig nur noch in Behörden aufgenommen werden sollen.

Die Pläne sind eine Reaktion auf zunehmende Fälle von Ausweismissbrauch. Das Ministerium will Bildmanipulationen verhindern. Es geht vor allem um das sogenannte Morphing, bei dem die Gesichter mehrerer Personen zu einem verschmelzen, sodass nicht mehr erkennbar ist, ob es sich um die eine oder die andere Person handelt. Unter Umständen könne also mit einem Pass eine weitere Person, deren Gesichtszüge im Passbild enthalten sind, den Pass zum Grenzübertritt nutzen, heißt es in dem Gesetzesentwurf des Innenministeriums.

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„Die bisherige Praxis ist nicht mehr zukunftstauglich“

„Die Funktion des Passes als Dokument zur Identitätskontrolle ist damit im Kern bedroht. Die bisherige Praxis, nach der Passbewerber die zu verwendenden Lichtbilder einreichen, ist daher nicht mehr zukunftstauglich“, steht in dem Entwurf.

Die Konsequenz: Pass- und Ausweisbehörden sollen mit Selbstbedienungsterminals ausgestattet werden. Der Gang zum Fotostudio würde so wegfallen.

Die Fotografen in Kamen fürchten nun nicht weniger als den finanziellen Untergang. Nicht nur für Dettlers Studio wäre ein solches Gesetz existenzgefährdend.

Fotoshootings bringen Geld, reichen aber nicht aus

Auch Ralph Bisdorf, der auf dem Willy-Brandt-Platz das Fotostudio „Foto und Video Bisdorf“ betreibt, sieht in den Seehofer-Plänen ein massives Problem. Zwar bietet Bisdorf auch Fotoshootings an, aber Ausweis- und Passfotos seien das tragende Standbein für den Laden. „Das wären Sanktionen gegen den Einzelhandel mit weitreichenden Folgen“, sagt Bisdorf.

Neues Gesetz zu Passfotos: „Wenn das kommt, können wir zumachen“

Ralph Bisdorf bietet viel mehr an als Passfotos und lässt auch mal eine Drohne aufsteigen. Sollten die Pass- und Ausweisfotos wegfallen, wäre auch sein Fotostudio bedroht. © Stefan Milk

Bisdorf findet, dass die Fotos aus den Studios sicher sind und dass Hersteller entsprechender Technik sich ebenfalls schon gegen Fälschungen einsetzen.

„Das wären Sanktionen gegen den Einzelhandel mit weitreichenden Folgen.“
Ralph Bisdorf, Fotograf

Das bestätigt auch der Handelsverband Deutschland. Demnach arbeiten derzeit Händlergruppen gemeinsam mit Herstellern von Passbildstationen, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und Softwareherstellern an einem Konzept, das sichere, bruchfreie und einfache Bildübertragung an die Passbildämter gewährleistet.

Handelsverband schreibt Brandbrief an Seehofer

Der Handelsverband steht hinter den Fotografen, die bundesweit um ihre Geschäftsgrundlage fürchten. In einem Brief an Innenminister Horst Seehofer schreiben HDE-Präsident Josef Sanktjohanser und der Vorstandsvorsitzende des Handelsverbandes Technik (BVT), Frank Schipper: „Angesichts der ohnehin angespannten Lage im stationären Einzelhandel stellt dies eine existenzielle Bedrohung für viele mittelständische Unternehmen dar.“

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