Bauland in Kamen ist knapp, das nächste Baugebiet soll in Methler erschlossen werden. Bevor der Stadtrat den Weg zum Baustart frei machen kann, muss die Stadtverwaltung noch 25 Anregungen und Beschwerden prüfen.

Kamen, Methler

, 09.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Erdhaufen sind wieder glattgezogen, aber noch nicht gelegt hat sich der Ärger mancher Anwohner am Pastorats- und am Haferfeld. Überrascht von unangekündigten Baggerarbeiten auf dem Acker, hatten sie bereits einen verfrühten Baustart für das neue Wohngebiet vermutet. Dann stellte sich heraus, dass es sich um archäologische Voruntersuchungen handelte. Die Stadtverwaltung sah sich zu einer Klarstellung veranlasst, und Anwohner fühlten sich in ihrem Eindruck bestätigt, dass die Informationspolitik schlecht sei.

Bevor die Erschließung des Baugebiets tatsächlich beginnen darf, muss der Bebauungsplan noch die letzten Hürden nehmen. Eine davon ist die sogenannte öffentliche Auslegung, die am 30. November endete. Bis dahin durften Bürger, Behörden und andere Institutionen Stellungnahmen zu dem Vorhaben im Rathaus einreichen. Sämtliche Pläne, Gutachten und Gestaltungsvorschriften waren und sind weiterhin im Stadtplanungsportal o-sp.de/kamen.de online abrufbar.

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25 Stellungnahmen gingen ein

Baugebiet für Methler

Wohnen zwischen Hafer- und Pastoratsfeld

  • Die sogenannte Klimaschutzsiedlung (so benannt wegen geplanter Umweltstandards) wird aus 28 Einzelhäusern, vier Doppelhäusern und zwei Mehrfamilienhäusern bestehen, die in einer sogenannten Schleifenerschließung auf der drei Hektar großen Fläche in Methler angeordnet werden.
  • Das Baugebiet schließt südöstlich an das Dorf Methler an. Die Grundstücksgrößen auf dem jetzigen Acker zwischen Germaniastraße und Im Haferfeld betragen 300 bis 600 Quadratmeter.
  • Die Zufahrt in das neue Wohngebiet erfolgt von der Germaniastraße.

Wie viele Bürger sich für die öffentliche Auslegung interessierten, lässt sich nur ansatzweise sagen. „Einige wenige Bewohner“ aus Methler sowie Anwohner des Plangebiets seien ins Rathaus gekommen, um sich die Entwürfe anzuschauen, erklärt die Stadtverwaltung. Wie oft die Pläne online abgerufen wurden, werde nicht statistisch erfasst.

Was im Rathaus schwarz auf weiß vorliegt, sind die bis zum Stichtag 30. November eingegangenen 25 Stellungnahmen zu dem Planentwurf „Nr. 36 Ka-Me“. Davon stammen 22 Stellungnahmen von sogenannten Trägern öffentlicher Belange, zum Beispiel Behörden, und drei von anderen Absendern, die von der Stadt Kamen nicht näher bezeichnet werden. Der Inhalt wird verfahrensgemäß erst später veröffentlicht. Der Redaktion ist aber ein Anwohner namentlich bekannt, der sagt, dass er die Stadtverwaltung im Rahmen der öffentlichen Auslegung angeschrieben hat.

Anwohner: Fuß- und Radweg soll weg

Der Anwohner, der anonym bleiben will, hat Einwände gegen den geplanten Fuß- und Radweg erhoben. Dieser Durchstich soll das Baugebiet östlich mit der Straße „Im Haferfeld“ verbinden. „Dieser Fuß- und Radweg sollte nicht erstellt werden“, sagt der Mann. Seiner Meinung nach sind in dem Baugebiet zu wenig Parkplätze vorgesehen. Das werde dazu führen, dass mehr Autos auf dem Straße „Im Haferfeld“ parken. Dies würde zu mehr Verkehr und zu Schwierigkeiten auf der Anliegerstraße führen. Zudem mutmaßt der Anwohner, dass die wärmegedämmten Fassaden in der sogenannte „Klimaschutzsiedlung“ mit Schadstoffen belastet sein könnten, die mit dem Regen ausgewaschen werden.

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Stadtrat soll Baugebiet bis Mitte 2020 beschließen

Wie in Bebauungsplanverfahren gesetzlich vorgesehen, prüft die Stadtverwaltung nun die eingegangenen Stellungnahmen und wertet sie aus. Das Paket soll dann im Laufe des ersten Halbjahrs 2020 die Fachausschüsse und am Ende den Stadtrat erreichen, der den Bebauungsplan in Form einer Satzung beschließt. „Der Satzungsbeschluss ist Voraussetzung für die Erschließungsplanung und den entsprechenden Bau der Anlagen sowie für die Aufteilung der Grundstücke“, erklärt Stadtsprecher Peter Büttner. Kaufinteressenten können sich im Rathaus bei Christoph Watolla (Liegenschaften, Fachbereich 23.2) in eine Liste eintragen lassen. Der Erwerb von Grundstücken sei frühestens nach erfolgter Erschließung mit Kanälen und Baustraßen möglich.

Neues Baugebiet in Kamen steht vor den letzten Hürden zum Baustart

Städtebaulicher Entwurf für neues Baugebiet in Methler: Die sogenannte Klimaschutzsiedlung wird aus 28 Einzelhäusern, vier Doppelhäusern und zwei Mehrfamilienhäusern bestehen. Der Plan spiegelt den Stand von Oktober 2018 wieder. © Stadt Kamen

CDU fordert Baustraße ab Westicker Straße

Keine Bürgerversammlung

  • Die Stadtverwaltung plant derzeit keine Bürgerversammlung über das neue Baugebiet, um Anwohner oder Interessenten über die nächsten Schritte zu informieren. Die Begründung: Sie ist im gesetzlichen Verfahren für den Bebauungsplan in der laufenden Phasen nicht vorgesehen.
  • Unter Anwohnern hält sich ein Gerücht, dass eine solche Versammlung 2019 geplant war, aber abgesagt wurde. Tatsächlich hat die Stadtverwaltung keine solche Versammlung geplant. Die SPD Kamen lud im Laufe des Jahres zu einer öffentlichen Veranstaltung mit SPD-Landeschef Sebastian Hartmann zum Thema „Wohnen“ ein. Dabei ging es um lokale Wohnungspolitik, nicht ausschließlich um ein Baugebiet. Ein erster Termin war wegen des Tods der SPD-Ratsfrau Nicola Zühlke abgesagt worden.
  • Nicht ausgeschlossen ist, dass Kamener Parteien die Nachfrage nach Informationen zu dem Baugebiet in den nächsten Monaten aufgreifen werden, indem sie Bürger zu eigenen öffentlichen (Mitglieder-)Versammlungen einladen.

CDU-Planungspolitiker Karsten Diederichs-Späh geht davon aus, dass die Erschließung Mitte 2020 beginnt. Das Methleraner Ratsmitglied regt in einer Mitteilung an, dass das Baugebiet für die Dauer der „Erschließungs- und Baumaßnahmen“ eine provisorische Zufahrt von der Westicker Straße bekommt. Das würde den Anwohnern des Pastoratsfelds gerecht, die schon jetzt die Sorge um Mehrbelastungen durch Verkehr und Lärm umtreibe. Gleichzeitig würde damit „die Zu- und Ausfahrtssituation zum Parkplatz Bodelschwinghhaus wie auch zu den bestehenden Gebäuden Pastoratsfeld“ entschärft, so Diederichs-Späh. Das Baugebiet wird über die Germaniastraße erschlossen. Die dortige Bushaltestelle soll laut CDU-Ratsmitglied Rainer Fuhrmann auch auf der westlichen Seite barrierefrei ausgebaut werden. Dies sei auf Hinweis der CDU „in die Priorität 1a des Nahverkehrsplans“ aufgenommen worden.

25 Jahre alte Idee wird Realität

Die Idee für das neue Baugebiet kam schon vor mindestens 25 Jahren auf. Bereits in einem „Dorferneuerungskonzept“ für Methler aus dem Jahr 1996 ist ein Baugebiet an dieser Stelle eingezeichnet. Die damals angedachte Entwicklung finde sich in den heutigen Planungen wieder, sagt der Planungschef im Rathaus Dr. Uwe Liedtke.

Neues Baugebiet in Kamen steht vor den letzten Hürden zum Baustart

Schon in einem „Dorferneuerungskonzept“ für Methler aus dem Jahr 1996 ist ein Baugebiet zwischen Hafer- und Pastoratsfeld vorgesehen. © Drees & Huesmann/Stadt Kamen

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