Patient Yorck Polus mit Therapeutin Nicole Ploeger. Im neuen Schmerzzentrum „Isomed“ bekommen die Patienten eine ganzheitliche Versorgung. Es gibt körperliche Therapien, aber auch Verhaltenstherapien. © Marcel Drawe
Schmerzzentrum Isomed

Neueröffnung: Schmerzzentrum Kamen setzt auch auf ungewöhnliche Heilmethoden

Das Schmerzzentrum Isomed in Kamen hat eröffnet. In den alten Gemäuern trifft moderne Technik auf eine historische Einrichtung. Doch nicht nur das Ambiente ist besonders, sondern auch die Therapie-Methoden.

Er kommentiert die Olympischen Spiele, die Paralympics, Handballspiele und mehr: Yorck Polus ist ZDF-Sportmoderator und selbst Sportler. Doch zwei Bandscheibenvorfälle machen ihm das Leben schwer. Er suchte verschiedene Spezialisten auf, doch eine endgültige Heilung stellte sich nicht ein.

Nachdem er Anfang des Jahres vor einem EM-Spiel von einem Handball am Kopf getroffen wurde, verstärkten sich die Schmerzen noch, sie waren kaum noch erträglich. Dass aber nicht nur das der Auslöser für die körperlichen Schmerzen war, weiß Polus mittlerweile – dank seiner Therapie im neu eröffneten Isomed-Schmerzzentrum in Kamen.

Dort startete Polus in der vergangenen Woche eine zweiwöchige Therapie. Das Besondere: Auf dem Programm stehen neben Ergotherapie, Krankengymnastik und Co. auch Verhaltenstherapie und tiefgründige Gespräche. Und in diesen begann Polus, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen und auch die Art, wie er bislang mit Stress umgegangen ist.

HA-Redakteurin Claudia Pott im Selbstversuch mit einer Virtual-Reality-Brille, die bei der Schmerzbehandlung eingesetzt wird. Mats Gärtner startet das Programm am Laptop. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Besonders während der Corona-Krise, die bekanntlich auch die Sportwelt stark getroffen hat, stand Polus förmlich unter Strom. „Mir war nicht bewusst, dass das einen Einfluss auf den Schmerz haben könnte“, sagt Polus.

Heute weiß er es besser. „Der Umgang mit Stressoren ist eine Kenngröße. Das macht was mit uns“, sagt er.

Dass körperlicher Schmerz auch etwas mit dem Verhalten und der Psyche zu tun haben kann, ist vielen nicht bewusst, wie Helmut Gärtner, Geschäftsführer des neuen Schmerzentrums in Kamen, weiß. Dabei spielt vor allem bei chronischen Schmerzen die Psyche und veränderte Verhaltensmuster, die sich Patienten als Schutzmechanismus angewöhnen, eine wichtige Rolle in der Heilung solcher Schmerzen.

Standortleiter Kai Sporea führt mit den Geschäftsführern Helmut und Mats Gärtner (v.l.) durch die Räume des Schmerzzentrums. Die Behandlungsräume sind modern ausgestattet, während der Charme des denkmalgeschützten Gebäudes erhalten bleibt. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Moderne Technik unter historischen Holzbalken für eine besondere Atmosphäre

Im neuen Schmerzzentrum kommen Patienten aber nicht umhin, sich ganzheitlich behandeln zu lassen – wenn es denn nötig ist. Denn freilich gebe es auch akute Fälle, die durch eine rein körperliche Therapie behandelt werden können und auch nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen, wie Matz Gärtner erklärt.

Er führt das Geschäft gemeinsam mit seinem Vater. Neben dem Schmerzzentrum gibt es bereits zwei Reha-Standorte in Kamen, die sie betreiben. Die Therapeuten behandeln in allen drei Standorten und doch hebt sich die alte Volkshochschule deutlich von den anderen Standorten ab.

Das wird schon an der Einrichtung des denkmalgeschützen Gebäudes, das in den vergangenen Monaten aufwendig restauriert wurde, deutlich. Moderne Geräte und Möbel treffen hier auf historische Schränke und freigelegte Holzbalken. Die Einrichtung schafft eine Atmosphäre der Ruhe und genau das ist es auch, was hier wichtig ist. Patienten wie Polus sollen hier zur Ruhe finden, aus dem Alltag entfliehen können und auch zwischen den Sitzungen entspannen. Dafür gibt es auch eigens einen Lounge-Bereich für Pausen.

Anmeldung im neuen Schmerzzentrum Kamen: Die antiken Holzschränke wurden in die moderne Einrichtung integriert. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Schmerzbehandlung mit der VR-Brille

Doch nicht nur die Einrichtung und die ganzheitliche Behandlungsmethode, bei der die Therapeuten sich ständig über die Patienten austauschen und ein gemeinsames Konzept erarbeiten, ist besonders. Sondern auch die neue Technik, die hier Anwendung findet. Das reicht von der internen, elektronischen Patientenakte, in der alle Diagnosen auch grafisch abgespeichert werden können, bis hin zur Möglichkeit, sich von einer Virtual-Reality-Brille behandeln zu lassen.

Die Brille hat Seltenheitswert und auch hier geht es wieder um die Psyche, die eine entscheidende Rolle bei der Heilung spielt.

Neueröffnung Isomed

  • Das Schmerzzentrum Isomed, Am Geist 1, öffnet nach und nach für Patienten – unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen. Derzeit werden dort nur sogenannte Vorab-Patienten behandelt, um die Räumlichkeiten auszutesten und Kleinigkeiten nachzubessern – wie etwa eine zu laute Telefonanlage.
  • Behandelt werden dort künftig Privatpatienten, Kassenpatienten mit Zusatzversicherung und Kassenpatienten, die die Behandlung selbst zahlen. Die Behandlung an den anderen beiden Standorten übernehmen auch gesetzliche Krankenkassen.
  • Termine werden bereits vergeben unter Tel. (02307) 278 38 51 oder online auf www.isomed-schmerzzentrum.de

Die Patienten reisen dabei in ihr eigenes Schmerzzentrum, erkunden es und lernen, den eigenen Körper besser zu verstehen. Freilich muss man für so eine Methode empfänglich sein, erklärt Matz Gärtner. Doch gerade Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, seien sehr offen für neue Methoden.

Und wenn eine Methode nicht anschlägt, dann gibt es noch viele weitere Möglichkeiten – praktischerweise alle unter einem Dach.

Doch einen Versuch sollte man den modernen Methoden und Möglichkeiten, die das Schmerzzentrum bietet, geben. Das zeigt auch das Beispiel York Polus. Er schläft endlich besser und hat seit langem wieder ein entspanntes Wochenende erlebt, an dem er sich nicht gestresst hat und er ist sich sicher: Jetzt geht es endlich bergauf.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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