Karsten Schneider: „Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit ist mir wichtig“

dzNeuer Superintendent

Karsten Schneider, 54, ist der neue Hirte von 73000 evangelischen Kirchenmitgliedern in Unna und Umgebung. Im Interview spricht der neue Superintendent über seine Antriebsfeder, Tischtennis und was ein Besuch in Rom auslöste.

Kreis Unna

, 09.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Schneider, Sie wurden erst im siebten Wahlgang als neuer Superintendent gewählt. Wie spannend war dieser Krimi für Sie?

Es war äußerst nervenaufreibend. Und es war nicht abzusehen, ob es noch ein Ergebnis geben würde an dem Abend. Ich bin umso froher, dass es jetzt doch zu einer Entscheidung gekommen ist.

Sie waren nicht allein, sondern hatten Beistand...

Meine Frau hat mich begleitet.

Sie sind verheiratet, haben zwei Töchter. Wie wichtig ist die Familie?

Sehr wichtig. Ohne den Rückhalt in der Familie kann man ein solches Amt wohl kaum ausüben. Sie muss dahinter stehen. Und meine Familie trägt das uneingeschränkt mit.

Als einziger Kandidat waren sie bislang nicht im Kreis Unna tätig. Warum hat ausgerechnet derjenige mit dem geringsten Heimvorteil gewonnen?

Schön formuliert. Die Synode hat vielleicht auch eine Chance gesehen, einen Kandidaten zu bekommen, der von außen kommt und einen unvoreingenommenen Blick auf die Probleme und Strukturen hat. Die Fragestellungen, um die es geht, sind mir aus meiner Tätigkeit als langjähriger Gemeindepfarrer im Dortmunder Süden vertraut. Ich komme aber nicht mit vorgefertigten Lösungen und Konzepten, sondern es geht mir darum, die Situation vor Ort und die Lage der einzelnen Gemeinden wahrzunehmen.

Karsten Schneider: „Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit ist mir wichtig“

Die Kreissynode mit 90 anwesenden Mitgliedern kam am Mittwochabend unter Führung von Superintendent Hans-Martin Böcker (r.) zur Wahl eines Nachfolgers für den scheidenden Amtsinhaber zusammen. © Stefan Milk

Zur Person

Karsten Schneider

  • Dr. Karsten Schneider, 54, wurde am 5. Februar in Kamen als neuer Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Unna gewählt und wird am 30. April in einem Gottesdienst in der Ev. Stadtkirche Unna in sein Amt eingeführt.
  • Aufgewachsen in Ostwestfalen, studierte Schneider in Marburg, Bonn, Bochum und in Rom Evangelische Theologie, Philosophie und Geschichte und promovierte in Theologie an der Ruhr-Universität Bochum.
  • In seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Vom mystischen Schweigen zum Reden aus Gewissheit“ kommt er vor dem Hintergrund der sprachanalytischen Philosophie Ludwig Wittgensteins zu dem Ergebnis, dass das Reden von Gott einen Sinn ergibt.
  • In der Ev. Kirchengemeinde Bochum-Eppendorf folgte das Vikariat, als Pfarrer war Schneider tätig in der Johannis-Kirchengemeinde Witten und seit 2001 ist er in der Ev. Philippus-Kirchengemeinde Dortmund.
  • Bis zur Vereinigung der Dortmunder Kirchenkreise war er Vorsitzender des Strukturausschusses im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund ist er Vorsitzender des Fachausschusses Bildung (u.a. Begleitung des Ev. Bildungswerkes Dortmund) und hat die Synodalbeauftragungen für Männerarbeit, Gustav-Adolf-Werk und Ev. Bund inne.
  • Schneider lebt in Dortmund, ist verheiratet und hat zwei Töchter im Jugend- und Erwachsenenalter.

Mit Problemen meinen Sie sinkende Mitgliederzahlen und die Auswirkungen auf die Gemeinden?

Ja, auch. Die Strukturprobleme, die die Kirche angehen muss, sind ja zum Teil auch in gesellschaftlichen Problemen begründet. Ein Beispiel, auf das man vielleicht nicht sofort kommt: Wenn Menschen dazu neigen, sich nicht mehr langfristig festzulegen und binden zu wollen, macht das für die Kirche die Suche nach Ehrenamtlichen schwieriger.

In ihrer Vorstellungsrede sagten Sie: „Es ist unglaublich wichtig, wenn sich Kirche jetzt und in Zukunft einsetzt für soziale Gerechtigkeit und auf Missstände aufmerksam macht.“ Was meinen Sie damit?

Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit, für Diakonie, ist mir wichtig. Missstände meint zum Beispiel das Auseinanderklaffen von Arm und Reich und ungerecht verteilte Bildungschancen.

Diakonie, der Dienst am Menschen, ist das eine. Wie wichtig ist die Verkündigung des Evangeliums?

Das ist die Antriebsfeder für alles kirchliche Tun und Lassen. Das ist der Grund, auf dem wir stehen, von dem wir getragen werden und von dem aus wir wirken.

Der Apostel Paulus schrieb an die Korinther: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ Was bedeutet Auferstehung für Sie und glauben Sie, dass sie so stattgefunden hat?

Das ist ein zentraler Punkt des Glaubens. Ich bin davon überzeugt, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Auferstehung bedeutet für uns, dass wir über das Leben hinaus bei Gott geborgen sind.

Karsten Schneider: „Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit ist mir wichtig“

Der unterlegene Kandidat Andreas Müller gratulierte am Mittwochabend dem Wahlsieger Karsten Schneider. © Carsten Fischer

Warum sind Sie Pfarrer geworden?

Es ging mir zunächst um die Selbstvergewisserung meiner Glaubensgrundlagen und dann darum, im Geiste des Evangeliums in dieser Welt zu wirken. Die Idee, Theologie zu studieren, entstand, als ich in die Oberstufe ging. Ich habe mir andere Optionen offen gehalten, Geschichte, Philosophie. Die endgültige Entscheidung, Pfarrer zu werden, fiel in meinem Auslandsjahr in Rom.

Die Ewige Stadt ist dafür wohl ein passender Ort....

Ich habe insgesamt zwei Jahre meines Lebens in Italien verbracht, davon ein Jahr in Rom, bei den Waldensern. Die Arbeit der Evangelischen Italiens hat mich beeindruckt.

Jetzt lesen

Welche Hobbys haben Sie?

Ich interessiere mich sehr für asiatische Kulturen, war in Bochum stellvertretender Vorsitzender eines deutsch-chinesischen Kulturvereins. Beide Töchter haben ein Auslandsjahr in Asien verbracht. Ich spiele gerne Tischtennis, habe das über Jahrzehnte im Verein gemacht. Außerdem habe ich meine Familiengeschichte erforscht.

Die Wahl haben sie mit 49:40 Stimmen vor Andreas Müller aus Unna gewonnen. Haben Sie das Gefühl, im neuen Amt nicht alle auf Ihrer Seite zu haben?

Nun, ich sehe es als meine Aufgabe an, ein Gefühl der Einigkeit herzustellen und die gemeinsame Sache in den Mittelpunkt zu rücken. Und ich bin auch überzeugt, dass wir alle an einem Strang ziehen werden, wenn nicht mehr über Personen, sondern über Inhalte diskutiert wird. Letztlich treibt uns ja alle die Verkündigung der Liebe Gottes an und die daraus folgende christliche Nächstenliebe – mit allen Konsequenzen für unser Tun und Lassen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Neues Baugebiet
SuS Kaiserau in Platznot: Kein Wohngebiet auf Rasenplatz ohne Neubau eines Vereinsheims
Hellweger Anzeiger Politische Stimmen
Südkamener Spange: „Hatten Hoffnung, dass der Bau nicht traurige Realität wird“
Hellweger Anzeiger Sesekepark
Nach Regen, Sturm und Gewitter: Noch keine Belastungsprobe für den Hochwasserschutz
Hellweger Anzeiger Kamener Marktplatz
Auf Zebrastreifen von Bus „geschubst“: Fußgängerin erstattet Strafanzeige
Hellweger Anzeiger Anti-Rassismus-Komödie
600 Zuschauer in der Konzertaula: Vorurteile und Schwarz-Weiß-Denken einfach weggelacht
Meistgelesen