Bessere und mehr Stellplätze für Lkw-Fahrer, um die Not mit der Notdurft zu lindern. Die WFG will in einen Fördertopf greifen, um das von den Naturfreunden sichtbar gemachte Problem zu lösen.

Kamen

, 22.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die unbefriedigende Situation am Pröbstingholz, wo Lastwagenfahrer reihenweise parken und übernachten, soll mit Steuergeldern verbessert werden.

Für Anfang kommenden Jahres soll ein Fördertopf des Bundeswirtschaftsministeriums gefüllt werden, aus dem auch die örtlichen Unternehmen eine Kelle schöpfen können, um den Stellplatzbau zu finanzieren oder zumindest anzuschieben.

Das ist zumindest die Hoffnung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna (WFG). „Wenn der Topf gefüllt ist, möchten wir dabei sein“, so WFG-Sprecherin Elke Böinghoff. Einzelheiten über das Förderprogramm aus dem Mobilitätspaket liegen noch nicht vor.

Auf den Parkplätzen an den örtlichen Autobahnen ist oft kein Stellplatz zu finden. Manche weichen dann in die Gewerbegebiete aus, um eine Rast einzulegen.

Auf den Parkplätzen an den örtlichen Autobahnen ist oft kein Stellplatz zu finden. Manche weichen dann in die Gewerbegebiete aus, um eine Rast einzulegen. © picture alliance / dpa

Problem durch die Naturfreunde publik geworden

Die schwierige Situation der Brummifahrer, die das Gewerbegebiet Unna-Nord ansteuern und dabei vor allem am Wochenende vor geschlossenen Firmentoren am Rande des Pröbstingholzes ihr Lager aufschlagen, ist vor allem durch die Naturfreunde Kamen publik geworden.

Seitdem sie Vermüllung und Verunreinigung am Waldrand anprangerten, versuchen sie auch konstruktiv, Lösungsvorschläge einzubringen. Zuletzt mit einer Fotomontage, wie man auf einem Firmengelände einen Sanitärcontainer platzieren kann.

Die Fotomontage der Naturfreunde Kamen zeigt, wie sie sich eine kurzfristig zu verwirklichende Lösung gegen die Not der Lastwagenfahrer vorstellen könnten: ein Sanitär-Container, der auf der Ecke Gießerstraße/Schlosserstraße postiert wird.

Die Fotomontage der Naturfreunde Kamen zeigt, wie sie sich eine kurzfristig zu verwirklichende Lösung gegen die Not der Lastwagenfahrer vorstellen könnten: ein Sanitär-Container, der auf der Ecke Gießerstraße/Schlosserstraße postiert wird. © Privat

Kontakt zu einer Firma, aber Ergebnis ungewiss

Die WFG hat unterdes bereits konkret mit einer Firma verhandelt, die sich vorstellen konnte, derlei Stellplätze für Lkw-Fahrer anzubieten. „Wir sind fündig geworden“, hatte Böinghoff im Frühjahr auf Anfrage der Redaktion vermeldet. Vor Veröffentlichung konkreter Details, hieß es, wolle man erst einmal abwarten, bis es hieb- und stichfeste Ergebnisse gebe. Seitdem hat sich allerdings nichts mehr getan, vor allem wegen der Corona-Pandemie. „Zurzeit können wir dazu nichts sagen“, so Böinghoff jetzt. Offenbar ist ein Abschluss ungewiss.

Jetzt lesen

Es fehlen mindestens 201 Stellplätze für Lkw

Zusätzlich zu den Stellplätzen direkt bei den Unternehmen plant bekanntlich die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) Parkplätze an der Autobahn. Wie an der A1-Raststätte Lichtendorf-Süd, wo statt bisher 57 dann 170 Stellflächen für Lastwagen zur Verfügung stehen.

Und ebenso vor Ort, ebenso an der A1, Fahrtrichtung Köln, auf einer Fläche in Unna-Afferde vis-à-vis des neuen Woolworth-Areals. Die Anlage soll über eine Kapazität von mindestens 60 Lkw-Stellplätzen verfügen. Der Baubeginn erfolgt wohl nicht vor 2023.

Die Deges hat ermittelt, dass im Autobahnabschnitt zwischen dem Autobahnkreuz Kamen und dem Autobahnkreuz Westhofen mindestens 201 Lkw-Stellplätze fehlen. In Unna gibt es auch Widerstand gegen die Pläne.

An der Gießerstraße parken Lkw, deren Fahrer dort in ihren Wagen übernachten Dan Tolbaru (gelbe Jacke)und Tica Rem stammen aus Rumänien, arbeiten für eine Spedition und sind in ganz Europa mit ihrem Sattelzug unterwegs.Nachdem sie ihre Lieferung in Heeren abgeladen haben, bereiten sie auf der leeren Ladefläche ihr Abendessen zu, bevor sie am nächsten Tag neue Ladung nach Österreich bringen.

An der Gießerstraße parken Lkw, deren Fahrer dort in ihren Wagen übernachten Dan Tolbaru (gelbe Jacke)und Tica Rem stammen aus Rumänien, arbeiten für eine Spedition und sind in ganz Europa mit ihrem Sattelzug unterwegs. Nachdem sie ihre Lieferung in Heeren abgeladen haben, bereiten sie auf der leeren Ladefläche ihr Abendessen zu, bevor sie am nächsten Tag neue Ladung nach Österreich bringen. © Stefan Milk

Jetzt lesen

85 Prozent der Lkw-Fahrer haben das Ziel vor Ort

Unterdes geht die Arbeit für die WFG weiter. Sie hatte einen Vier-Punkte-Plan angekündigt, zu dem die Kooperation mit der Deges, zusätzliche Kontrollen an zugestellten Straßen und Gespräche mit den Logistikern gehört. Und zudem eine Umfrage unter Lkw-Fahrern, die am Pröbstingholz erste Ergebnisse gebracht hat.

Fazit: Mehr als 85 Prozent der befragten Lkw-Fahrer haben einen direkten Bezug zu Unternehmen im Gewerbegebiet Unna-Nord. An Wochenenden stammten die meisten der befragten Fahrer aus Weißrussland, Russland und Polen. Sie fuhren zumeist für Speditionen aus Litauen. Die Verweildauer der Brummifahrer lag dabei zu zehn Prozent über 24 Stunden.

Jetzt lesen

Zweiter Teil der Umfrage in Bönen

Jetzt steht der zweite Teil der Umfrage vor dem Start, wie Böinghoff ankündigt. Diesmal sollen die Lkw-Fahrer im Inlogparc Bönen befragt werden, wo es ähnliche Probleme wie am Kamener Stadtrand zu Heeren gibt. „Coronabedingt ist die Umfrage verschoben worden. Sie soll jetzt in der zweiten Jahreshälfte stattfinden“, berichtet Böinghoff.

Nach der Auswertung habe man eine Grundlage, um weitere Gespräche mit den Firmen zu führen. Hintergrund: Einige Unternehmen fühlen sich nicht in der Pflicht, etwas zu tun, weil es sich bei den vor ihren Toren rastenden Brummifahren um Durchfahrende handeln soll. Die erste WFG-Umfrage belegt das indes nicht.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Polizei im Kreis Unna
Nach drei Jahren: Verbrecher aus dem Nordkreis werden wieder in Kamen eingebuchtet
Meistgelesen