Die Hochstraßenbrücke ist dem gewaltigen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen und muss noch in diesem Jahr verstärkt werden. Dabei kommt Straßen.NRW eine Baumaßnahme der Bahn sehr gelegen.

Kamen

, 17.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer unter der Hochstraße parkt und seinen Blick nach oben richtet, kann sie sehen, die „Fehlstellen“, im Beton und die verrosteten Armierungen. Dass die Brücke jeden Moment zusammenkrachen kann, davor braucht man zwar keine Angst zu haben, aber dennoch ist es höchste Zeit, dass etwas passiert an der Hochstraße.

Die Brücke wurde nachgerechnet

Die Bundesanstalt für das Straßenwesen hat sich vor einigen Jahren den gesamten Brückenbestand angeschaut und überlegt, bei welchen Bauwerken Defizite zu vermuten sind. Dabei ist dann auch die B233-Brücke (Hochstraße) in Kamen ins Auge der Prüfer gefallen. Bei diesen Bewertungen fließen mehrere Faktoren mit ein. Zum einen das Alter aber auch die Bauart der Brücke und die Verkehrsbelastung.

„Die B233 ist für eine Bundesstraße recht hoch frequentiert“, sagt Lars Batzer. Er ist Projektleiter für Brückenbau bei Straßen.NRW und kennt die Kamener Brücke gut. „Das Bauwerk ist jetzt natürlich keine Autobahnbrücke, sondern eben eine Bundesstraße. Durch die außerordentlich hohe Frequentierung ist die Straße in den Fokus gerückt, die Brücke musste bezüglich ihrer Haltbarkeit nachgerechnet worden“, erklärt der Bauingenieur.

Brücke hält der Verkehrsbelastung nicht mehr lange stand

Bei dieser Berechnung haben die Experten festgestellt, dass das Bauwerk die gegenwärtigen Verkehrsbelastungen auf Dauer nicht ertragen kann. Die Brücke ist aber in einem so guten Zustand und bietet von der Bauart her so viel Potenzial, dass man sie mit den passenden Maßnahmen zukunftssicher aufstellen kann. Dabei gilt, dass je früher man mit diesen Verstärkungsmaßnahmen anfängt, desto besser kann man die Bauwerke erhalten. Diese Maßnahmen sind in diesem Jahr geplant. Und dabei kommt Straßen.NRW ein glücklicher Zufall gerade recht.

Unterhalb der Brücke sind jetzt die Parkplätze gesperrt, da hier nun die Arbeiten beginnen.

Unterhalb der Brücke sind jetzt die Parkplätze gesperrt, da hier nun die Arbeiten beginnen. © Marcel Drawe

Auch die Bahn baut unter der Brücke

Der Löwenanteil der Bauarbeiten wird in der Zeit rund um die Herbstferien stattfinden. Dann wird nämlich die Bahn ebenfalls im Bereich der Brücke Bauarbeiten durchführen. Ein Glücksfall - Batzer erklärt: „Das kommt uns sehr entgegen, denn im Normalfall können wir an diesen Stellen, an denen auch Bahnverkehr betroffen ist, nur kurzfristig sperren, vielleicht mal am Wochenende. Diese Gelegenheit darf man sich nicht entgehen lassen, die Bahn wird unten arbeiten und wir machen dann oben unseren Job.“

Der Bereich der Unterquerung der Schäferstraße ist abgesperrt, man kommt aber auf der halben Straßenbreite noch durch.

Der gesamte Bereich der Unterquerung der Schäferstraße ist abgesperrt. © Marcel Drawe

Brücke wird auf 418 Metern abgeklopft

„Wir beginnen jetzt im Zuge dieser Maßnahme mit einer Verstärkung, die von unten vorgenommen werden muss.

Verkehrszählung

Täglich mehr als 30.000 Fahrzeuge

Die letzte Verkehrszählung an der Stelle ist aus dem Jahr 2015 (das ist der letzte veröffentlichte Stand) . Sie zeigte für die B233, dass über die Brücke Hochstraße im Schnitt täglich 30.169 Fahrzeuge fahren. 1262 Fahrzeuge davon sind Lkw.

Daher müssen wir als erstes die Parkflächen unter der Brücke teilweise sperren. Dann werden wir die Brücke von unten verstärken, denn wenn man sich die Brücke von unten anschaut, dann erkennt man schon einige Fehlstellen, an denen die Armierung verrostet ist“, so der Bauingenieur weiter. Die ganzen 418 Meter werden von der beauftragten Baufirma sukzessive abgeklopft, also buchstäblich mit dem Hammer, und dann werden Stück für Stück die Betonsanierungen vorgenommen und die Armierungen ausgetauscht.

Arbeiten unter der Brücke eher weniger spürbar

Von diesen Arbeiten wird eher weniger zu merken sein, bis auf den Umstand, dass an der Schäferstraße und am Gerberweg einige Parkplätze abgesperrt werden müssen. Wenn es dann an die Arbeiten oberhalb der Brücke und an den vier Fahrspuren geht, macht sich das schon bemerkbar. Diese Arbeiten sind im Bereich der Herbstferien geplant, dann werden je zwei Spuren gesperrt, wobei eine Spur in jede Richtung durchgängig geöffnet bleibt. Da kommt die glückliche Terminfügung mit der Bahn zu Pass, denn es müssen Gerüste unter die Brücke gehängt werden, was bei laufendem Bahnverkehr nicht möglich wäre.

Stahlseile mit 1200 Tonnen Zugspannung

Nach den Arbeiten werden vier dicke schwarze Stahlseile an dem Bauwerk zurückbleiben und gut sichtbar sein. Diese „externe Vorspannung“, wie der Experte sie nennt, ist letztlich das, was der Brücke die neue Kraft verleiht. Die Stahlseile werden auf der Länge von 418 Metern derart stark gespannt, dass sie sich insgesamt um 2,5 Meter ausdehnen. Mit diesen zusätzlichen 1200 Tonnen Zugkraft wird die Brücke zusammengehalten und auch die Verkehrszahlen der nächsten Jahre gut aushalten können.

Nicht wundern über den Fahrbahnbelag

„Nachdem die Baustelle Ende des Jahres abgeschlossen sein wird, dürfen sich die Bürger aber nicht wundern“, fügt Lars Batzer noch hinzu. Denn obwohl die Maßnahme recht lange dauert und sehr wichtig ist, geht es dabei nicht darum, die Asphaltdecke schön zu erneuern. „Das kommt in einem anderen Projekt“, erklärt der Experte von Straßen NRW. Die Erneuerung der Straßenbeläge für die B233 sei schon in Planung. Einen genauen Termin gibt es leider noch nicht: „Vor 2022 wird das aber wohl nichts“, räumt Batzer ein.

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