Der Multikonzern 3M überrascht mit einer weiteren Investition, die auf 70 Millionen Euro beziffert wird. Mit dem Ausbau der Produktion wird auch die Mitarbeiterzahl um 60 Kräfte aufgestockt.

Kamen

, 22.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Multitechnologiekonzern 3M überrascht mit einer weiteren Großinvestition in das Kamener Werk an der Edisonstraße. Nachdem jüngst erst 80 Millionen Euro in die Produktionsanlagen investiert wurden, geht der Ausbau des Werks in diesem Jahr weiter.

Dabei sollen noch einmal 70 Millionen Euro in den Standort Kamen fließen. Geplant ist der Bau einer 3000 Quadratmeter großen Halle für die Herstellung von Verbandsmaterialien und Wundversorgungs-Produkte. Das sind zum einen Schaumverbände in unterschiedlichen Ausführungen, zum anderen sterile Transparentverbände zur Fixierung intravenöser Zugänge unter dem Namen „Tegaderm“.

60 neue Arbeitsplätze und eine neue Riesenhalle: 3M baut für 70 Millionen Euro weiter aus

Werksleiter Jens Milde leitet seit August vorigen Jahres das 3M-Werk an der Edisonstraße. Das 3M-Werk in Kamen ist schon jetzt die größte Fertigungsstätte des Unternehmens für Medizinprodukte außerhalb der USA. Jetzt wird die Produktionsleistung noch einmal verdoppelt. © Stefan Milk

60 weitere Mitarbeiter bis zum Jahr 2024

Werksleiter Jens Milde, 56 Jahre alt, ist erst seit 1. August neuer Werksleiter an der Edisonstraße und kann schon eine Erfolgsmeldung für den Standort Kamen verkünden. Denn mit der neuen Produktionsstätte werden auch neue Arbeitskräfte benötigt. 60 weitere Mitarbeiter sollen bis zum Jahr 2024 eingestellt werden.

Dann erreicht 3M in Kamen erstmals die Marke von 500 Mitarbeitern. Zum Vergleich: 2011 waren es noch 297. Seitdem folgten mehrere Ausbauschritte, die das Werk konkurrenzfähig für den globalen Wettbewerb machten. Und nun folgt der nächste.

„Wir bauen damit unsere Position deutlich aus“, sagt Milde. „Bisher haben wir nur für den europäischen Markt produziert – künftig werden wir zusätzlich auch Asien beliefern.“ Damit sei Kamen der bedeutendste 3M-Standort für medizinische Produkte außerhalb der USA.

60 neue Arbeitsplätze und eine neue Riesenhalle: 3M baut für 70 Millionen Euro weiter aus

Weitere Investition in das Kamener 3M-Werk, das mit 70 Millionen Euro eine weitere Produktionshalle erhält. Dort sollen weitere Materialien für medizinische Produkte hergestellt werden. © 3M

Neue Produktionshalle vis-à-vis der Autobahn

Über 3M

93.000 Mitarbeiter in 200 Ländern

  • Der Multitechnologiekonzern 3M wurde 1902 in Minnesota, USA, gegründet und ist mit 93.000 Mitarbeitern in 200 Ländern vertreten. Der Konzern erzielte 2018 einen Umsatz von rund 33 Mrd. US-Dollar.
  • Das Portfolio umfasst mehr als 55.000 verschiedene Produkte für fast jeden Lebensbereich.
  • 3M hält über 25.000 Patente und macht rund ein Drittel seines Umsatzes mit Produkten, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt sind.

Die neue Halle, 3000 Quadratmeter groß und zwölf Meter hoch, entsteht auf dem nordwestlichen Bereich des 160.000 Quadratmeter großen Firmengeländes. Der Baustart ist für April dieses Jahres vorgesehen. Jörn Stute, Leiter der Medizinproduktfertigung, steht vor dem künftigen Baufeld und zeichnet die Ausmaße der Halle, die 24 Meter breit und 125 Meter lang wird, mit dem Zeigefinger in die Luft.

Das Ende der Halle erreicht fast die nahe Autobahnbrücke, auf der die A1 verläuft. Auf dem sumpfigen Boden, so Stute, sei erst einmal eine sorgfältige Tiefgründung notwendig, bevor ab Anfang kommenden Jahres die gerippeartige Grundkonstruktion aufgestellt werde. Bis zum Herbst 2021 soll die Halle fertig sein, bevor sieben neue Maschinen aufgestellt werden.

Im ersten Quartal 2022 könnte dann die Produktion anlaufen, mit der die Produktionskapazität verdoppelt wird. Ab dieser Zeit sollen auch die Neueinstellungen erfolgen. Die Produktion läuft - wie auch in den anderen Hallen - an sieben Wochentagen im 24-Stunden-Betrieb.

60 neue Arbeitsplätze und eine neue Riesenhalle: 3M baut für 70 Millionen Euro weiter aus

Das Spezialpflaster Tegaderm wird vor allem in Krankenhäusern eingesetzt. Durch den atmungsaktiven Film lässt sich die Wunde besser beobachten als durch undurchsichtige Pflaster. Das Spezialpflaster wird seit einigen Jahren in Kamen produziert. © Stefan Milk

Unabhängigkeit im Konzern weiter gesteigert

Mit der Neuinvestition steigert das Kamener Werk seine Unabhängigkeit im Konzern. Waren früher Materialien aus dem amerikanischen Schwesterwerk in Brookings, South Dakota, notwendig, damit die Maschinen an der Edisonstraße arbeiten konnten, können diese nun selbst hergestellt werden. „Kamen ist neben Brookings weltweit der einzige 3M-Standort, an dem der Kernfilm für diese Produkte hergestellt werden kann“, so Milde.

Und warum ging der Zuschlag nach Kamen? „Wir haben das Werk in den vergangenen Jahren gut verkauft, gute Ergebnisse geliefert und damit Vertrauen aufgebaut“, so Milde. Zudem sei der Standort mitten in Europa ideal - „hier ist der strategische Markt von 3M, dort, wo Geld verdient werden kann.“

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Unternehmen haben Situation in Nachbarländern im Blick

Ob der Zuschlag für Kamen auch ein Indiz dafür ist, dass der Produktionsstandort Deutschland für Unternehmen insgesamt wieder interessanter werde, so weit mag Milde nicht gehen. Doch die Situation in Nachbarländern löse auch Reaktionen in der Wirtschaft aus - wie der Brexit in Großbritannien, wiederholte Streiks in Frankreich und ein Land wie Polen, das auf die Vollbeschäftigung zustrebe.

„Deutschland wird wohl keine Renaissance erleben. Aber mit den richtigen Entscheidungen ist man hier sehr wettbewerbsfähig - auch durch die gute Ausbildung an den Fachhochschulen und Universitäten.“

Die Automatisierung spiele dabei eine große Rolle. Etwa 50 Portal- und Gelenkroboter sind bei 3M in Kamen in Betrieb. Das gehe, so betont Milde, aber nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen. „Jeder Roboter kostet nicht fünf Arbeitsplätze, sondern bringt fünf Arbeitsplätze“, so Milde. Ohne die Automatisierung würde die Produktion still stehen.

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Reaktion aus dem Rathaus: „Bekenntnis zum Standort Kamen“

Milde hat nach dem Zuschlag für das Millionen-Invest bereits eine Reaktion aus dem Rathaus von Bürgermeisterin Elke Kappen erhalten: „Die millionenschwere Investition ist ein eindrucksvolles Bekenntnis eines überaus innovativen Unternehmens sowohl zum Produktions- als auch zum Wirtschaftsstandort Kamen, über das ich mich sehr freue.“ Und möglicherweise ist das noch nicht der letzte Schritt des Werksausbaus. Von den 160.000 Quadratmetern sind erst 55.000 bebaut.

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