Einzigartiger Bau in Kamen: Volksbank-Villa wird durch ein Holzhaus ersetzt, das im Nu stehen soll

dzVolksbank Kamen-Werne

Die Abrissarbeiten neben der Hauptstelle der Volksbank Kamen-Werne an der Bahnhofstraße sind abgeschlossen. Der Neubau könnte schon in diesem Jahr fertig werden. Dank einer besonderen Bauweise.

Kamen

, 12.07.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von außen wird das neue Gebäude an der Bahnhofstraße der Volksbank-Hauptstelle nebenan ähneln. Doch die Bauweise wird eine völlig andere, neuartige sein. Ein solches Gebäude gibt es in der ganzen Region noch nicht, sagt der Kamener Architekt Peter Tillmann. Und er muss es wissen.

Tillmann war es schließlich, der das neue Gebäude, das die abgerissene Volksbank-Villa an der Bahnhofstraße ersetzen wird, entworfen und aufwendig geplant hat. Der Architekt ist auf die Bauweise „Brettsperrholz“ spezialisiert. Das Besondere: Das Haus wird in Massivholzbauweise gebaut – wird also größenteils aus Holz bestehen. Wände und Decken, die bei einem normalen Haus aus Beton sind, werden in dem neuen Haus aus massivem Holz sein und schon fertig angeliefert.

Das ist es auch, was die Planung für Tillmann so aufwendig gestaltet hat: „Der Detaillierungsgrad ist viel höher als bei einer konventionellen Bauweise. Viele Bauteile wie Fenster und Türen müssen bestellt werden, bevor etwas gebaut wird“, so Tillmann. Er musste also vorher genau planen, wo jede Steckdose in jeder Wand sein wird.

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Neubau der Volksbank Kamen-Werne wurde lange geplant

Doch die lange Planung, die in diesem Fall etwa zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen hat, bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: Die Bauzeit ist kurz. Der Bauzeitplan für das neue Haus an der Bahnhofstraße dürfte denn auch den einen oder anderen in Staunen versetzen: Ab diesem Montag geht es schon los mit dem Rohbau. Dann kommt auf das alte, verfüllte Fundament der einstigen Villa eine Bodenplatte – aus Beton, weil das Fundament auch daraus besteht.

Und bereits am 27. Juli soll schon das Holz geliefert werden. „Dann kommt der Zimmermann und stellt das Haus auf, innerhalb von drei Wochen soll das ganze Gebäude dann stehen“, sagt Tillmann, der Planungen und Bau akribisch dokumentiert und später für Fachzeitschriften aufschreiben will.

Wo man früher von der Maibrücke aus auf dem Weg in die Kamener Innenstadt von einer alten Villa begrüßt wurde, empfängt einen bald dieser Neubau. Er soll schon Ende des Jahres bezugsfertig sein. Möglich macht das eine Holzbauweise. Wände, Decken, Fenster und Türen werden schon fertig angeliefert und vor Ort zusammengebaut.

Wo man früher von der Maibrücke aus auf dem Weg in die Kamener Innenstadt von einer alten Villa begrüßt wurde, empfängt einen bald dieser Neubau. Er soll schon Ende des Jahres bezugsfertig sein. Möglich macht das eine Holzbauweise. Wände, Decken, Fenster und Türen werden schon fertig angeliefert und vor Ort zusammengebaut. © Architekturbüro Dipl.-Ing. Peter Tillmann BDB Kamen

Stehen soll das Haus also Mitte August, wenn alles nach Plan läuft. Und in diesem rasenden Tempo soll es danach auch weitergehen. Am 17. August kommt laut Tillmann die Firma, die die vorproduzierten Fenster und Türen liefert und einbaut. „Ende August beginnt dann der Innenausbau, im September und Oktober folgen Malerarbeiten und Feininstallationen.“

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Im Optimalfall ist die „Neue Villa“ im Dezember, spätestens aber im Januar bezugsfertig. Also nur etwa ein halbes Jahr nach dem Abriss der alten Villa. Wo viele Jahre Leerstand herrschte, wird dann im nächsten Jahr deutlich mehr los sein. Unten ist Platz für eine große Gewerbeeinheit – die Fläche ist laut Tillmann etwa 165 Quadratmeter groß. In den zwei darüberliegenden Stockwerken kommen vier „gut ausgestattete“ Wohnungen unter.

Platz für Gewerbe und Wohnungen an der Bahnhofstraße in Kamen

Die Volksbank wird die Flächen als Eigentümerin vermieten. Sie muss für diesen besonderen Bau etwa 10 Prozent mehr zahlen als sie es bei einer konventionellen Bauweise hätte tun müssen. „Dafür muss der Investor nicht so lange warten, bis er das Objekt vermieten kann“, so Tillmann. Die Bauzeit sei bei dieser neuen Bauweise etwa um die Hälfte verkürzt.

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Und die will die Volksbank offensichtlich auch ausnutzen. „Wir sind mit potenziellen Mietern im Gespräch“, sagte Jürgen Eilert aus dem Vorstand der Volksbank Kamen-Werne kürzlich. Einen Namen nannte er noch nicht, doch die Interessenten hätten wohl konkrete Anforderungen an das Objekt, weshalb man in Ruhe planen wolle.

Über den Neubau sagte er: „Er wird die Bahnhofstraße aufwerten. Er ist ein Blickfang und führt endlich zu einer Gebäudenutzung. Die Villa stand jahrelang leer und war nicht mehr zu gebrauchen.“ Damit, das schöne alte Gebäude abzureißen, habe man sich zwar schwer getan. Aber es habe keine intakte Bausubstanz mehr gegeben.

Bauen mit Holz ist die Zukunft, findet Architekt Peter Tillmann

Die alte Villa war auch der Grund dafür, dass das neue Haus nun auf so eine besondere Weise gebaut wird. „Wir wollten das vorhandene Fundament erhalten und nutzen. Auf den verfüllten Keller sollte so wenig Gewicht wie möglich aufgebracht werden. Da bot sich die Bauweise an, denn Holz ist leichter als Beton“, schildert Tillmann.

Er sieht noch weitere Vorteile darin, in dieser Art zu bauen – die übrigens im Süden Deutschlands und Ländern wie Österreich und Schweiz nicht so eine Seltenheit ist wie der Neubau es für den Kreis Unna sein wird. „Die Bauweise ist aus meiner Sicht zukunftsträchtig.“

Die Abrissarbeiten der alten Volksbank-Villa an der Bahnhofstraße in Kamen starteten Mitte Juni. Nun geht es schon mit den Arbeiten am Neubau los.

Die Abrissarbeiten der alten Volksbank-Villa an der Bahnhofstraße starteten Mitte Juni. Nun geht es schon mit den Arbeiten am Neubau los. © Marcel Drawe

Während Ressourcen wie Kies und Sand begrenzt seien, wachse Holz nach. Außerdem enthalte das bereits durchgetrocknete Massivholz keine Feuchtigkeit mehr, während Beton noch etwa zwei Jahre nach Fertigstellung des Hauses Feuchtigkeit enthält. „Wenn man beim Bau keine Fehler macht, hat man mit Schimmel keine Probleme“. Und: Das Haus hält genau so lange wie ein Betonhaus, schließlich sind Wände und Decken fast so dick und genau so stabil wie Beton.

Und wer nicht möchte, dass man die Holzwände sieht, der kann es ganz normal verklinkern lassen, wie jedes andere Haus auch. Und so wird auch das Haus neben der Volksbank wie ein ganz normaler Neubau aussehen und den gleichen Klinker bekommen, wie die Volksbank-Hauptstelle. Einzigartig ist es trotzdem.

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