Nepper, Schlepper, Wespenfänger: Kammerjäger zocken Kamenerin ab

dzKriminalität in Kamen

Eine Kamenerin stört sich an einem Wespennest und gerät an einen unseriösen Kammerjäger. Nicht nur das Nest ist weg, auch das Bargeld in der Wohnung – und eine unbescholtene Firma gerät zu Unrecht unter Verdacht.

Kamen

, 14.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rudolf Weidner, Chef der Schädlingsbekämpfungsfirma Abalin aus Kamen, bekam kürzlich Post von der Polizei. Eine Frau hatte Strafanzeige erstattet. Angeblich hätten Abalin-Mitarbeiter sie bei der Beseitigung eines Wespennests bestohlen. Doch die Verdächtigen sind gar keine Abalin-Mitarbeiter – und die unbescholtene Firma ist zufällig unter Verdacht geraten. „Dasselbe Theater hatten wir schon einmal im vorigen Jahr“, erzählt Weidner.

Auf dem Markt der Schädlingsbekämpfer tummeln sich ähnlich wie bei Schlüsseldiensten und Teppichreinigern nicht nur seriöse Firmen. Damit sie Aufträge bekommen, schalten sie Anzeigen bei Suchmaschinen wie Google. Weidner nimmt ein Tablet und tippt „Schädlingsbekämpfung Kamen“ in das Suchfeld ein. Neben der Kamener Firma Abalin erscheinen auch andere Anbieter. Darunter sind etliche, deren Einträge so wirken, als handle es sich ebenfalls um ortsansässige Anbieter. „Darauf fallen immer wieder Leute herein“, sagt Weidner.

Wucherpreis von 700 Euro verlangt

Vermutlich auf diese Weise gelangte eine Kamenerin an einen Anbieter, der laut Impressum eine Berliner Adresse hat und ausschließlich eine Handynummer angibt. Die ältere Dame beauftragte die Firma damit, ein Wespennest auf ihrem Balkon zu beseitigen. Daraufhin erschienen, so die Ermittlungen der Polizei, am 25. Mai zwei Mitarbeiter an der Adresse der Dame in der östlichen Innenstadt. Die Dame soll irrtümlich davon ausgegangen sein, dass es sich um Abalin-Mitarbeiter handelte.

Die Mitarbeiter sollen sich aber nicht nur um das Wespennest gekümmert haben. Einer der beiden soll zwischenzeitlich einen dreistelligen Bargeldbetrag aus der Wohnung der Frau gestohlen haben. Der Einsatz der Kammerjäger kam die Frau nicht nur deshalb teuer zu stehen. Rund 700 Euro sollen die unseriösen Dienstleister verlangt haben. Von seiner so hohen Summe soll bei der Auftragserteilung keine Rede gewesen sein.

Dubioser Internetvermittler unter Verdacht

Der Chef des zu Unrecht in Verdacht geratenen Schädlingsbekämpfers Abalin, Rudolf Weidner, kann bei solchem Geschäftsgebaren nur den Kopf schütteln. Er hat die ältere Dame, die von den Männern abgezockt worden sein soll, besucht und den Sachverhalt aufgeklärt. Keine 100 Euro hätte die Beseitigung des Wespennests bei Abalin gekostet.

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Gegenüber der Polizei erklärte Weidner, dass Abalin keinen Auftrag an dieser Adresse erledigt habe. Der Verdacht ist damit ausgeräumt. Die polizeilichen Ermittlungen in der Angelegenheit laufen. Unter der Handynummer des Anbieters „kammerjäger-24.de“ meldete sich am Mittwoch auf Anruf der Redaktion ein Mann. Er bestätigte, dass ein Auftrag für den 25. Mai unter der genannten Kamener Adresse vorliege, wollte sich aber nicht zu den Vorwürfen äußern. Man könne aber eine Anfrage an den „Chef Herr Müller“ richten. Dieser sei unter einer E-Mail-Adresse, die das Wort „auftragsvermittlung“ und die Endung „gmail.com“ enthält, zu erreichen. Eine Antwort steht bislang aus.

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