Nebelchaos auf der A2: Beim Notruf krachten im Hintergrund die Unfälle

dzMit Video

Neue Details aus dem Nebel-Chaos auf der A2: Während des Notrufs nach dem Massenunfall zwischen Kamen/Bergkamen und Dortmund spielten sich dramatische Szenen ab. Für die Polizei ist es derweil schwierig, den Unfallhergang aufzuklären.

Kamen, Bergkamen, Dortmund

, 02.01.2020, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Polizisten in der Notruf-Leitstelle wurden indirekt zu Zeugen des Massenunfalls auf der A2 in der Silvesternacht. Noch während ein Anrufer den Crash im dichten Nebel meldete, hörte der Unfallbeteiligte im Hintergrund das Krachen weiterer Zusammenstöße – und gab dies den Polizisten durch.

Einen Tag nach dem Nebel-Chaos haben Autobahnpolizei und Feuerwehr neue Details bekannt gegeben. 25 Autofahrer waren an den Unfällen beteiligt, die sich auf beiden Richtungsfahrbahnen zwischen dem Kreuz Dortmund-Nordost und Dortmund-Lanstrop abspielten. Elf Unfallbeteiligte kommen aus Hamm, vier aus Unna und die übrigen jeweils aus Kamen, Bergkamen, Lünen, Ahlen, Senden, Haltern am See, Offenburg, Bielefeld, Bochum und Mettingen.

Was bei Nebel gilt

Fahren mit Faustformel

  • Wie schnell man bei dichtem Nebel fahren darf, richtet sich nach der Sichtweite. Die Sichtweite (und damit auch der Mindestabstand zum Vordermann) ist ungefähr gleich der Geschwindigkeit in Kilometer pro Stunde. Bei Tempo 50 sollte man also mindestens 50 Meter Abstand zum Vordermann halten. Entsprechend gilt: Bei Sichtweiten unter zehn Metern ist selbst auf der Autobahn Schrittgeschwindigkeit angesagt. Notfalls darf man auch auf dem Seitenstreifen anhalten.
  • Die Nebelschlussleuchte darf nur eingeschaltet werden, wenn die Sichtweite weniger als 50 Meter beträgt. Sonst besteht die Gefahr, dass der Hintermann geblendet wird. Bei Sichtweiten unter 50 Metern erlaubt der Gesetzgeber lediglich eine Maximalgeschwindigkeit von 50 km/h.

26 Leichtverletzte bei Massenunffall auf A2

Insgesamt wurden 26 Menschen allein auf der A2 verletzt, wie Polizeisprecher Peter Bandermann sagte. Zunächst hatte die Polizei diese Gesamtzahl in einer Mitteilung auf weitere Unfälle auf der A1 und der B236 bezogen. „Es war glücklicherweise niemand eingeklemmt und schwer verletzt“, sagte der Bergkamener Feuerwehrchef Dirk Kemke. „Das große Glück war, dass es reinweg Unfälle mit PKW waren und wegen des Feiertags keine LKW unterwegs waren.“ Die Verletzten seien in umliegende Krankenhäuser eingeliefert worden.

Die Polizei geht von mehreren Unfallverursachern aus, die trotz der extrem geringen Sichtweite zu schnell fuhren. Wie sich die Kollisionen genau abgespielt haben und wer sie verursacht hat, konnten die Ermittler bislang nicht rekonstruieren. Das liegt daran, dass die Autofahrer ihre Unfallgegner im dichten Nebel nicht erkennen konnten. Keiner habe bislang sagen können, mit wem er zusammengestoßen sei. „Das ist eine sehr komplizierte Situation“, sagte Polizeisprecher Bandermann. Alle Unfallbeteiligten erhalten demnächst Post von der Polizei.

Video
Nebel-Chaos auf der A2 zwischen Kamen und Dortmund

Beweisfotos teilweise nicht verwertbar

Die Beweisfotos von der rund 140 Meter langen Unfallstelle tragen wohl nur bedingt zur Aufklärung des Unfallgeschehens bei. Denn wegen der geringen Sichtweite – unter drei Meter bei der Unfallaufnahme – sind die Bilder teilweise nicht verwertbar. Zunächst waren drei Autos in Fahrtrichtung Oberhausen kollidiert. Kurz darauf stießen 15 Fahrzeuge in Fahrtrichtung Hannover zusammen.

Beschädigte Autos standen quer und gegen die Fahrtrichtung. Allein der Abschleppunternehmer Thomas Kollmer und seine Mitarbeiter nahmen insgesamt elf Unfallwagen an den Haken. Mit sechs Abschleppwagen aus Lünen und drei aus Kamen war Kollmer im Einsatz. Die Polizei meldete neun Totalschäden. Eine Schätzung über den Gesamtschaden lag der Polizei am Donnerstag noch nicht vor.

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Feuerwehrleute lotsen per Taschenlampe

Wie stark der Nebel die Einsatzkräfte behinderte, schilderte der Bergkamener Feuerwehrchef. „Teilweise sind Feuerwehrleute ausgestiegen und mit Taschenlampen vorweggelaufen, um den Weg zu zeigen“, sagte Dirk Kemke. Zur Orientierung sei man über den Standstreifen an der Leitplanke entlang gefahren. Neben der Feuerwehr aus Bergkamen war auch die Kamener und Lünener Feuerwehr ausgerückt. Bergkamener Feuerwehrleute kümmerten sich auf dem Rückweg auch noch um einen Unfall auf der A1 nördlich des Kamener Kreuzes in Fahrtrichtung Bremen.

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