Wilde Randstreifen in Kamen: Immer öfter gewollt, aber teils gefährlich

dzNatur- und Insektenschutz

Die Stadt will Randstreifen seltener mähen. Immer geht das nicht, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer geht vor. Hinweise auf wuchernde Stellen kommen manchmal auch als Beschwerde über den Nachbarn.

Kamen

, 14.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Kamen will versuchen, an immer mehr Stellen seltener und später zu mähen, damit Insekten mehr Nahrung und Schutz finden. Das kündigte Bürgermeisterin Elke Kappen in der jüngsten Ratssitzung an. Man wolle gemeinsam mit dem Baubetriebshof schauen, wo man auf die Mahd verzichten oder seltener mähen könnte.

Doch nicht überall ist das möglich, wie Sprecher Rüdiger Büscher im Gespräch mit der Redaktion erklärt. „Die Verkehrssicherungspflicht steht über allem“, so Büscher. Dort, wo also Verkehrsteilnehmer nicht mehr sicher vorankommen würden, wenn gar nicht oder seltener gemäht bzw. zurückgeschnitten würde, geht die Stadt auf Nummer Sicher und greift zum Mäher.

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„Wir versuchen aber schon, das restriktiver zu handhaben“, so Büscher. Das gelte für das gesamte Stadtgebiet – aber freilich nur für jene Straßen, für die die Stadt überhaupt zuständig ist. Denn es gibt auch Wege und Straßen, für die Land oder Kreis zuständig sind.

An der Derner Straße in Kamen sieht man Blühstreifen. Sie bieten Insekten Nahrung. Doch auch Randstreifen, die seltener gemäht werden, tun der Natur gut. Darauf will die Stadt Kamen nun verstärkt achten.

An der Derner Straße in Kamen sieht man Blühstreifen. Sie bieten Insekten Nahrung. Doch auch Randstreifen, die seltener gemäht werden, tun der Natur gut. Darauf will die Stadt Kamen nun verstärkt achten. © Marcel Drawe

Beschwerden über Nachbarn erreichen die Stadt regelmäßig Ach ab

Immer häufiger erreichen die Stadt auch Wünsche von Bürgern, dass an der ein oder anderen Stelle weniger gemäht werden könnte. Und dann gibt es noch Beschwerden die in den privaten Bereich fallen. „Wir haben es immer mal wieder, dass Kamener anrufen und sagen, dass der Nachbar sein Grundstück nicht pflegt und man dort auf der Straße nicht mehr vorbeikommt“, so Büscher.

In solchen Fällen – wenn der Garten an einen öffentlichen Weg oder eine Straße grenzt – ist dann tatsächlich nicht die Stadt zuständig, sondern der Grundstückseigentümer. Teilweise schicken die Nachbarn über die Plattform „Bürgerdialog“ auch Fotos mit. Die Stadt nimmt dann Kontakt zu dem Eigentümer auf, damit dieser sein Grün zurückschneidet.

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Der Nachbar sollte sich dann übrigens nicht über den Anruf aus dem Rathaus ärgern, sondern froh sein. Denn schließlich haftet er auch dafür, wenn sich dort jemand verletzt, weil er an einer Ranke hängen bleibt – im übertriebenen Sinne gesprochen. Selbiges gilt aber zum Beispiel auch für Laub auf dem Gehweg, wenn dort dann jemand ausrutscht etc. Hier greift die Verkehrssicherungspflicht.

Doch nicht nur im privaten Bereich ist die Stadt Vermittler. Das zeigt das Beispiel der Poststraße an der Bahnlinie, wo laut Büscher die Bahn zuständig ist. „Wir rufen dann die Bahn an, weil wir nicht zuständig sind. Wir bekommen aber im monatlichen Rhythmus Hinweise“, so Büscher.

Blühflächen an der Seseke und am Segelflugplatz in Kamen

Neben naturbelassenen Randstreifen sieht die Stadt auch Blühstreifen gern und unterstützt zudem ein Projekt, das gemeinsam mit Nachbarkommunen, den GSW und Landwirten läuft.

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Dabei geht es um Blühflächen, die drei Jahre lang unberührt bleiben sollen. In Kamen sollen eine Fläche am Segelflugplatz und an der Seseke bunt blühen, um Insekten Nahrung zu liefern, die dann wiederum Kleintieren zum Fressen gern haben. Es geht also um viel mehr als nur die Insekten.

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