Natur statt Schotter und Kies: So will die Stadt Kamen gegen Schottergärten vorgehen

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Klimaschutz ist ein großes Thema, fängt aber oft im Kleinen an: Schottergärten sind da eher schädlich. Die Stadt hat untersucht, wie sie die praktischen Steingärten künftig verhindern kann.

Kamen

, 29.10.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Gestaltung der Gärten mit Materialien wie zum Beispiel Schotter und Kies ist unzulässig.“ Der Satz aus der Beschlussvorlage für den Umwelt- und Klimaausschuss ist eine Möglichkeit, wie die Stadt Kamen über eine Bebauungsplanvorgabe künftig Schotter- und Kiesgärten verhindern kann.

Die Lokalpolitiker, die über den Verwaltungsvorschlag abstimmen, treten zu der öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 31. Oktober, im Sitzungssaal II zusammen. Beginn ist dort um 18 Uhr.

Die Entscheidung der Politiker hat für Häuslebauer in Kamen zunächst noch keine konkreten Auswirkungen, weil es für die geplante Klimaschutzsiedlung in Methler und das neue Wohngebiet auf den ehemaligen KSC-Sportflächen im Hemsack schon konkrete Pläne gibt: Ungeachtet dessen ist in beiden Baugebieten vorgesehen, möglichst klimafreundlich zu bauen.

Natur statt Schotter und Kies: So will die Stadt Kamen gegen Schottergärten vorgehen

Dort, wo es im Sommer noch geblüht hat, soll es auch noch genug Grün geben, wenn dort Wohnhäuser stehen. Die Stadt will in künftigen Baugebieten gestalterische Festsetzungen festlegen. © Janecke

Pflegeleichtes Gestaltungselement als Entré zum Hauseingang

Kies und Schotter in Vorgärten. Was viele Häuslebauer als schönes und pflegeleichtes Gestaltungselement als Entré zum Hauseingang ansehen, ist Naturschützern ein Dorn im Auge.

Zu wenig Nahrungsangebot für Insekten und schädlich für das Stadtklima, weil der Stein eher Hitze abstrahlt, statt absorbiert. „Diese Art der Gestaltung kann in vielerlei Hinsicht negative Auswirkungen auf die Ökologie haben“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung.

Zum einen beeinflusse sie auf unterschiedliche Weise das Mikroklima, zum anderen komme es durch die geringere Verfügbarkeit von Brutstätten und Nahrungsquellen und durch den Rückgang von Bepflanzung zu einem dramatischen Rückgang von Insekten und Vögeln.

Den Anstoß dafür, erstmals Regelungen gegen Schottergärten zu treffen, hatten die Fraktionen der Bündnisgrünen und der Linke/GAL in entsprechenden Anträgen gegeben, indes: „Durch diese negativen Auswirkungen auf Klima und Fauna sieht die Verwaltung es ebenfalls als wichtig an, diese Problematik stärker in den Fokus zu rücken.“

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Keine Möglichkeit, gegen bestehende Schottergärten vorzugehen

Was also tun? Gegen bestehende Schottergärten vorzugehen, so die Erkenntnis der städtischen Prüfung, sei schwierig. Die jetzige Bauordnung des Landes (LBauO NRW) sei kein rechtssicheres Mittel, Kies und Schotter in Bestandsgebieten zu verhindern.

Allerdings könnte die Stadt gestalterische Festsetzungen in künftigen Bebauungsplänen eintragen. „Dabei dürfte es auch zulässig sein, Materialien für die Ausgestaltung von Vorgärten festzulegen.“

Die Festlegung im Bebauungsplan, dass Vorgärten mit Vegetation zu gestalten sind, diene dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlage und dem Klimaschutz. Eine mögliche Formulierung könnte deswegen lauten: „Der Vorgarten ist wasseraufnahmefähig herzustellen, zu begrünen und zu bepflanzen. Versiegelte Flächen sind nur für Zuwege, Zufahrten, Stellplätze und Müllstandplätze zulässig.“

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Aufklärungskampagnen sinnvoller als Verbote

Damit würde die Versiegelung durch Unkrautschutzfolien und die Errichtung von Kies- und Schotterflächen indirekt verboten, heißt es. Jedoch würden die Flächen für Zuwege, Zufahrten, Stellplätze und Müllstandplätze nicht beschränkt.

Der Zusatz „Die flächige Gestaltung der Gärten mit Materialien wie beispielsweise Schotter und Kies ist unzulässig“ sei zumindest problematisch, weil eine rein ökologische Argumentation unzulässig sei.

Erschwerend komme hinzu, dass es sich um einen erheblichen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Grundstückeigentümers handele.

Fazit: Die Festsetzungen sollen zwar für künftige Bebauungspläne diskutiert werden. Im Vordergrund sollen aber Aufklärungskampagnen stehen, um Häuslebauer für das Problem zu sensibilisieren, wie es in der Vorlage heißt: „Es hat sich gezeigt, dass ein solches Vorgehen mehr Akzeptanz schafft und klimaschützende Maßnahmen dann bereitwilliger umgesetzt werden.“

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