Unter einem der größten Faltzelte der Firmengeschichte werden künftig Panzer der Nato gewartet. Der Großauftrag für die Technopark-Firma Sabura aus der Rüstungsindustrie kommt aus dem Saarland.

Kamen

, 09.10.2019, 13:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das ausfahrbare Faltzelt ist größer als die Werkshalle. Sechs Meter Höhe erreicht der vielfach geschweißte Bogen aus Stahl, der auf dem Hof der Firma Sabura an der Herbert-Wehner-Straße 27 steht und zufällig das entfernt stehende Fördergerüst der ehemaligen Zeche Monopol einrahmt. Ein Bild, das den örtlichen Strukturwandel nicht besser abbilden könnte.

Nato-Panzer rollen unters Faltzelt: Rüstungsauftrag für diese Kamener Firma - mit Video

Das ausfahrbare Faltzelt ist größer als die Werkshalle. Sechs Meter Höhe erreicht der vielfach geschweißte Bogen aus Stahl, der auf dem Hof der Firma Sabura an der Herbert-Wehner-Straße 27 steht. Industriemeister Dieter Lippert und Sabura-Chef Udo Schwabe haben den Auftrag aus der Rüstungsindustrie jetzt abgearbeitet. © Borys Sarad

Der große Stahlbogen ist einer von sechs Bögen, die das Gerippe eines der größten Faltzelte der jungen Firmengeschichte Saburas bilden. Die Firma aus dem Technopark, die das Prinzip dieser mobilen Halle erfunden hat, liefert erstmals an Defence Service Logistik (DSL), ein Tochterunternehmen des Rüstungskonzerns Krauss Maffei. Auf dem Firmengelände in Freisen werden Nato-Panzer und anderlei militärische Kettenfahrzeuge unter höchster Sicherheitsstufe gewartet.

Auftrag binnen kürzester Zeit gemeistert

Sechs Meter breit und 15 Meter lang ist das neue Produkt der Faltzelt-Firma, wenn es komplett ausgefahren ist. Die Kamener Stahlbauer mussten den Auftrag binnen vier Wochen meistern, weil es in Freisen einen räumlichen Engpass zu schließen gab. „So kurzfristig zu liefern, das können andere nicht“, sagt Firmenchef Udo Schwabe (62) zufrieden. In dem Zelt werden die wartungsbedürftigen Kettenfahrzeuge aus Deutschland, Frankreich und Belgien teilweise zerlegt und wieder einsatzfähig gemacht. Das Faltzelt mit sechs Meter Höhe, sechs Meter Tiefe und 15 Meter Länge ist an vier große Metallwürfel angeschlossen, auf denen eine Art Kreuzfahrtschiff-Schornstein aufgesetzt ist. Das ist die Filteranlage, die dafür sorgt, dass Luft außerhalb des Zeltes sauber bleibt, wenn innerhalb lackiert oder geschleift wird.

Nato-Panzer rollen unters Faltzelt: Rüstungsauftrag für diese Kamener Firma - mit Video

Dieter Lippert und Wilhelm Schulte-Ostermann bei der Arbeit. Stahlbau-Fachkräfte wie sie sind zurzeit gesucht. Auch Sabura ist auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern. © Borys Sarad

Auftragslage sehr gut: Werkshalle stößt an ihre Grenzen

Die Größe der Defence Service Logistik angeforderten Halle ist für Sabura noch eine Herausforderung, weil die Werkshalle bei derlei Anfertigungen buchstäblich an ihre Grenzen stößt. Deswegen soll auf dem Nachbargrundstück eine neue, höhere Halle errichtet werden. Die Bauvoranfrage liegt zurzeit bei der Stadtverwaltung zur Bearbeitung. Ist das Nachbargelände erschlossen, sollen die Aufträge noch schneller abgearbeitet werden. Das ist auch nötig, denn die Auftragslage ist gut bis sehr gut. „Das spricht sich immer weiter herum“, freut sich Schwabe, der vor zwölf Jahren die sogenannten „faltbaren Raumsysteme“ zusammen mit seinem Sohn Christoph (33), der Umweltingenieur ist, erfunden hat. Mit einem Modell aus Holz und Papier auf dem Wohnzimmertisch, das damals über die Weihnachtstage konstruiert wurde. Jetzt hat er ein Bild zugesandt bekommen von einem Auftrag, der ebenso Schlagzeilen machte: Die Glacier Express AG in Andernmatt nutzt Kamens Faltzelte, um ihre Züge zu modernisieren. Unter Kamener Folien wird der Glacierexpress, der St. Moritz mit Zermatt verbindet, zum Luxuszug umgebaut.

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Der Glacierexpress aus der Schweiz wird unter Kamener Folien modernisiert. Sabura-Chef Schwabe erhielt jetzt ein Bild, das den Einsatz der Kamener Raumsysteme zeigt. © Privat

Schnelles Internet im Technopark teilweise nicht verfügbar

DSL steht nicht nur für die Rüstungsfirma aus Freisen. Sondern bekanntlich auch für schnelles Internet. Und ausgerechnet das hat die Firma Sabura im Technopark nicht, wie Schwabe kritisiert. „Das gilt auch für einige benachbarte Firmen.“ Lediglich eine Geschwindigkeit von maximal 10 MBit/s sei möglich, weniger, als viele Privathaushalte zu Verfügung haben. „Das ist natürlich sehr ärgerlich.“ Videokonferenzen mit größeren Unternehmen müsste er von zuhause aus führen, wo er schnelleres Internet habe. „Das wirkt natürlich unprofessionell.“ Er sieht die Stadt in der Pflicht, möglichst schnell Abhilfe zu schaffen. „In einem neuen Gewerbegebiet sollte das selbstverständlich sein.“ Schwabe sieht dadurch schon die Entwicklung des jungen Unternehmens gebremst. Ein weiterer limitierender Faktor: Die Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden. Schwabe sucht weiterhin Mitarbeiter für leichten Stahlbau.

Nato-Panzer rollen unters Faltzelt: Rüstungsauftrag für diese Kamener Firma - mit Video

Die Schornsteine, die aussehen, als könnten sie auf Kreuzfahrtschiffe montiert werden, führen die Abluft der Filteranlagen ab. © Borys Sarad

Aufträge und Anfragen von Alstom bis Airbus

Saburas Stärke liegt darin, binnen kurzer Zeit überdachte Arbeitsflächen zu schaffen, falls zusätzliche Kapazitäten notwendig sind. Aufträge bzw. Anfragen liegen ihm von weiteren Konzernen vor, wie von der Schweizer Bundesbahn und dem Rüstungskonzern Diehl Defence, der unter den Sabura-Folien Raketenwerfer bearbeitet, vom französischen Bahnbauer Alstom und den Flugzeugbauern Boeing und Airbus. Jetzt ist der Rüstungsauftrag erst einmal auf dem Weg nach Freisen. Schwabe ist immer noch überwältigt von dem Erfolg der noch relativ jungen Firma. „Wir haben offenbar die Lösung für die Industrie. Das ist schon verrückt, wie das läuft!“

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