Napoleons Liebesbrief an Josephine in der Kamener Stadtbücherei

dz250. Geburtstag

Vor 250 Jahren wurde Napoleon geboren: Der Journalist Rolf Liffers hat passende Exponate dazu gesammelt und zeigt sie in der Stadtbücherei Kamen. Auch ein Liebesbrief Napoleons ist zu sehen.

Kamen

, 18.06.2019, 11:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Napoleon Bonaparte hätte in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag feiern können. Aus diesem Anlass widmet das „Vitrinenmuseum“ der Stadtbücherei Kamen dem wohl berühmtesten Franzosen seit Dienstag (18. Juni) eine Sonderausstellung des Kamener Journalisten Rolf Liffers – verbunden mit einer kritischen Kommentierung.

Der Lack ist ab von Napoleon

Liffers hatte sich zuvor in Südfrankreich für längere Zeit an die Fersen des umstrittenen Feldherrn begeben, der 1821 im Alter von 51 Jahren auf St. Helena starb. An den Gestaden des Mittelmeers suchte und fand Liffers massenhaft frühe und späte Spuren des Empereurs, dessen Stern einst im Midi auf- und unterging.

Hintergrund der Tour war die Fragestellung, wie sich die Jahrhunderte lange geradezu götzenhafte Rezeption des Kaisers durch die Grande Nation erklärt, über den 400 000 Bücher geschrieben worden sein sollen. Auf einen kurzen Nenner gebracht, klingt die Antwort einfach: „Napoleon muss über eine faszinierendes Charisma verfügt haben“, erklärt Liffers. Seit ein paar Jahren aber habe sich „die Affenliebe“ abgekühlt. „Der Lack ist offenbar endlich ab“, hat Liffers in zahlreichen Gesprächen vor Ort herausgefunden.

Napoleons Liebesbrief an Josephine in der Kamener Stadtbücherei

Der französische Kaiser Napoleon I. in der Uniform eines Obersten seiner Gardejäger (auf einem undatierten, zeitgenössischen Stich). Napoleon beherrschte fast ganz Europa. © picture alliance / dpa

Die in der Stadtbücherei gezeigten Exponate können diesen Paradigmenwechsel zwar nicht widerspiegeln, wohl aber die der Ausstellung beigefügten Texte.

In den Vitrinen sind Sammelobjekte Porzellane, Symbole, Nippes, Postkarten und ein älteres Exemplar des berühmten Code Civil ebenso zu sehen wie ein mehrseitiger (hektografierter) Liebesbrief des vor Eifersucht rasenden jungen Generals an seine geliebte und in der Tat ziemlich leichtfüßige Joséphine. Die Côte d´Azur ist heute noch förmlich zugepflastert mit sichtbaren Erinnerungen an den Despoten, an dessen Händen „das sinnlos vergossene Blut von viereinhalb Millionen Menschen klebt“ (Liffers).

Der Despot gegen die Demokratie

Zwar war Napoleon Erbe, aber zugleich Totengräber der Revolution, sagt Liffers. „Er verriet die Republik, statt aus ihr eine funktionierende Demokratie zu machen“. Tatsächlich erinnere vieles an Hitler: Das inszenierte Führergehabe, Rassismus und Faschismus, Polizeiterror, Kunst- und Pressezensur, Blitzkrieg-Strategie, Vielfrontenkrieg, Russlandfeldzug, das jubelnde Volk, der totale Krieg, der Größenwahn und die Bewunderung des fragwürdigen Helden durch die Frauen.

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