Eichenprozessionsspinner: Nachbarn in Kamen bekämpfen den Schädling auf eigene Faust

dzEPS in Kamen

In Kamen hängen mittlerweile an einigen Stellen Schilder, die vor Eichenprozessionsspinnern warnen. Auch an der Feldstraße. Doch das reicht Anwohnern nicht. Sie legen selbst Hand an.

Kamen

, 17.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Einige Bäume sind so angefressen, dass sie in Zusammenhang mit der Trockenheit drohen einzugehen, ich werde sie wohl zusätzlich wässern müssen“, sagt der Kamener Landwirt Frank Bowinkel. Er trägt einen Schutzanzug und steht im Fangkorb eines Radladers, den ein benachbarter Landwirt von Baum zu Baum fährt.

Mit einem Sauger, den eine andere Nachbarin der Feldstraße beigesteuert hat – Anne Kammer-Herbert hatte ihn im vergangenen Jahr für ihre eigenen Eichen angeschafft – entfernt er vorsichtig die Eichenprozessionsspinner-Nester an der Straße.

Etwa 50 Eichen stehen dort und teils haften sogar noch Nester aus dem vergangenen Sommer an den Stämmen. „Sie sind schon verfilzt, aber es geht trotzdem noch eine Gefahr von ihnen aus, ich entferne sie vorsichtig mit der Hand, damit nicht alles drumherum verseucht wird“, erklärt Bowinkel. Die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner enthalten Nesselgift, das bei Hautkontakt oder beim Einatmen allergische Reaktionen auslösen kann.

Das Absaugen der Eichenprozessionsspinner ist ein Kraftakt

An jedem Baum befinden sich mehrere Nester, das Entfernen ist mühselig. „Ich habe eine Stunde für vier Bäume gebraucht“, so Bowinkel am Dienstagnachmittag, als er mit der Arbeit loslegte. Er habe nicht damit gerechnet, dass drei oder mehr Nester an jedem Baum hängen. Zudem schwitze man in dem Anzug sehr, ein einfacher Job ist das gerade bei hohen Temperaturen nicht.

Wo keine Menschen durch den Eichenprozessionsspinner gefährdet sind – zum Beispiel auf Spiel- oder Sportplätzen – hängt die Stadt Warnschilder auf. Um die Tiere zu schützen, lässt die Stadt ihre Nester nur dort, wo es wirklich nötig ist, entfernen.

Wo keine Menschen durch den Eichenprozessionsspinner gefährdet sind – zum Beispiel auf Spiel- oder Sportplätzen – hängt die Stadt Warnschilder auf. Um die Tiere zu schützen, lässt die Stadt ihre Nester nur dort, wo es wirklich nötig ist, entfernen. © Stefan Milk

Bowinkel greift jedoch nur selber zum Sauger, weil weder die Stadt Kamen noch der Kreis Unna auf Nachfrage die Nester entfernen lassen wollten. Die Stadt habe lediglich Schilder aufgestellt, sagt Bowinkel. Mit dem Kreis, der die Bäume einst gepflanzt habe, habe er dann vereinbart, dass er die Nester selber entfernen darf, für den Diesel bekommt er eine Aufwandsentschädigung. Für das Entfernen seien zwei Tage veranschlagt – doch Bowinkel schätzt, dass es länger dauern wird.

Nachbarn und Freunde unterstützen Frank Bowinkel

Dafür, dass sich Bowinkel die Zeit für diese schweißtreibende Aufgabe nimmt, sind ihm seine Nachbarn dankbar, sagt Anne Kammer-Herbert. Es sei toll, wie die Nachbarn hier zusammenarbeiten. „Wir haben eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe“, berichtet sie. Darin habe man sich vor den Schädlingen gewarnt und so sei die Idee entstanden, selbst etwas zu unternehmen.

Während Kammer-Herbert den Sauger zur Verfügung gestellt hat, stammt der Radlader von einem anderen befreundeten Landwirt und ein anderer Nachbar hat seinen Stromgenerator angeboten für den Sauger angeboten.

Jetzt lesen

Weil ein solcher aber nicht im Wagen mit nach oben fahren kann, hat ein Bekannter von Bowinkel einen hydraulischen Generator für die Aktion „zusammengebastelt“. Viele hilfsbereite Hände haben es also ermöglicht, dass die Eichen nun von den Schädlichen befreit werden können.

„Von Insektenschutz kann man da nicht mehr sprechen“

Um den Schutz der Tierart macht sich Bowinkel übrigens wenig Sorgen. An der Feldstraße gebe es einen massiven Befall mit Millionen von Tieren. „Da stellt sich nicht die Frage, ob ich sie durch das Absaugen ausrotte. Von Insektenschutz kann man da nicht mehr sprechen“, findet Bowinkel – der übrigens gerade erst kilometerlange Blühstreifen angelegt hat und weiß, wovon er spricht.

Jetzt lesen

Der Schutz der Tiere ist freilich für die Stadt Kamen der Grund dafür, dass dort, wo keine Gefahr für Menschen besteht, Warnschilder aufgehängt werden statt eine Entfernung zu veranlassen, wie Stadtsprecher Peter Büttner erklärt.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Volksbank Kamen-Werne
Einzigartiger Bau in Kamen: Volksbank-Villa wird durch ein Holzhaus ersetzt, das im Nu stehen soll
Hellweger Anzeiger Der Preis einer Pizza
Coronakrise zeigt auch: Ohne Fördervereine wären unsere Schulen ziemlich arm dran
Hellweger Anzeiger Radfahren und Lastverkehr
Weniger Gefahr durch Lkw der Autobahnmeisterei: Neue Technik bringt Fortschritt für Radfahrer