Zoff in Methler: Nachbar des RV Wanderlust will keine „Dorfverschönerung“

dzVereinsleben in Kamen

Der RV Wanderlust hat alles genau geplant. Das Vereinsheim soll eine Fachwerk-Fassade bekommen, das Material liegt schon bereit. Doch der Nachbar hat etwas dagegen.

Methler

, 23.07.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Voller Tatendrang berichtete Manfred Chytralla vom neuesten Vorhaben des Vereins RV Wanderlust. Der Vorsitzende taufte das Projekt „Dorfverschönerung Methler“ und konnte es kaum erwarten, loszulegen.

Der Plan: Das Vereinsheim in der Dorfmitte soll eine Fachwerk-Optik erhalten und aussehen wie das Amtshaus nebenan oder die Pizzeria gegenüber.

Männer des Vereins haben bereits alte Balken von der Abriss-Baustelle am Hof Schulze Bergcamen abgeholt und eingelagert. Derzeit werden Zeichnungen gefertigt und dann soll es so schnell wie möglich losgehen.

Bis zur Pflaumenkirmes wolle man fertig sein – sagte Chytralla, als noch nicht feststand, dass die Kirmes wegen Corona ausfällt. Doch beim Ziel September blieb es. Die Stadt und die Denkmalbehörde haben bereits grünes Licht gegeben.

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Doch mit einem Mal ist nicht nur der Zeitplan, sondern das ganze Projekt gefährdet. Denn der Nachbar des Vereinsheims hat eine andere Ansicht auf die Dinge. Ralf J. Weber ist Eigentümer des ehemaligen Amtshauses Lutherplatz 11 nebenan.

Er findet, dass eine Dorfverschönerung unnötig ist und weist den Verein darauf hin, dass er keine Genehmigung gegeben habe, dass auf seinem Grundstück gebaut wird, dass das Grundstück vom Verein und Bauarbeitern nicht betreten werden dürfe und dass der Gartenzaun oder Pflanzen nicht beschädigt werden sollen. Zu Webers Grundstück gehört die kleine Grünfläche neben dem Vereinsheim.

Optik des jetzigen Vereinsheims erinnert Nachbarn an schöne Zeiten

Denn während der RV Wanderlust der Meinung ist, dass das Vereinsheim inmitten der Fachwerkhäuser fade wirkt, verbindet Weber mit der Optik schöne Erinnerungen, die durch den Erhalt der Fassade erhalten blieben.

Die einstige Bäckerei habe Tradition und sei ein Treffpunkt des Dorfes gewesen, eine Bereicherung. Die Optik erinnert ihn „an viele schöne Begegnungen über lange Jahre“.

Die Mitglieder des RV Wanderlust haben mit dicken Handschuhen ausgestattet alte Balken vom Hof Schulze Bergcamen in Südkamen abgeholt. Damit wollen sie ihr Vereinsheim bekleiden.

Die Mitglieder des RV Wanderlust haben mit dicken Handschuhen ausgestattet alte Balken vom Hof Schulze Bergcamen in Südkamen abgeholt. Damit wollen sie ihr Vereinsheim bekleiden. © privat

Doch die geplante „Dorfverschönerung“ scheint nur die Spitze eines Eisbergs, denn Weber zählt in seiner Mail an die Redaktion noch einiges mehr auf, das ihn an den Tätigkeiten des Vereins wurmt – zum Beispiel Fahrräder oder Autos, die den Gehweg versperren. Oder Pläne wie einen Getränkewagen für die Pflaumenkirmes anzuschaffen. Oder für die Beachparty, die im Rahmen der städtischen Kulturveranstaltung „Summerlife“ geplant war, Sand aufzuschütten.

„Ich habe den Eindruck, dass hier eine Vereins-Insel entsteht. Geplante

Veranstaltungen wie eine Art Beachparty haben nur den Sinn, hier Geld in

die Vereinskasse zu spülen“, kritisiert Weber, den es ebenfalls stört, dass über letzteres Vorhaben nicht mit ihm als direkt betroffener Anwohner gesprochen wurde.

Nachbar übt Kritik an den Tätigkeiten des RV Wanderlust in Methler

Weber nimmt dem Verein nicht ab, Bürgernähe und eine Belebung des Dorfes zu wollen, es seien stattdessen „wirtschaftliche Eigeninteressen“. Den Vorsitzenden Manfred Chytralla betrüben die Ansichten Webers. Nachvollziehen kann er die Kritik nicht. Es stimme nicht, dass die Vereinsmitglieder den Gehweg blocken und mit dem Auto komme nur er, wenn er etwas anliefern muss.

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Auch die Aussage Webers, dass dort ein „Treffpunkt mit Partybereich“ geschaffen worden sein soll, versteht Chytralla nicht. „Bis auf einige Feierlichkeiten, haben wir das Vereinsheim nur ans Beerdigungscafé vermietet oder zum Beispiel an das Weihnachtsbacken“, sagt Chytralla. Auch für die erfolgreiche Masken-Aktion, in der der Verein Maske um Maske im Vereinsheim nähte und dort ausgab, nutzte er die Räumlichkeiten.

Von Party kann da freilich nicht die Rede sein. Und von wirtschaftlichen Interessen auch nicht, wie Chytralla betont. Geld müsse aber eingenommen werden, um das Ganze am Laufen zu halten. Das ist eine Aufgabe, die den Verein stets beschäftigt, seitdem er sich dazu entschied, die leerstehende Bäckerei zu einem Vereinsheim und Dorftreffpunkt umzuwandeln. Die Coronakrise hat diese Aufgabe nicht unbedingt leichter gemacht.

Nachbar des RV Wanderlust schlägt die Einladung zum Gespräch aus

Doch der Verein hat aus der Not eine Tugend gemacht und Masken genäht, um das Heim halten zu können. Und das Engagement des RV Wanderlust sollte mit der Dorfverschönerung in die nächste Etappe gehen – und das im Sinne aller und mit dem Einverständnis der Nachbarn.

Das Ristorante Bei Tino ist in einem hübschen Fachwerkhaus untergebracht. Davon gibt es mehrere in Methler. Nicht ganz hinein passt das Vereinsheim des RV Wanderlust – findet zumindest der Verein. Der Verein plant eine neue Fassade.

Das Ristorante Bei Tino ist in einem hübschen Fachwerkhaus untergebracht. Davon gibt es mehrere in Methler. Nicht ganz hinein passt das Vereinsheim des RV Wanderlust – findet zumindest der Verein. Der Verein plant deshalb eine neue Fassade. © privat

Chytralla wollte deshalb das Gespräch mit seinem Nachbarn suchen. Der Verein habe Weber vier Termine genannt, um sich zu treffen und alles zu besprechen. Man wolle die Sache unter sich klären und eine gutnachbarschaftliche Beziehung aufbauen. Laut Chytralla habe Weber das Angebot jedoch ausgeschlagen.

Beim Bau der Fassade wolle man nun das Eigentums des Nachbarn „in keiner weise tangieren“. Es scheint also, als könnte es am Ende doch klappen mit der „Dorfverschönerung“ – welche es zumindest für manche Methleraner wäre.

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