Ermittlungserfolg nach dem Strohballenbrand am Donnerstag in Kamen: Die Polizei nimmt einen Verdächtigen fest. Der 21-Jährige hat bereits einige Taten eingeräumt. Die Ermittlungen dauern an.

Kamen, Unna

, 09.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Während die Strohballen am Donnerstagnachmittag an der Derner Straße in Flammen standen, war nicht nur die Kamener Feuerwehr im Einsatz, sondern auch die Polizei. „Gestern ist eine Festnahme erfolgt“, berichtet Polizeisprecherin Vera Howanietz am Freitagmittag auf Anfrage.

Verdächtiger gesteht einige Taten

Am Nachmittag folgte eine gemeinsame Erklärung der Staatsanwaltschaft Dortmund und der Kreispolizeibehörde Unna. Demnach handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 21-jährigen Dortmunder, den die Kreispolizeibehörde Unna an seiner Wohnanschrift in Dortmund vorläufig festgenommen hat.

Feldbrand-Serie: Mutmaßlicher Täter gesteht Brandstiftungen in der Region

Etwa drei Stunden war die Feuerwehr mit den Löscharbeiten an der Derner Straße beschäftigt. © Neumann

Der Beschuldigte hat bereits fünf Taten eingeräumt. Strohballen und Felder brannten in den letzten Wochen unter anderem in Kamen, Unna, Soest und Erwitte. Wie die zuständige Staatsanwältin Sandra Lücke auf Anfrage berichtet, hat der 21-Jährige gestanden, in allen vier Orten Strohballen beziehungsweise Felder entzündet zu haben - zweimal in Unna und jeweils einmal in Kamen, Erwitte und Soest.

Zeugenhinweise führen die Polizei nach Dortmund

Zu einem möglichen Motiv des mutmaßlichen Täters könne man zurzeit noch nichts sagen, so Lücke. Der 21-Jährige selbst habe lediglich gesagt, dass er „gezündelt“ hätte.

Die Polizei kam dem mutmaßlichen Täter durch Zeugenhinweise auf die Schliche. Ein bestimmter Pkw sowie ein Mofa wurden an verschiedenen Einsatzorten gesichtet. Schließlich habe die Polizei auch das Kennzeichen herausbekommen, wie Lücke berichtet.

Das Amtsgericht Unna erließ noch am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dortmund Haftbefehl wegen des Vorwurfs der Brandstiftung. Die Ermittlungen dauern an.

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Wegen der starken Rauchentwicklung an der Derner Straße alarmierte die Kamener Feuerwehr am Donnerstag die Bevölkerung über die Warnapp „NINA“. © Neumann

Polizeihelikopter über der Einsatzstelle

Augenzeugen berichteten, dass am Donnerstagnachmittag ein Polizeihelikopter über den Einsatzort an der Derner Straße geflogen ist. Ob dies aber mit der Festnahme in Zusammenhang steht, ist nicht bekannt.

Rund 40 Strohballen standen dort in Flammen, die Alarmierung der Kamener Feuerwehr erfolgte gegen 15.30 Uhr. Die Löschzüge 1 und 3 rückten aus, während der Löschzug 2 die Feuerwache besetzte, zusätzliche Unterstützung gab es von der Feuerwehr Bönen. Der Einsatz konnte nach drei Stunden beendet werden.

Bereits in der Nacht zu Donnerstag brannten rund 300 Strohballen in Afferde. Die beiden Einsatzorte in Unna und Kamen liegen etwa fünf Kilometer auseinander.

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In der Nacht zu Donnerstag brannten bereits rund 300 Strohballen in Afferde. © Michael Neumann

Hohe Schäden für die Landwirte

Feldbrände sind nicht nur gefährlich, sie schaden auch den Landwirten. Bei dem Bauern in Afferde entstand ein Schaden von etwa 12.000 bis 15.000 Euro. Doch die Höhe des Schadens ist bei Feldbränden schwer zu beziffern, denn nicht nur die verbrannte Ernte muss mitgerechnet werden. Das erklärte jüngst der Westicker Landwirt Friedrich-Wilhelm Hiddemann, bei dem innerhalb eines Tages gleich zwei Feldbrände ausbrachen.

Ein Landwirt steckt das ganze Jahr über Arbeitszeit in seine Felder. Verbrennen diese, war auch die geleistete Arbeit umsonst. Auch der Boden kann von Bränden Schäden davontragen, da ein Feldbrand verbrannte Erde zurücklässt und kleinste Tiere in dem Boden abtötet. Bis sich der Boden wieder erholt, braucht es Zeit.

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Feldbrände können Landwirte schwer treffen. Bei dem Brand der rund 300 Strohballen in Afferde entstand ein Sachschaden von ungefähr 12.000 bis 15.000 Euro. © Neumann

Auch in Kamen häufen sich die Vegetationsbrände

Feld- und Flächenbrände häufen sich zurzeit verstärkt, wie auch Feuerwehrsprecher Volker Rost bestätigt. „Das ist im Moment ja nahezu täglich, dass wir Vegetationsbrände haben.“ Doch auch, wenn die Wehr im Moment durch die vielen Einsätze belastet ist, sei die Stimmung bei den Feuerwehrleuten nicht schlecht, wie Rost meint. „Wir machen diese Arbeit ja gerne.“

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Feldbrand Derner Straße

Ehrenamtler im Einsatz

Nicht vergessen sollte man hingegen, dass viele der Kamener Feuerwehrleute ehrenamtlich in den Kampf gegen die Flammen ziehen. Nach einem dreistündigen Einsatz quasi direkt nach der Arbeit merke man, was man getan hat. „Das trifft vor allem bei nächtlichen Einsätzen zu“, so Rost. Wenn man zu Unzeiten herausgerufen wird und dann am Morgen wieder bei der Arbeit sein muss - „das merkt man schon.“

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Strohballen brennen in Afferde

Landwirte und Feuerwehr hoffen auf den Regen

Dass am Freitag bereits vermehrt Wolken aufzogen und sich Schauer über Kamen ergossen, wird Landwirte und Feuerwehr freuen. Denn die Trockenheit des Bodens ist auch einer der Gründe dafür, warum Feld- und Flächenbrände leicht ausbrechen können. „Wir hoffen alle auf eine Wetterumstellung“, sagt Rost.

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