Die Kleinschwimmhalle in Heeren ist wegen eines Riesenschadens auf unabsehbare Zeit geschlossen. Ein betroffener Verein beschreibt die Situation als „sehr dramatisch“. Derweil macht der Badbetreiber GSW ein Alternativangebot.

Kamen, Heeren-Werve

, 20.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hunderte Schwimmer sind durch einen plötzlichen Riesenschaden in der Kleinschwimmhalle Heeren-Werve heimatlos geworden.

Der Betreiber GSW hat zwar ungeachtet von Neubauplänen für ein zentrales Schwimmbad in Kamen-Mitte eine Reparatur des Heerener Stadtteilbads angekündigt, kann aber bislang weder einen Reparatur- noch einen Wiedereröffnungstermin nennen. Man wartet auf Handwerker.

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Reparatur der Kleinschwimmhalle soll 150.000 Euro kosten

Bei den Nutzern ist trotz der Ungewissheit das Vertrauen auf Zusagen groß, dass das Bad trotz des hohen Reparaturaufwands von geschätzten 150.000 Euro wieder ans Netz geht. Aber würden sie darauf auch Wetten abschließen?

Elke Rost-Milewski vom Rehasport-Verein „Gesundheitshaus Kurbad Kamen“ beantwortet die Wettfrage so: „Ja, wenn nicht noch die Grundmauern einstürzen und man noch was findet, wo es gar nicht mehr geht.“

Anders wäre ihre Einschätzung, wenn das geplante Kombibad in Kamen-Mitte schon fast fertig wäre. „Dann hätte ich gesagt: Das ist ein günstiger Zeitpunkt zu sagen: Ach, das geht nicht mehr.“

Der Stadtrat hatte kürzlich vorbehaltlich der Finanzierung einen Grundsatzbeschluss für ein bis zu 28 Millionen Euro teures Kombibad gefasst, verbunden mit dem Auftrag, Fördermöglichkeiten für den Erhalt der Kleinschwimmhalle zu prüfen. Diese gilt wegen eines Sanierungsaufwands von 3,9 Millionen Euro als existenzbedroht, wenn das geplante Kombibad in Kamen-Mitte realisiert wird.

Riesenschaden im Heerener Schwimmbad: „Bei uns ist das schon sehr dramatisch“

Elke Rost-Milewski musste fünf Wassergymnastik-Kurse absagen und wartet auf Ersatz. © Stefan Milk/Archiv

Kleinschwimmhalle Heeren

Gesperrt seit den Ferien

  • Die Kleinschwimmhalle Heeren-Werve in der Astrid-Lindgren-Schule ist seit den Herbstferien für ungewisse Zeit gesperrt.
  • Am 4. November gab die Stadt Kamen „eine längere Schließungszeit“ wegen technischer Probleme öffentlich bekannt. Am 5. November benannte der Betreiber GSW einen Reparaturbedarf von 150.000 Euro bei Abluftsystem, Heizung, Wasseraufbereitung, Filtermaterial und Rohrleitungen – für ein Bad, das laut einem früheren Gutachten einen Sanierungsbedarf von mindestens 3,9 Millionen Euro aufweist.
  • Die Reparatur soll unabhängig von Neubau-Plänen für einen Schwimmbad-Neubau in Kamen-Mitte durchgeführt werden.

Allein der Rehasportverein musste fünf Wassergymnastikkurse mit 100 Teilnehmern im Heerener Bad absagen. „Bei uns ist das schon sehr dramatisch wegen der Kurse und der Menschen“, kommentierte Leiterin Rost-Milewski den Ausfall. Sie informierte die Kursteilnehmer per Aushang an der Eingangstür: „Voraussichtlicher Neubeginn der Wassergymnastik: Januar 2020“.

Auch bei der Turngemeinde Heeren-Werve gibt es keinen Anlass, an einer Wiedereröffnung des Bads zu zweifeln. „Ich gehe davon aus, dass sich im Laufe des Januars etwas tut und die Kleinschwimmhalle Anfang des Jahres wieder in Betrieb gehen kann“, sagte Abteilungsleiter Walter Utermann. Im Kursprogramm der TG Heeren-Werve sind sieben Erwachsenen- und elf Kinderschwimmkurse aufgelistet. Bis zu 250 Teilnehmer sitzen derzeit laut Utermann auf dem Trockenen.

Neben der TG Heeren-Werve und dem Rehasportverein sind laut GSW noch sechs weitere Nutzergruppen von dem Ausfall betroffen: die Astrid-Lindgren-Schule, die Sonnenschule, die Gemeinschaft „Bewegung Sport Gesundheit“, das „Familiennetzwerk Familienbande“, das Ev. Kinder- und Familienzentrum und der Schwimmverein Kamen.

Riesenschaden im Heerener Schwimmbad: „Bei uns ist das schon sehr dramatisch“

Lehrschwimmbecken mit defektem Hubboden: Der Schaden an der Kleinschwimmhalle wird auf 150.000 Euro beziffert. © Carsten Fischer

GSW bietet allen Nutzern Ersatz an

Beschränkte Ausweichmöglichkeiten bieten im Stadtgebiet die Hallenbäder Kamen-Mitte und Methler. Darüber hinaus verfügt der Betreiber GSW noch über die Hallenbäder Bönen und Bergkamen.

Der Ausfall des Lehrschwimmbeckens der kreiseigenen Friedrich-von-Bodelschwinghschule in Bergkamen-Heil löst jedoch zusätzlichen Kapazitätsdruck aus. Bei den GSW wurde in den vergangenen Tagen versucht, für die Betroffenen eine Alternative zu finden. Das Ergebnis stand am Dienstag fest. „Wir können allen Nutzergruppen Ausweichtermine und Ausweichflächen anbieten“, sagte GSW-Sprecher Timm Jonas.

Erwartet wird, dass die Ersatzlösung nur einen Teil des bisherigen Programms abdeckt. Die TG Heeren-Werve wartete auf grünes Licht für einen Alternativplan, der ein abgespecktes Programm mit vier Stunden Wassergymnastik und drei Stunden Kinderschwimmen in anderen Bädern vorsieht. Sobald das offizielle Okay vorliegt und die Übungsleiter eingewiesen sind, will der Verein laut Abteilungsleiter die Kursteilnehmer informieren.

Die Astrid-Lindgren-Schule konnte ihren Schwimmunterricht bereits ins Kamener Hallenbad verlegen, wie Schulleiterin Gisela Sons vorige Woche am Rande einer Schulausschusssitzung bestätigte.

Von weiteren Nutzern ist noch nichts Näheres bekannt.

Bürgermeisterin: Schwimmhalle wieder ans Netz

Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) versicherte zuvor dem Hauptausschuss: „Natürlich geht die Kleinschwimmhalle wieder ans Netz.“ Sie verwies auf die politische Beschlusslage, die den Bau eines Kombibads und die Prüfung eines Erhalts der Kleinschwimmhalle vorsieht.

Zudem wusste sie zu berichten, dass der GSW-Aufsichtsrat, der am Tag der Bekanntgabe der Schließung am 4. November tagte, die Reparatur von schätzungsweise 150.000 Euro mitträgt. „Es hat keine Diskussion gegeben, ob diese Investition stattfinden soll oder nicht“, sagte Kappen.

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