Nach Rettungsdrama neue Jobs geschaffen: Hydro-Service in Kamen startet durch

dzZylinderbauer stellt ein

Es geht aufwärts beim Zylinderbauer Hydro-Service in Kamen. Erstmals seit einem Rettungsdrama schreibt das Unternehmen mit 75 Mitarbeitern wieder schwarze Zahlen. Manuel Farys verdankt dem Aufwärtstrend seinen Job.

Kamen

, 17.10.2019, 15:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manuel Farys, 38, war anderthalb Jahre arbeitslos. Zig erfolglose Bewerbungen brachten den Methleraner fast an den Rand der Verzweiflung. „Die meisten Firmen wollen 20-Jährige mit 30 Jahren Berufserfahrung“, sagt der gelernte Verfahrensmechaniker und Maschinenbautechniker. Doch dann kam der ersehnte Anruf.

Vermittelt durchs Jobcenter traf Farys auf Edwin Weltz, den Geschäftsführer des Zylinderbauers Hydro-Service im Gewerbegebiet Hemsack in Kamen. Der 64-Jährige stellte Farys ein, weil das vor fünf Jahren aus der Pleite gerettete Unternehmen wieder mehr Personal braucht. Das Geschäft läuft nun deutlich besser: Der Umsatz wurde erheblich gesteigert, in der Bilanz steht erstmals seit der Rettung wieder ein Gewinn.

Nach Rettungsdrama neue Jobs geschaffen: Hydro-Service in Kamen startet durch

Manuel Farys vor einem 1,20 Meter dicken Zylinderrohr bei Hydro-Service. Der 38-Jährige hat sich erfolgreich bei Hydro-Service in Kamen beworben und arbeitet in der Dokumentation. © Borys Sarad

In den Hallen im Hemsack produzieren die 75 Mitarbeiter Kraftpakete aus Edelstahl: tonnenschwere Hydraulikzylinder, die beispielsweise Maschinen in Fabriken bewegen oder Klappen auf Schiffen. Manuel Farys, seit Juli bei Hydro-Serivce, kümmert sich als Mitarbeiter der Dokumentation darum, die fertigen Produkte mit den nötigen Papieren auszustatten. Messzeugnisse zum Beispiel, die die präzise Ausführung des Auftrags belegen.

Personal aufgestockt: 75 Mitarbeiter bei Hydro-Service

Der Maschinenbautechniker ist nicht der einzige, den Geschäftsführer Weltz eingestellt hat. Erst diese Woche hat eine Mitarbeiterin in der Produktion angefangen. Mit jetzt 75 Mitarbeitern beschäftigt Hydro-Service nun schon zehn Arbeiter und Angestellte mehr als im Jahr 2016, als sich das Unternehmen noch in einer schleppend verlaufenden Restrukturierungsphase befand. Die Beschäftigten konnten sich jüngst über einen Großauftrag freuen. Zwölf Großzylinder wurden termingerecht nach Österreich geliefert. Das Auftragsvolumen: über eine halbe Million Euro.

Zylinderbauer

Hydro-Service

  • Die Hydro-Service Zylinder-Bau GmbH, Hemsack 47, mit 75 Mitarbeitern ist spezialisiert auf Bau und Reparatur von Groß- und Sonderzylindern. Diese Kraftpakete werden in Krane, Pressen, Fahrzeuge, Schiffe, Kraftwerke und Brücken eingebaut.
  • Das Unternehmen hat verstärkten Personalbedarf durch Unterstützung der Arbeitsämter gedeckt. Es gibt für neue Stellen Lohnzuschüsse nach dem „Teilhabechancengesetz“. Informationen gibt es bei Michael Cyrus vom Jobcenter in Kamen, Tel. 02307/915-208.
  • 14677 Menschen im Kreis Unna waren Ende September arbeitslos gemeldet, darunter sind 5882 Langzeitarbeitslose ein Jahr und länger ohne Beschäftigung.

Der Kamener Traditionsbetrieb stand 2014 noch am Abgrund. Als Retter aus der Insolvenz erwies sich der hessische Unternehmer Horst Watz, Chef der Watz-Gruppe und des Filteranlagen-Herstellers Faudi. Der heute 78-Jährige wollte Hydro-Service in Kamen auf ähnliche Weise retten, wie es ihm zuvor schon mit Faudi gelungen war.

Firmenpatriarch Horst Watz kam als Retter

2016, zwei Jahre nach der Übernahme, musste der Firmenpatriarch schleppende Fortschritte bei seinem Kamener Neuerwerb einräumen. Die erheblichen Investitionen am neuen Standort wurden für ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht belohnt. Inzwischen scheint sich das Blatt gewendet zu haben: Der 2017 von Watz eingesetzte Hydro-Service-Geschäftsführer Weltz sagt beim Blick auf die Bücher: „Wir sind zufrieden.“ Der Umsatz sei 2018 um 35 Prozent gestiegen, für das laufende Jahr 2019 rechnet er mit plus 20 Prozent. Damit steuert Hydro-Service auf die Neun-Millionen-Euro-Marke zu. Auch die Ertragslage sehe gut aus. „Wir sind nach anfänglichen Verlusten sechsstellig im Plus“, wo Weltz.

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Neue Einstiegstür für Langzeitarbeitslose

Hydro-Service profitiert bei der Personalsuche von einem neuen Instrument, mit dem die Große Koalition Unternehmen die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen schmackhaft machen will. Das Jobcenter zahlt für zwei Jahre Lohnzuschüsse: 75 Prozent im ersten, 50 Prozent im zweiten Jahr. Jobcenter-Chef Uwe Ringelsiep, 61, besichtigte Hydro-Service am Donnerstag und sagte: „Wir haben durch das Teilhabechancengesetz schon 27 Menschen im Kreis Unna vermittelt, wollen aber mehr machen.“ Thomas Helm, 59, Chef der Agentur für Arbeit in Hamm, meint, dass die Zuschüsse helfen können, Vorurteile bei Arbeitgebern gegenüber Langzeitarbeitslosen abzubauen. Hydro-Service-Chef Weltz braucht nicht überzeugt zu werden: „Wir stellen auch Ältere ein“, sagt er.

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