Ein halbes Jahr nach Kontrollen beim sogenannten Problemvermieter Altro Mondo sind einige festgestellte Mängel in den Wohnhäusern beseitigt. Was noch fehlt, darüber gehen die Darstellungen auseinander.

Kamen

, 23.03.2020, 17:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mario Averna hat genug. Der 57-Jährige will aus seiner Wohnung an der Erik-Nölting-Straße in Kamen ausziehen, weil er mit der Mängelbeseitigung durch den Vermieter unzufrieden ist. „Ich suche eine neue Wohnung“, sagt er. Der Name des Vermieters ist landesweit bekannt: Altro Mondo.

Das Wohnungsunternehmen mit Sitz in Ronnenberg bei Hannover und Immobilienbesitz unter anderem in NRW hat sich im Laufe der Zeit den Ruf eines Problemvermieters eingehandelt. Defekte Aufzügen, Mängel in Wohnungen oder offene Versorger-Rechnungen – solche und andere Klagen von Mietern aus verschiedenen Städten rissen nicht ab. Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) nahm das Wohnungsunternehmen voriges Jahr ins Visier – und initiierte zusammen mit lokalen Behörden Kontrollen in zehn Städten. Altro Mondo zeigte sich kooperativ, verkündete Millionen-Investitionen und sagte die Beseitigung von festgestellten Mängeln zu. Zudem präsentierte das Unternehmen eine Liste revitalisierter Objekte.

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Ein halbes Jahr später zeigt sich am Beispiel von Kamen, dass einige Mängel inzwischen abgearbeitet sind, andere Punkte aber noch offen oder strittig sind. „In Folge der konzertierten Aktion wurden in zwei Liegenschaften auf Hinweis der Stadt Kamen die Fahrstühle repariert“, erklärte die Stadtverwaltung bereits am 21. Februar auf eine Anfrage zum Stand der Mängelbeseitigung.

„Es ist nicht bekannt, welche Mängel noch nicht beseitigt worden sein sollen.“
Altro Mondo

Darüber hinaus gibt es laut Stadt drei weitere Immobilien, in denen die Fahrstühle anfällig für Defekte sind „und immer wieder mal ausfallen“. Diese würden regelmäßig von der Stadt Kamen überprüft. Die Stadt habe bislang keine Instandsetzung anordnen müssen. Noch nicht beseitigt seien Mängel an Brandschutztüren und Rauchmeldeanlagen. Altro Mondo erklärt dazu unter anderem: „Es ist nicht bekannt, welche Mängel noch nicht beseitigt worden sein sollen.“ Seitens der Stadt liege keine Information vor.

Altro Mondo steht seit der konzertierten Kontrollaktion offenbar unter intensiver Beobachtung der Stadtverwaltung. Mitarbeiter seien regelmäßig vor Ort und machten sich dort ein Bild von der aktuellen Situation, so die Stadt. Darüber hinaus stehe die Stadt im regelmäßigen Kontakt mit Mietern. Seit der konzertierten Aktion hat die Stadt auch neue Mängel festgestellt. „Altro Mondo wurde im Zuge einer Instandsetzungsanordnung dazu aufgefordert, den Fahrstuhl in einer Immobilie zu reparieren. Dies ist bislang noch nicht geschehen“, so die Stadt Mitte Februar.

Sogenanntes Geisterhaus an der Blumenstraße 5.

Sogenanntes Geisterhaus an der Blumenstraße 5. © Stefan Milk

Altro Mondo kämpft mit Sperrmüll-Problem

Das Wohnungsunternehmen äußert sich selbst in einer ausführlichen Stellungnahme vom 6. März zum Stand der Mängelbeseitigung. Die Stadt habe Altro Mondo zur Auflage gemacht, den von einigen Bewohnern oder deren Besuchern in den Treppenhäusern, Kellern und Außenanlagen illegal abgelegten Sperrmüll zu entfernen. Dies sei bereits im Oktober 2019 erfolgt. „Allerdings ist dazu anzumerken, dass seitdem wieder mehrfach Sperrmüll illegal abgelegt und durch Altro Mondo auf eigene Kosten entfernt wurde“, so Altro Mondo. Des Weiteren sei Anfang November 2019 die Verkehrssicherung für das Objekt Blumenstraße 5 „wunschgemäß erweitert“ worden – gemeint ist das sogenannte Geisterhaus.

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Was die defekten Aufzüge angeht, ist Altro Mondo nach eigenen Angaben lediglich ein Fall bekannt: Bei der Aufzugsanlage im Gebäude Auf dem Spiek 35 seien nach Auskunft der beauftragten Fachfirma die Schützspulen und diverse Kontakte im Sicherheitskreis defekt. Diese Teile seien bestellt und am 24. Februar erneuert worden. Da die Anlage trotzdem weiter eine Störungsmeldung anzeigte, seien weitere Maßnahmen zur Behebung eingeleitet worden. Altro Mondo gehe davon aus, dass die Aufzugsanlage kurzfristig wieder funktioniere. Weitere Anlagen, die laut Stadtverwaltung „immer mal wieder ausfallen sollen“, seien Altro Mondo nicht bekannt.

Frühere Feuerwehreinsatz an der Blumenstraße: Aufstellflächen für die Feuerwehr werden an neue Bestimmungen angepasst.

Frühere Feuerwehreinsatz an der Blumenstraße: Aufstellflächen für die Feuerwehr werden an neue Bestimmungen angepasst. © Michael Neumann/Archiv

Aufzüge sind störungsanfällig

Das Wohnungsunternehmen verweist darauf, dass es sich bei manchen der Objekte „um ältere Gebäude mit entsprechend niedrigen Mieten handelt“. Deshalb seien die Aufzuganlagen etwas störungsanfälliger und es dauere oft einige Wochen, bis Ersatzteile für die Aufzuganlagen an die Fachfirma geliefert werden, die die Anlagen repariert. Altro Mondo habe auf die Reparatur- und Lieferzeiten keinen Einfluss. Die Alternative wäre, die älteren Aufzugsanlagen durch neue zu ersetzen. Allerdings könnte Altro Mondo dann „keine so niedrigen Mieten mehr anbieten“, da ein Teil der Modernisierungskosten „auf die Mieter umzulegen wäre“.

Brandschutz: Platz für die Drehleiter

Die Kontrollen zielen auch auf den Brandschutz ab. Die Feuerwehr musste wiederholt in das Viertel ausrücken. Brennender Sperrmüll brachte Hausbewohner in Gefahr. Die Stadt hat den Eigentümern der Gebäude Blumenstraße 2, 6, 7 und 8 sowie der Immobilie Blumenstraße 4 aufgegeben, die Feuerwehrzufahrten und die Aufstellflächen für Drehleitern zu überprüfen und „an die aktuellen Bestimmungen anzupassen“. Die entsprechenden Arbeiten sollen laut Altro Mondo noch im März abgeschlossen sein.

Das Unternehmen verwaltet mehr als 270 Wohnungen rund um die Blumenstraße in Kamen. Mario Averna allerdings, der Bewohner aus der Erik-Nölting-Straße, will sich lieber eine andere Bleibe suchen. Wegen vorhandener Mängel habe er einen Anwalt eingeschaltet, sagt er.

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