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Kriminalität

Nach dreistem Überfall in der Volksbank: Warum die geschubste Seniorin wieder lachen kann

Die Seniorin, die am Geldautomaten der Volksbank in Kamen überfallen wurde, kann wieder lachen. Sie war vom Terminal weggestoßen und um 1000 Euro erleichtert worden. Jetzt meldete sich die Bank bei ihr.

Helga Lange ist glücklich. Nachdem sie in der Vorhalle der Volksbank Kamen-Werne überfallen wurde, meldete sich nun ein Mitarbeiter des Kreditinstituts bei ihr.

„Ein ganz netter Herr, der sich tausendmal entschuldigt hat, weil es so lange gedauert hat“, berichtet sie. Die 76-jährige Kamenerin war schon Anfang Oktober vom Geldautomaten weggestoßen worden, so dass sie das Gleichgewicht verlor und ins Straucheln kam. Dabei nutzte der Täter den Schockzustand und hob 1000 Euro von ihrem Konto ab.

Kundin erhält den vom Konto abgebuchten Betrag zurück

Die Botschaft aus der Innenrevision der Volksbank an die Seniorin ist: Sie erhält den Geldbetrag zurück, der ihr – von dem nach wie vor unbekannten Täter – gestohlen wurde. „Ob ich mich freue? Aber hallo!“, sagt Lange froh.

Der „nette Herr“ aus der Volksbank habe sich sofort ihre Kontonummer aufgeschrieben und eine rasche Überweisung signalisiert. Lange ist nicht bei der Volksbank Kamen-Werne Kundin, sondern bei der Volksbank Unna, zu der die Filiale in Heeren-Werve gehört. Sie hatte sich, so sagte sie, zuvor mehrfach erfolglos erkundigt, ob sie das Geld zurück erhält oder nicht.

Juristen beschäftigen sich intensiv mit Schubser-Fällen

Juristen haben sich in den vergangenen Jahren intensiv damit beschäftigt, wie Fälle von Automaten-Schubsern zu bewerten sind.

Richter des Bundesgerichtshofs haben 2017 geurteilt, dass es sich dabei nicht um Raub, sondern um eine in der Regel weniger hart bestrafte räuberische Erpressung handelt.

Unterschied: Nimmt der Täter die Sache weg, ist es ein Raub, der mit bis zu 15 Jahren bestraft werden kann. Zwingt der Täter den Genötigten dazu, ihm die Sache zu geben, liegt eine räuberische Erpressung vor. Hier beginnt das Strafmaß bei sechs Monaten auf Bewährung.

Fälle von Automatenschubserei gelten als kompliziert, sodass sie unter Juristen schon als „Fälle des Monats“ diskutiert wurden und als Stoff fürs juristische Staatsexamen gehandelt werden.

Freude über unkomplizierte Erstattung des Geldes

Viel wichtiger für Opfer wie Helga Lange ist allerdings, dass eine rechtmäßige Geldübergabe nicht stattgefunden hat, auch wenn der Betrag von ihrem Konto abgebucht wurde. Denn solange das Geld noch im Automaten liegt, ist es im rechtlichen Sinne noch im Eigentum der Bank. Und da sie das Geld durch den Stoß nicht nehmen konnte, ist es nicht in ihren Besitz übergegangen. Somit hat sie Anspruch auf Erstattung des Geldbetrages.

Dass die Volksbank diese Erstattung nun unkompliziert in die Wege leitet, darüber ist die Seniorin froh. „1000 Euro, das ist schon ein erheblicher Betrag – wohl nicht nur für mich.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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