Nach dem plötzlichen Schulleiterwechsel ordnet sich das Gymnasium Kamen neu. Es nimmt die Herausforderung der Digitalisierung an und rüstet sich für die bevorstehenden Abi-Prüfungen.

Kamen

, 23.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach dem überraschenden Wechsel von Schulleiterin Angelika Remmers zum Pestalozzi-Gymnasium Unna (PGU) hat sich die Schulleitung am Gymnasium Kamen in Windeseile neu geordnet.

„Wir sind als Team sehr gut aufgestellt und haben personell keine Sorgen“, so Lars Wollny, der seit 2008 an dem Gymnasium lehrt. Jetzt führt er als kommissarischer Schulleiter das vierköpfige Leitungsteam jener Schule an, die zurzeit 860 Schüler hat. Unterstützt wird er von Andrea Aschendorf, Leiterin der Erprobungsstufe, Annette Dumpe-Fischer, Leiterin der Mittelstufe und Mathias Hollmann, Leiter der Oberstufe.

Remmers, fünf Jahre lang Schulleiterin an der Hammer Straße, hatte kurz vor dem Jahreswechsel angekündigt, aus persönlichen Gründen zu dem traditionsreichen Gymnasium in der Nachbarstadt zu wechseln.

Nach dem plötzlichen Schulleiter-Abschied: So kompensiert das Gymnasium den Wechsel nach Unna

Lars Wollny an seinem Schreibtisch. Der 48-Jährige unterrichtet Englisch und Sport und bereitet sich mit einem Team von 80 Pädagogen gerade auf das zweite Schulhalbjahr vor, das am 4. Februar beginnt. © Marcel Drawe

Den plötzlichen Wechsel im Team kompensieren
So läuft das Verfahren

Für einen neuen Schulleiter

  • Eine Ausschreibung für Schulleiterstellen wird in der Regel auf der Online-Plattform „Stella“ platziert. Nach sechs Wochen endet die Ausschreibungsfrist, nach der eine Beurteilung der Bewerber durch die Bezirksregierung erfolgt. Dann werden Schulkonferenz und Schulträger über die möglichen Kandidaten informiert, bevor es in die Auswahl geht.
  • Bevor Remmers in Kamen Georg Gahlen ablöste, musste das Verfahren wiederholt werden, weil man sich nicht auf einen Kandidaten verständigen konnte. Der Kandidat war in der ersten Besetzungsrunde von der Schulkonferenz nicht gewählt worden.
  • Bis Remmers schließlich übernahm, dauerte es etwa vier Monate. Gahlen wiederum hatte das Amt im Jahr 2003 übernommen, als sein Vorgänger Hermann Hupe die Bürgermeisterwahl gewonnen hatte.

Wollny ist 48 Jahre alt, ist im Unnaer Stadtteil Alte Heide aufgewachsen, besuchte das Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) in Unna, studierte in Münster und absolvierte sein Referendariat am Kamener Gymnasium, bevor er dann Lehrer an einer Realschule in Oelde wurde.

„Als hier eine Stelle frei wurde, bin ich gerne hierher gewechselt“, erinnert sich Wollny, der sich als heimatverbunden bezeichnet, an das Jahr 2008. Seitdem unterrichtet er Englisch und Sport und ist seit einigen Jahren stellvertretender Schulleiter. Der plötzliche Wechsel von Angelika Remmers, so Wollny, könne im Team gut kompensiert werden. „Der Betrieb läuft ganz normal weiter.“

Zurzeit bereiten sich die Pädagogen, etwa 80 an der Zahl, auf den Start des zweiten Halbjahrs vor. Das beginnt nach einem pädagogischen Tag am Dienstag, 4. Februar.

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Besetzungsverfahren dauert mindestens ein halbes Jahr

Wie schnell die Schulleiterstelle wieder besetzt wird, ist zurzeit unklar. Das Besetzungsverfahren dauert mindestens ein halbes Jahr, vermutlich aber auch länger.

„Ich bin nicht unvorbereitet, ich habe alles schon einmal gemacht“
Lars Wollny, kommissarischer Schulleiter

Ob Wollny eine Bewerbung abgeben wird, darüber lässt er sich keinen Kommentar entlocken. Auch Ursula Kissel, Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg, lässt sich auf keine Spekulationen ein, wie lange die Schule jetzt kommissarisch geführt wird. „Es hängt viel davon ab, ob sich auch tatsächlich jemand bewirbt. Das ist bekanntlich auch nicht immer der Fall.“

Zielsetzung sei auf jeden Fall, die Stelle so schnell wie möglich wieder zu besetzen. Wollny ist als bisheriger Stellvertreter freilich auch mit den Leitungsaufgaben vertraut. „Ich bin nicht unvorbereitet, ich habe alles schon einmal gemacht“, sagt er auch mit Blick auf Repräsentationsaufgaben.

Nach dem plötzlichen Schulleiter-Abschied: So kompensiert das Gymnasium den Wechsel nach Unna

Angelika Remmers wechselte zum Jahresbeginn zum Pestalozzi-Gymnasium Unna. © Stefan Milk

Von acht Schuljahren auf neun Schuljahre umgestellt

108 Schüler haben im vorigen Schuljahr, dem Jahr 2018/19, ihr Abitur an der Kamener Penne gebaut. Nach acht Schuljahren. All die, die nach den Sommerferien eingeschult werden, haben wieder neun Schuljahre vor sich. Im vorigen Jahr fiel an der Schule die Entscheidung, wieder zu G9 zurückzukehren.

„Wir haben das Gefühl, dass die Eltern erleichtert sind“
Andrea Aschendorf, Leiterin der Erprobungsstufe

„Wir haben das Gefühl, dass die Eltern erleichtert sind. Vor allem, was die zweite Fremdsprache betrifft“, so Andrea Aschendorf im Gespräch mit der Redaktion.

Ob sich das auch im Anmeldeverhalten fürs neue Schuljahr widerspiegeln wird, sei noch nicht absehbar. Die Anmelderunde für das Gymnasium beginnt am Freitag, 14. Februar.

Wer zuvor einen Eindruck bekommen will, was an der Schule los ist, kann eine turbulente Spielshow nach dem Vorbild von „Luke, die Schule und ich“ am Donnerstag, 6. Februar, besuchen. Beginn ist um 18.30 Uhr in der Konzertaula.

Digitalisierung schreitet schnell voran

Unterdes schreitet die Digitalisierung der Schule in großen Schritten voran, wie Wollny zufrieden feststellt. Alle Klassenzimmer sollen mit WLAN-fähigen Multitouch-Bildschirmen ausgestattet werden, zahlreiche neue Computer sind angekündigt.

Ein schulinternes Konzept, was an zusätzlicher Infrastruktur benötigt wird, ist in Arbeit. „Samt Förderanträgen, alles ist im Fluss“, so Wollny.

Bemerkbar mache sich die Entwicklung, so Aschendorf, schon jetzt im Informatik-Unterricht, wo man in zwei neuen Räumen mit kleineren Gruppen arbeiten kann. „Die Schüler haben ihre Rechner blitzschnell gestartet und legen dann los.“ Ein dritter Informatikraum, zurzeit noch in Arbeit, soll in Kürze fertiggestellt sein.

Viele Schüler gehen mit sehr guten Noten in Abiturprüfungen

Egal ob Chorfahrt mit 174 Schülern nach Heek, Fairtradegruppe, Upcycling AG oder Achtsamkeitsgruppe. Der Schulalltag dreht sich jetzt auch ohne festen Schulleiter weiter.

Und die jetzigen Abiturienten gehen mit guten Aussichten in die Prüfungen, wie Mathias Hollmann sagt: „Bis auf wenige Ausnahmen. Wir erwarten Zulassungen in gleicher Zahl wie im Vorjahr. Und viele Schüler haben richtig gute Noten!“

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