Was kommt nach dem Abi? Leander Doert und Janis Müller überbrücken als „Bufdi“ die Zeit bis zum Studium. Warum das freiwillige Jahr genau richtig ist, erzählen die beiden 19-Jährigen hier.

Kamen

, 08.07.2019, 14:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Janis Müller war zunächst enttäuscht: Den erhofften Studienplatz für Biologie und Geschichte hatte die Kamenerin nach dem Abitur nicht bekommen. Der Traum vom Lehramtsstudium war vorläufig geplatzt. Dann erfuhr sie während einer Auslandsreise, dass daheim in Kamen ein „Bufdi“ gesucht wird, und informierte sich. Junge Leute können an der Fridtjof-Nansen-Realschule den Bundesfreiwilligendienst absolvieren.

Im Unterricht hospitiert

Auch Leander Doert aus Kamen will Lehrer werden. Anders als Janis Müller bewarb er sich zunächst nicht um einen Studienplatz, sondern plante das freiwillige Dienstjahr vorher ein. Sowohl Doert als auch Müller bewarben sich erfolgreich um die beiden „Bufdi“-Stellen an der Kamener Realschule. Nun, kurz vor dem Start der Sommerferien, können die beiden 19-Jährigen auf ein erfolgreiches Jahr als Bundesfreiwilligendienstler zurückblicken. Sie betreuten Schüler, halfen bei Hausaufgaben, hospitierten im Unterricht oder fuhren bei Klassenfahrten mit.

Nach dem Abi ins freiwillige Jahr: „Ich werde nicht ins kalte Wasser geworfen“

„Bufdi“ Leander Doert hilft einer Schülerin am Computer. © Stefan Milk

Bufdi hilft bei der richtigen Berufswahl

Stichwort

Bundesfreiwilligendienst

  • Der Bundesfreiwilligendienst ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Junge Menschen nach der Schule, Menschen in mittleren Jahren und Senioren können den Dienst machen.
  • Anders als früher beim Wehr- und Zivildienst kann der 12 Monate dauernde Dienst auf sechs Monate verkürzt oder auf 18 Monate verlängert werden. Maximal sind zwei Jahre möglich.
  • Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Soziales (Kinder- und Jugendhilfe, Jugendarbeit, Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege, Behindertenhilfe), Umwelt- und Naturschutz, Sport, Integration, Kultur- und Denkmalpflege, Bildung, Zivil- und Katastrophenschutz.
  • Interessenten finden mögliche Einsatzstellen über eine Online-Suche. Derzeit sind allein in Kamen 17 Einsatzstellen gelistet – vom Altenzentrum Peter und Paul über die Feuer- und Rettungswache bis zum Westfälischen Tennisverband. Interessenten für einen Bufdi-Platz in der Realschule können sich im Schulsekretariat und beim Jugendverband Computer und Medien in Dortmund melden.
  • Für den Einsatz gibt es ein sogenanntes Taschengeld von bis zu 402 Euro.

Für alle Absolventen, die jetzt ihren Schulabschluss in der Tasche haben, haben die beiden „Bufdis“ einen Rat. Janis Müller sagt: „Ich hatte vor meinem Bufdi eher Vorbehalte gegenüber einem freiwilligen sozialen Jahr. Jetzt kann ich nur sagen: Auf jeden Fall machen, wenn man unsicher ist, was man mal werden will.“ Leander Doert meint: „Der Bundesfreiwilligendienst ist für Leute, die den Lehrberuf interessant finden, genau richtig, damit man nicht erst im Referendariat merkt, dass das nichts für einen ist.“

Deutsch für Flüchtlingskinder

Janis Müller kümmerte sich zu Beginn des Schuljahrs zunächst um drei Kinder, die wegen einer Behinderung mehr Unterstützung brauchen als andere Schüler. Die Realschule gehört zu den weiterführenden Schulen, an denen es den sogenannten „gemeinsamen Unterricht“ gibt. Später übernahm Müller wöchentliche Sprachstunden für Kinder, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen und Deutsch als Zweitsprache lernen. Ihre Aufgabe ist es, montags und dienstags in der fünften und sechsten Stunde mit den Kindern zu lesen und zu sprechen.

Die „Bufdis“ können die Lehrerinnen und Lehrer bei Unterrichtsstunden begleiten. Leander Doert konnte diese Möglichkeit relativ häufig nutzen. Irgendwann bot ihm Schulleiter und Englischlehrer Peter Wehlack an, wie ein Referendar selbst eine Unterrichtsstunde zu gestalten. „Wir haben eine Filmsequenz über Unterschiede zwischen England und Schottland besprochen“, erzählt Doert, der mit Beginn des Wintersemesters Englisch und Sport studieren will.

Auf Klassenfahrt und zum „Coding Camp“

Gemeinsam oder einzeln waren die Bufdis bei Klassenfahrten dabei: mit Neunt- und Zehntklässlern in Brixen in Südtirol und mit den Siebtklässlern in Neuharlingersiel. Dazu kommt noch eine Studienfahrt nach Weymouth in England und ein Ferienfreizeit in Winterberg. Bei diesem „Coding Camp“ können Zehn- bis 16-Jährige das Programmieren lernen. Angeboten wird diese Freizeit vom Jugendverband Computer & Medien, der auch die Nachmittagsbetreuung an der Fridtjof-Nansen-Realschule organisiert. Die „Bufdi“-Stellen an der Realschule laufen über den Verband. Die Bufdis sind auch in die Nachmittagsbetreuung an der Realschule eingebunden, wenn Hausaufgaben gemacht werden oder Fünftklässler Schwimmen lernen.

Leander Doert ist drei Tage pro Woche an der Schule tätig, Janis Müller zwei Tage. Die übrige Zeit arbeiten sie in der Verbandsgeschäftsstelle in Dortmund. Über den Verband haben sie auch Schulungen bekommen und konnten beispielsweise den Rettungsschwimmer- und Übungsleiterschein erwerben.

Nach dem Abi ins freiwillige Jahr: „Ich werde nicht ins kalte Wasser geworfen“

Janis Müller kann als „Bufdi“ an Unterrichtsstunden teilnehmen – hier in einer Englischstunde. © Stefan Milk

Win-Win-Situation für Jugendliche und Schule

Für die Bufdis und die Lehrkräfte ergibt sich durch den Bundesfreiwilligendienst eine „Win-Win-Situation“, wie Realschulleiter Wehlack sagt. Die jungen Leuten würden nach dem Abi von dem Perspektivwechsel und den gesammelten Erfahrungen profitieren, die Realschule gewinne durch die zusätzliche personelle Unterstützung. Auch für das kommende Schuljahr 2019/2020 sind noch Bufdi-Plätze an der Realschule frei. Bewerberinnen und Bewerber sind willkommen.

Janis Müller und Leander Doert warten derweil auf eine Zusage von ihrer Traum-Universität. Falls der Wunsch in Erfüllung geht, werden sie sich wie schon als „Bufdis“ auch im Studium wohl häufiger begegnen: an der Uni in Münster.

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Infos: www.bundesfreiwilligendienst.de

Fridtjof-Nansen-Realschule: www.fnr-kamen.de

Jugendverband Computer & Medien: www.computerjugend.de
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